Pfingstturnier: Planänderung beschert Totilas-Nachfolger

aus Wiesbadener Pfingstturnier

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Vor fünf Jahren verwies Matthias Rath mit Totilas die Konkurrenz in die Schranken. Dieses Mal bringt er einen Nachfolger des „Wunderhengstes“ mit in den Biebricher Schlosspark. Archivfoto: WRFC

Warum es für das Pfingstturnier ein Glücksfall sein könnte, dass Deutschlands beste Nachwuchsreiter keine Zeit haben.

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WIESBADEN. 2014 hatte er auf dem Pfingstturnier in Wiesbaden für ausverkaufte Zuschauertribünen und Gedränge rund um das Dressurviereck vor dem Biebricher Schloss gesorgt. Totilas, der Wunderhengst, schwarz wie die Nacht und mit einem stattlichen Stockmaß von 1,70 Metern, ein wohlproportioniertes Muskelpaket, das mit seinen Bewegungen sowohl Laien als auch Experten ins Schwärmen brachte. Mit dem Traumergebnis von 83,169 Prozent gewann Matthias Alexander Rath mit Totilas im Grand Prix Special. Die Weltmeisterschaften im Herbst musste Rath dann aber aufgrund einer Verletzung von Totilas absagen. Knapp vier Jahre nach dem Karriereende des „Wunderpferdes“, machen nun dessen Erben von sich reden. Einer von ihnen ist beim 83. Pfingstturnier, dem Longines Pfingstturnier Wiesbaden, am Start. Total Recall heißt der Totilas-Nachfolger, den Rath unterm Sattel vorstellen wird und dessen Mutter übrigens auch die Mutter von Weihegold, dem Olympiapferd von Isabell Werth, ist. Und noch ein Totilas-Erbe kommt: Top Gear, geritten von der norwegischen Dressurreiterin Isabel Freese.

Dass in vier Wochen solche Hochkaräter in Wiesbaden übers Viereck schweben, ist dem eigentlich unglücklichen Umstand geschuldet, dass Deutschlands beste Nachwuchsreiter beim Longines Pfingstturnier Wiesbaden dieses Mal nicht mit am Start sind. „Die Termine für die Nachwuchsreiter liegen sehr eng beieinander“, erklärt Dressur-Chefin Isabelle Kettner. In der Vergangenheit war das Pfingstturnier für Ponyreiter, Junioren und Junge Reiter die erste Möglichkeit, sich für einen Startplatz im Team von Bundestrainer Hans-Heinrich Meyer zu Strohen – und damit für die anstehende Europameisterschaft der Nachwuchsreiter in Italien – zu empfehlen. Dieses Jahr klappt das aus zeitlichen Gründen nicht. „Das brachte uns auf die Idee, erstmals die besten Nachwuchspferde einzubeziehen statt der Nachwuchsreiter. Und ich muss sagen: Je länger wir über das neue Konzept nachgedacht haben, umso besser gefällt es uns“, sagt Kettner.

Damit tun sich beim Pfingstturnier nämlich ganz neue Möglichkeiten auf. Die internationalen Dressurreiter können 2019 erstmals mit sechs Pferden im Schlosspark an den Start gehen: Zwei in den beiden großen Touren, ein Pferd für die kleine Tour und drei für die neuen Nachwuchsprüfungen für fünf-, sechs- und siebenjährige Pferde. Der Vorteil: Auch Reiter, die wegen der Deutschen Meisterschaft – die nur zwei Tage nach dem Pfingstturnier in Balve startet und wo auch die Aktiven ihre Visitenkarte für die Teilnahme an den diesjährigen Europameisterschaften abgeben wollen – eigentlich nicht nach Wiesbaden gekommen wären, können nun ihre Nachwuchspferde vor großer Kulisse und einem fachkundigen Publikum vorstellen. So wie eben Matthias Rath seinen Total Recall. Und seinen Destacado, mit dem er im vergangenen Jahr die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft der jungen Dressurpferde gewonnen hat. Übrigens auch die ideale Vorbereitung auf die bevorstehende WM der jungen Pferde im niederländischen Ermelo Anfang August.

Auch Werth, Schneider und Plönzke wieder dabei

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Rekordsiegerin Werth kommt hingegen ohne Nachwuchspferd, will es dafür aber einmal mehr in den beiden „großen Touren“ mit Grand Prix und Special auf der einen und Grand Prix und Flutlichtkür auf der anderen Seite wissen. Auch Teamolympiasiegerin Dorothee Schneider, die in Wiesbaden aufgewachsen ist, will wieder diese Gänsehaut spüren, wenn sie beim Pfingstturnier den kleinen Weg ins Dressurstadion hinauf reitet und dabei auf das Biebricher Schloss schaut. Lokalmatadorin Anja Plönzke ist ebenfalls wieder mit am Start und will ihren Erfolg von 2010 in der Kür wiederholen.