Junge Wiesbadener Paddler mit Ehrgeiz und Geselligkeit

Das Oktett, das den WVS bei der deutschen Meisterschaft vertreten hat (von links vorne):  Tristan Krautkrämer, Sina Kretschmer, Katharina Nikolay, Marvin Alves da Cunha sowie hinten Gunvald Kirchner, Marius Hessel, Daniel Bürgel und Lars Tüsselmann. Foto: WVS

1300 Mitglieder starker Wassersport Verein Schierstein will nach turbulenten Jahren an Hessens Spitze

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WIESBADEN. Edgar Hartung, der Vorsitzende des Wassersportvereins Schierstein, hat im Kanurennsport schon viel erlebt: Olympia-Teilnahme 1976 in Montreal sowie vier Finalteilnahmen bei Weltmeisterschaften sind nur ein Auszug aus der Vita des ehemaligen Weltklasse-Paddlers.

Doch selbst einer wie Hartung verdrückte bei der Empfangszeremonie auf dem Vereinsgelände am Schiersteiner Hafen zugunsten der acht Teilnehmer des WVS an den deutschen Meisterschaften tatsächlich ein paar Tränen der Rührung. Zum einen über das mehr als achtbare Gesamtergebnis der jungen WVS-Athleten. Welches schließlich durch Marvin Alves da Cunha mit dem Deutschen Meistertitel im Einerkajak über 2000 Meter und der Bronzemedaille im Kanumehrkampf gekrönt wurde. „Ich habe von Anfang an Vollgas gegeben und hatte eine günstige Startposition. Mein ärgster Konkurrent war lange Zeit auf meiner Welle unterwegs, aber am Ende konnte ich ihn um eine Bootslänge distanzieren“, schildert der 14-jährige Champion den Rennverlauf. Den er obendrein noch mit der persönlichen Bestzeit von 8:38 Minuten garnierte.

Maßgeblichen Anteil am Erfolg hat Trainer Marc Poth. Der 23-Jährige hat mehrere deutsche Meistertitel gewonnen, wurde überdies 2014 Welt- und Europameister bei den Junioren. Seine langjährigen Erfahrungen gibt der ambitionierte Coach seit einem Jahr an seine Schützlinge in Schierstein weiter. Mit Alves da Cunha und Co. schraubte er das Trainingspensum auf sechs bis sieben Tage in der Woche und bis zu vier Einheiten am Tag hoch. „Ich habe die Trainingsarbeit hier ein wenig umgekrempelt. Insgeheim hatte ich dieses Jahr schon auf den Titel gehofft. Das sollte jetzt natürlich so weitergehen. Wir haben noch einen harten Weg vor uns und wollen die Nummer eins in Hessen werden”, formuliert Poth seine Ziele. Diesen Status hatte man nach turbulenten Jahren an den WSV Lampertheim verloren. „Die Kanuabteilung war ziemlich dezimiert. Durch Umstrukturierungen im Vorstand konnten wir zum Glück den Neubeginn einleiten”, blickt Hartung zurück. 2014 übernahm Hartung den Vorsitz im Vorstand des WVS, der zu diesem Zeitpunkt im Kanurennsport seine komplette Seniorenabteilung eingebüßt und nur noch drei jugendliche Rennsportler zur Verfügung hatte. Gemeinsam mit Kanurennsport-Abteilungsleiterin Birgit Barth, den Trainern Lutz Vonhausen und Thomas Albin sowie zahlreichen Helfern baute er die Abteilung Stück für Stück wieder auf. Mit Erfolg sowohl in der Spitze – wie die jüngsten Leistungen bei der deutschen Meisterschaft belegen – als auch in der Breite: Auf die Regatta zum Jahresabschluss in Kaiserslautern fährt die WVS-Equipe mit einem Tross von 40 jungen Paddlern. Mit der Arbeit im 1300 Mitglieder starken Verein, der auch die mehr auf Breiten- und Allgemeinsport ausgerichteten Abteilungen Drachenboot, Stand-up-Paddling, Motorboot, Segeln oder Kanuwandern umfasst, ist Hartung auch zufrieden. „Hier wird tolle Vereinsarbeit geleistet.“

Anstrengendes Pensum aus Schule und Leistungssport

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Davon profitieren letztlich auch die sportlichen Aushängeschilder wie Marvin Alves da Cunha oder Sina Kretschmer und Katharina Nikolay, denen Trainer Marc Poth für die deutsche Meisterschaft im kommenden Jahr großes Potenzial bescheinigt. Alves da Cunha: „Auch wenn das Pensum aus Schule und Leistungssport für mich sehr anstrengend ist, ziehe ich sehr viel Motivation aus der Geselligkeit hier im Verein.” Das macht auch Hartung froh: „Als die Athleten am Sonntagabend hier ankamen, hat man gesehen, dass es eine geschlossene Mannschaft ist. Das ging mir sehr nahe.“ Und auch da kullerte die ein oder andere Freudenträne.