Vom "Paradiesvogel" zum "Piraten" - Andre Agassi

aus Zeit-Lupe

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Andre Agassi: ... und nachher (1995). Archivfoto: imago

Von der "Matte" zur Rasur: Der US-Tennisprofi überraschte seine Fans bei den Australian Open 1995 mit neuem Look.

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. Von Andreas Riechert

Plötzlich war alles anders. Auf einmal kam der einstige "Paradiesvogel" ziemlich gerupft und als "Pirat" daher. Wo noch wenige Wochen zuvor die lange, blondierte Mähne geweht und unzählige Frauenherzen in Verzückung versetzt hatte, schimmert nun ein geschorener, hier und da schon recht kahler Kopf in der heißen Sonne.

Andre Agassi ist beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres nicht wiederzuerkennen. Der Tennis-Superstar tritt bei den Australian Open 1995 mit völlig neuem Look an. Die wehenden langen Haare, verbunden mit schrillen Outfits, hatten Agassi weltweit bekannt und zum "Popstar" des Sports mit der Filzkugel gemacht. Seit Beginn seiner schillernden Karriere in den 1980er Jahren war seine Matte zum Markenzeichen geworden.

Brooke Shields riet ihm dazu

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Anfang 1995 entscheidet sich der US-Amerikaner dann jedoch zum Radikalschnitt. Weil ihm die "Federn" zunehmend ausfallen, greift der Wimbledonsieger von 1992 zum Haarschneider. Und rasiert die wallende Mähne auf Anraten seiner damaligen Partnerin, der Schauspielerin Brooke Shields, kurzerhand ab. Was Agassi jedoch nicht daran hindert, in Australien einen großen Siegeszug zu starten. Zum ersten Mal überhaupt tritt der Glamour Boy aus Las Vegas auf dem fünften Kontinent an - nachdem er zuvor stets einen großen Bogen um das Hartplatz-Turnier in Melbourne gemacht hatte. Im Schlabber-Look - Agassi trägt neben seinem "Piraten"-Kopftuch auch eine viel zu weite Hose und ein viel zu langes Shirt - besiegt er Gegner um Gegner. Kämpft sich auf dem glühend heißen Center Court von Runde zu Runde. Im Finale trifft er auf seinen großen Rivalen Pete Sampras. Und siegt. Nach einem dramatischen Duell krönt sich Agassi zum Australian-Open-Champion. Und wird im April erstmals die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste. Als Nachfolger von "Pistol-Pete" Sampras.

Ein Jahr nach seinem Triumph Down Under wird Agassi 1996 Tennis-Olympiasieger in Atlanta. Noch drei weitere Male reckt er in Melbourne den Pokal in den Himmel, ehe der "Pirat" im Juni 2006 seine glorreiche Karriere beendet. Bis heute trägt Agassi Glatze. Erst nach seiner Laufbahn offenbart er, dass seine von der Damenwelt bewunderte Mähne ein fauler Zauber war: Über Jahre hinweg hatte der Rechtshänder ein Haarteil getragen, den zunehmend dünner werdenden "Kopfschmuck" am Ende stets mit einer Mütze bedeckt.