Lothar Matthäus und das Spiel seines Lebens

aus Zeit-Lupe

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Ein Tor für die Ewigkeit: Lothar Matthäus (links) zieht ab - und trifft bei der WM 1990 zum 1:0 gegen Jugoslawien. Archivfoto: imago

Der Franke brilliert bei Weltmeisterschaft 1990. Im Vorrunden-Spiel gegen Jugoslawien trifft Lothar Matthäus zwei Mal. Sein fulminanten Solo zum 1:0 wird zum Tor des Jahres...

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. Von Andreas Riechert

Im Nachhinein ist es wohl das Spiel seines Lebens gewesen. Jene Partie, die Lothar Matthäus endgültig zum Weltstar werden ließ - und den triumphalen WM-Sieg der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 1990 in Italien begründete. Im Auftaktspiel gegen Jugoslawien war der damals 29-jährige Mittelfeldregisseur der DFB-Elf Dreh- und Angelpunkt, erzielte gegen die als Geheimfavorit zum Turnier angereisten Jugoslawen beim 4:1-Sieg gleich zwei Treffer. Besonders Matthäus' fulminantes Solo über den halben Platz vor seinem 1:0 ist nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Es war ein Tor für die Ewigkeit. Eine Aktion, die die hoch gehandelten Balkan-Kicker vor Ehrfurcht fast erstarren ließ. Matthäus schnappte sich nahe der Mittellinie die Kugel, ließ gleich mehrere Jugoslawen wie Statisten aussehen und knallte den Ball wuchtig und platziert ins gegnerische Gehäuse (28. Minute). Die Südosteuropäer - bei denen Serben, Kroaten, Montenegriner, Bosnier, Mazedonier und Slowenen kurz vor dem Zerfall des Staates noch gemeinsam im Kader standen - erholten sich von diesem Schock nicht mehr.

Fußballer des Jahres

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Nach Jürgen Klinsmanns 2:0 wenige Minuten vor der Halbzeit kam Jugoslawien durch Davor Jozic zwar noch zum Anschlusstreffer (55.) - doch Lothar Matthäus zerstörte ihre zart aufkeimenden Hoffnungen mit seinem zweiten Tor zum 3:1 (63.). endgültig. Angetrieben von ihrem Spielführer setzten die Deutschen kurz vor dem Abpfiff durch Rudi Völler sogar noch eins drauf.

Matthäus stand im Juni 1990 im Zenit seines Könnens. Der Franke führte die Nationalmannschaft nach seiner Gala gegen Jugoslawien bis ins Finale gegen Argentinien und zum Titel, wurde zu Europas Fußballer des Jahres und anschließend zum Weltfußballer gewählt. Für die gedemütigten Jugoslawen dagegen sollte das Turnier in Italien das letzte große unter gemeinsamer Flagge sein. Bei der WM kam die Mannschaft um Kapitän Dragan Stojkovic immerhin noch ins Viertelfinale. Zwei Jahre später bei der EM in Schweden war sie wegen der Kriegswirren auf dem Balkan zum Zuschauen verdammt.