"Hal" Connolly - Mit dem Hammer zum großen Wurf

aus Zeit-Lupe

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„Hal“ Connolly bei seinem Olympiasieg – vier Jahre später  wirft er 70,33 Meter.Archivfoto: imago

Der US-Amerikaner "Hal" Connolly knackt am 12. August 1960 bei einem Meeting im kalifornischen Walnut die 70-Meter-Marke. Auffällig: In den 60er Jahren purzeln die Rekorde im...

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. 70,33 Meter zaubern dem ukrainischen Hammerwerfer Jurij Sedych maximal ein amüsiertes Lächeln ins Gesicht. Schließlich hält der 60-Jährige seit seinem Europameistertitel 1986 in Stuttgart den Weltrekord mit dem 7,26 Kilogramm schweren Wurfgerät – mit 86,74 Metern. Und doch macht der erste Wurf über die in den 1950er Jahren noch magische 70-Meter-Marke den Hammerwerfer Harold Vincent „Hal“ Connolly am 12. August 1960 quasi über Nacht zu einem begehrten Interview-Partner. Zwar hatte der US-Athlet bereits vier Jahre zuvor bei den Olympischen Spielen in Melbourne in seiner Disziplin die Goldmedaille gewonnen und sich auch den Weltrekord gesichert. Doch die 1958 geworfenen 68,68 Meter steigerte der in Somerville (Massachusetts) geborenen Sportler bei einem Meeting im kalifornischen Walnut um fast zwei Meter. Welch eine Steigerung.

Dabei hatte der 1,83 Meter große „Hal“ Connolly eigentlich eine Karriere als Boxer für sich beansprucht. Einzig sein linker Arm, infolge mehrerer Brüche um neun Zentimeter verkürzt, machte dem US-Boy einen Strich durch die Rechnung. Also machte Connolly aus der Not eine Tugend. Mit Erfolg: Weitere dreimal steigerte er seinen Weltrekord bis 1965 auf 71,26 Meter. Zwar war er diesen noch im gleichen Jahr schon los, als der Ungar Gyula Zsivótzky 2,5 Meter weiter warf. Doch blickt Connolly mit Olympiagold und einem Dutzend nationaler Titel auf eine stolze Karriere zurück.

Allerdings blieb auch ein Wermutstropfen: Der US-Amerikaner gab in einem Interview anlässlich der Spiele in Sydney 2000 zu, in der Zeit nach seinem großen 70,33-Meter-Wurf mit Steroiden experimentiert zu haben. Zur Leistungsentwicklung in seiner Sportart fand er denn auch kritische Worte: „Überall gibt es Weltklasseleistungen am laufenden Band. Und selbst in Übungen, die in Amerika nur so am Rande ausgetragen werden, nehmen sich die zehn Besten blendend aus.“ Seiner Überzeugung nach waren die Leistungen der „vielleicht 30 echten US-Hammerwerfer nicht sauber“.