Lilien-Gegner Hertha: Die "Alte Dame" ist jünger geworden

aus SV Darmstadt 98

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Der Hauptstadtclub hat eine gute Balance zwischen jungen und erfahrenen Spielern gefunden. Trainer Pal Dardai ist die große Konstante.

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BERLIN. Beim erfolgreichen Bundesliga-Auftakt gegen den 1. FC Nürnberg betrug das Durchschnittsalter der "Alten Dame", wie Fußball-Erstligist Hertha BSC genannt wird, etwa 21 Jahre. In den Partien danach war die Mannschaft von Trainer und Hertha-Rekordspieler Pal Dardai nur unwesentlich älter. Schon lange ist der Hauptstadtclub für ausgezeichnete Jugendarbeit bekannt, doch haperte es oft an der Durchlässigkeit zu den eigenen Profis.

Dies ist jetzt anders - weil Dardai auf die jungen Wilden setzt. In der jüngsten Vergangenheit integrierte er einige A-Jugend-Spieler ins Team, darunter auch seinen 19 Jahre alten Sohn Palko. Im Kader finden sich zwölf Talente, darunter Spieler wie Julius Kade (19), Arne Maier (19), Maximilian Mittelstädt (21) und Jordan Torunariga (21), die ihr Potenzial bereits in der vergangenen Saison andeuteten und die nun gemeinsam den nächsten Schritt gehen sollen. Zählt man erfahrene Kräfte wie Torwart Rune Jarstein, Abwehrspieler Marvin Plattenhardt, die Mittelfeldakteure Per Cijan Skjelbred, der wegen einer Oberschenkelprellung am Dienstag wohl ausfällt, und Fabian Lustenberger sowie die Stürmer Salomon Kalou und Vedad Ibisevic dazu, dann erkennt man eine gute Mischung aus frischem Wind und Altbewährtem.

Abgesehen von Rechtsverteidiger Mitchell Weiser konnten nahezu alle Leistungsträger gehalten werden. Für Weiser wurde vom 1. FC Köln Lukas Klünter verpflichtet, der sich aber noch nicht wirklich durchsetzen konnte. Auch in der Führungsetage setzt man auf Konstanz: Seit fast zehn Jahren ist Michael Preetz als Manager und Geschäftsführer in der Verantwortung, Cheftrainer Dardai ist neben Freiburgs Christian Streich der dienstälteste Bundesliga-Übungsleiter (seit 2015).

Mit Siegen gegen Bayern München und Borussia Mönchengladbach sowie dem Punktgewinn vom Samstag bei Borussia Dortmund sorgten die Herthaner zuletzt für Überraschungen, sie stehen mit 16 Punkten auf Tabellenplatz sechs. Und dies, obwohl man in der abgelaufenen Spielzeit als Zehnter nach zwei Jahren nicht mehr in einen europäischen Wettbewerb einziehen konnte und sich noch immer mit der Stadionthematik befassen muss. Denn das Olympiastadion ist mit rund 75 000 Plätzen einfach zu groß - gerade bei der sportlichen und kulturellen Konkurrenz in der Hauptstadt. Vieles deutet darauf hin, dass der Senat einem Neubau auf dem Olympiagelände zustimmen wird und die Hertha ab 2025 in einem eigenen Stadion mit einem Fassungsvermögen von 50 000 Zuschauern auflaufen könnte.

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Die Spielweise ist seit dieser Saison nicht mehr ausschließlich mit den Attributen Disziplin und Zweikampfstärke zu beschreiben. Sicher präsentieren sich die Berliner auch in diesem Jahr wieder giftig und hart in den Zweikämpfen, sie können dazu den Ball aber auch hervorragend halten und sorgen durch mutiges Umschaltspiel für Gefahr. Der slowakische Nationalspieler Ondrej Duda ist im offensiven Mittelfeld als Zehner der Ideengeber und sorgte mit sechs Treffern auch für Torgefahr. Neben Kalou und Ibisevic hat Dardai mit Davie Selke und Valentino Lazaro zwei weitere starke Spieler für die Offensive.

In den bisherigen elf Aufeinandertreffen beider Vereine am Böllenfalltor ist die Bilanz ausgeglichen: Vier Siege, drei Unentschieden und vier Niederlagen stehen für den SV Darmstadt 98 zu Buche. Die Partie verspricht einiges an Spannung - nicht zuletzt, weil auch die Lilien mit vier Punkten aus den beiden jüngsten Begegnungen wieder eine etwas breitere Brust haben dürften.

Von Melanie Kahl-Schmidt