Fußball: Vom Profi zum Türkischen SV – und wieder zurück?

Comeback beim Türkischen SV: Eduardo Landu Mateus.  AF: Henkel

Eduardo Landu Mateus spielte einst vor rund 8000 Fans Fußball, verletzte sich dann aber. Nun will er neu angreifen.

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WIESBADEN. Es war der 12. Dezember 2020 im Otto-Schott-Sportzentrum des TSV Schott Mainz: In Diensten des Regionalligisten FC Gießen verdrehte sich Eduardo Landu Mateus das linke Knie – die Diagnose: Riss des linken vorderen Kreuzbands. Für den heute 26-Jährigen bedeutet die schwere Verletzung möglicherweise das Ende seiner Profilaufbahn. Oder doch nicht?

Doch der Reihe nach. Landu Mateus wurde in der angolanischen Landeshauptstadt Luanda geboren. Wegen des anhaltenden Bürgerkriegs wanderte seine Familie 2002 nach Deutschland aus. Für ihn war der frühe Umzug in ein anderes Land mit einer anderen Kultur überhaupt kein Problem. „Ich bin sofort in die Vorklasse gekommen, habe mich dadurch schnell zurechtgefunden“, erklärt er. Als Kind war er fast durchgehend auf dem Bolzplatz zu finden. Auch als ihn sein Vater beim FV Biebrich anmeldete. Landu Mateus durchlief dort sämtliche Jugendmannschaften bis zur U 16, ehe er sich der U 17 des SV Wehen Wiesbaden anschloss. „Ich habe zu diesem Zeitpunkt gemerkt, dass ich in meiner fußballerischen Entwicklung weiter war. Somit war für mich der Punkt gekommen, den nächsten Schritt zu gehen“, blickt er auf die Beweggründe für seinen damaligen Wechsel zurück. Dort hatte er sich dann in der U 17 etabliert und verdiente ab den A-Junioren sein Geld mit dem Fußball. Im Aktivenbereich spielte er in der U 23 mit einem Profivertrag. Über weitere Stationen wie die Stuttgarter Kickers, den FCV Dender EH (Belgien) und den VfB Ginsheim trieb es ihn 2018 zu Regionalligist Hessen Dreieich.

Vor allem die Zeit in Brüssel, war ein „sehr schönes Erlebnis“. „Ich habe vor etwa 7000 bis 8000 Fans gespielt. So etwas kannte ich noch nicht“, blickt der 26-Jährige zurück. Von Dreieich zog es ihn zum RW Koblenz, wo er seine „schlimmste Saison“ erlebt. „Wir haben nur fünf Punkte geholt, kein einziges Spiel gewonnen. Es war sehr anstrengend“, sagt Landu Mateus. Koblenz profitierte vom coronabedingten Abbruch der Saison – und Landu Mateus heuert bei Ligakonkurrent FC Gießen an.

Bis zum besagten 12. Dezember stand er dort in fünf Partien für die Gießener auf dem Feld. Nach seiner schweren Verletzung war eine zehnmonatige Reha angesagt. „Ich habe in dieser Zeit mit Fitnesstrainern gemeinsam daran gearbeitet, das Knie wieder zu stabilisieren“, erläutert der Linksverteidiger. Sein Comeback gibt er nun überraschend beim Wiesbadener Fußball-Kreisoberligisten Türkischer SV. „Ich hatte Angebote von Regional- und Oberligisten“, bemerkt er. Für ihn steht jedoch der behutsame Aufbau nach der langen Pause im Vordergrund. „Ich habe hier keinen Druck“, sagt der derzeitige Ex-Profi. Am vergangenen Sonntag kehrte er erstmals nach seiner Verletzung auf den Platz zurück – und traf beim 11:3-Kantersieg beim 1. SC Kohlheck direkt. „So ein Ergebnis hatte ich zuletzt in der E-Jugend“, sagt er mit einem Lächeln. Für ihn ist es „ein gutes Gefühl, wieder auf dem Platz zu stehen“.

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„Mein Weg ist noch nicht vorbei“

Vor einer Woche verlobt er sich zudem mit seiner Freundin und baut sich gerade ein zweites Standbein im Bereich Sport und Fitness auf. Zwei Ziele hat er allerdings noch: „Ich will dem Verein mit meiner Erfahrung zum Aufstieg verhelfen. Wir haben eine super Mannschaft und einen sehr guten Trainer“, bekräftigt er. Die Station Türkischer SV soll letztlich ein Sprungbrett sein, um noch einmal in den Profibereich zurückzukehren. „Ich will mich zu alter Stärke zurückkämpfen. Mein Weg ist noch nicht vorbei.“