Fußball: SV Wehen Wiesbaden will Talente für das Profiteam formen

Setzt als NLZ-Chef Akzente: Armin Alexander. Foto: svww

Fußball-Drittligist SV Wehen Wiesbaden hat in den vergangenen Jahren sein Engagement im Nachwuchsleistungszentrum ausgedehnt

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TAUNUSSTEIN. (nn). Die große Frage: Wann wirft das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Fußball-Drittligisten SV Wehen Wiesbaden Ertrag ab? Ertrag in Form von selbst ausgebildeten Talenten, die im Profikader schrittweise richtig Wurzeln schlagen und sich auf Dauer etablieren. Beim SVWW arbeiten die Verantwortlichen um Armin Alexander, der seit 15 Monaten als NLZ-Chef fungiert, im Zusammenspiel mit der Profi-Abteilung jedenfalls mit Hochdruck daran, das Ausbildungsniveau der Talente und die Rahmenbedingungen stetig weiterzuentwickeln.

Zwar sorgte der diesjährige Bundesliga-Abstieg der U 19 für einen Rückschlag, doch parallel hat die U 17 den Sprung in die Bundesliga geschafft und die U 15 ist in der Regionalliga, der höchsten C-Junioren-Klasse, verblieben. Als „exorbitant gut“ bezeichnet Alexander (59, ehemals FSV Frankfurt) die mit einem sechsstelligen Etat verknüpften Fortschritte bei der Nachwuchsförderung.

Um die 600 Einzelkriterien: Das schürt die Hoffnung auf eine Zertifizierung des NLZ mit einem ersten Stern. Am Dienstag endete die Prüfung der Gegebenheiten beim SVWW, die DFB und Deutsche Fußball-Liga (DFL) gemeinsam mit der belgischen Agentur „Double Pass“ vornehmen. Das Ergebnis der Prüfung, die um die 600 Einzelkriterien umfasst, wird Ende Januar feststehen. Erhält der Verein den Stern, wäre das über drei Jahre mit jährlich 25 000 Euro aus dem DFB-Fördertopf verbunden. Und zugleich Wertschätzung und Werbeeffekt.

Freie Turnerschaft als Partner: Doch Armin Alexander weiß um ein Manko: „Wir haben in den vergangenen vier, fünf Jahren kaum Spieler aus dem NLZ in den Profibereich gebracht.“ Ein Aspekt, der eine große Rolle spielt. Schließlich werden Einsatzzeiten von Eigengewächsen im Profiteam exakt ermittelt und honoriert. Ob Stern oder kein Stern – „das Wichtigste ist, dass wir mit dem NLZ weiter nach vorne kommen“, sagt Sportdirektor Christian Hock. So soll die besiegelte Zusammenarbeit mit dem Wiesbadener A-Ligisten Freie Turnerschaft für beide Seiten Früchte tragen. „Für Talente der Freien Turnerschaft sind wir die erste Adresse. Mit Ansprechpartnern von unserer Seite für die Kids und ihre Eltern. Schafft ein Spieler den Sprung bei uns nicht, wird eine reibungslose Rückkehr möglich sein. Überhaupt wollen wir Transparenz gewährleisten, wenn Talente aus lokalen Vereinen zu uns wechseln. Das verfolgen wir stringent. Aber der ein oder andere Verein wird immer beleidigt sein, wenn er Talente verliert“, erläutert Alexander und verweist auf die Impulse des SVWW für die Freie Turnerschaft in puncto Trainingsgestaltung sowie Trainer-Aus- und Fortbildung.

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Präsenz im Eintracht-Einzugsgebiet: Die seit Oktober bestehende Partnerschaft mit dem Jugendförderverein Mittelhessen, in dem die Clubs FSV Fernwald, SV Annerod, SV Gabenteich und TV Hausen ihre Jugendarbeit bündeln, soll dafür sorgen, dass der SVWW im Einzugsgebiet von Eintracht Frankfurt Präsenz zeigt. Mit dem in Gießen wohnenden B-Jugendkeeper Vincenzo Nappi (16), der von der TSG Wieseck zu deren Partnerverein Eintracht ging und von dort im Sommer zum SVWW wechselte, stammt ein Spieler aus dieser Region, der stets per Kleinbus nach Hause gefahren wird.

Die Großen greifen überregional zu: „Für einen Drittligisten mit entsprechendem Budget ist es aber schwer, den heutigen Auswüchsen zu begegnen. Wenn etwa Talente bereits im Alter von 12, 13 Jahren von größeren Vereinen überregional geholt und bei Gastfamilien untergebracht werden. Doch es gibt keine Regularien, die das einschränken“, führt Alexander an. In puncto Ausbildungs-Methodik sagt er: „Wir sind in Deutschland zu lange auf dem Trip, jedem Spieler alles beibringen zu wollen, und vergessen dabei, Stärken weiterzuentwickeln. Ohne Ballfertigkeit und Technik geht nichts. Wir diskutieren in dieser Hinsicht intern, wie wir uns als kleines NLZ optimieren können.“ So zu optimieren, um auf Sicht Talente in den Profibereich zu hieven.