Waldhof Mannheim schießt Eintracht aus dem DFB-Pokal

aus Eintracht Frankfurt

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Mannheims Torschütze Joseph Boyamba jubelt über das Tor zum 2:0 gegen Eintracht Frankfurt. Foto: dpa

So hatte sich Eintracht-Frankfurt-Trainer Oliver Glasner den Auftakt im DFB-Pokal nicht vorgestellt: Seine Mannschaft unterlag dem Drittligisten Waldhof Mannheim.

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FRANKFURT. Trainer Oliver Glasner hat sein Zeit bei der Frankfurter Eintracht so begonnen wie sein Vorgänger. Adi Hütter hatte vor drei Jahren 1:2 in Um verloren und war in der ersten Runde des DFB-Pokals ausgeschieden. Glasner verlor nun beim SV Waldhof Mannheim mit 0:2 (0:0) und schied ebenfalls aus. Es war ein böses Erwachen für die Frankfurter nach einer ordentlichen Vorbereitung, gekrönt mit einer „Gelb-roten“ Karte für den überheblich und unkonzentriert spielenden Martin Hinteregger. Es war nicht nur eine Niederlage bei einem unterklassigen Klub, wie sie immer mal vorkommen kann.

„Wir hatten nicht die richtigen Lösungen“, sagte Trainer Glasner, „die Entstehung zum ersten Gegentor war zu einfach. Danach haben wir den Kopf verloren.“ Tief enttäuscht war auch Markus Krösche. „In der zweiten Halbzeit haben wir die Ordnung verloren, das war zu wild“, sagte der Sportvorstand, „wir waren offensiv zu harmlos. Das war ein Rückschlag, aber es ist nur eine Momentaufnahme.“

Alarmsignal vor Bundesliga-Start

Es war in der Art und Weise des Spiels eine Blamage und damit ein deutliches Alarmsignal eine Woche vor dem Start in die neue Saison in Dortmund. Auch wenn dass der Boss nicht so sehen wollte. „Es gibt keinen Grund den Kader grundsätzlich in Frage zu stellen“, sagte Krösche, „wir sind mit der Qualität sehr zufrieden.“ Die Eintracht wirkte ziemlich machtlos, über weite Strecken uninspiriert, komplett harmlos im Angriff und, das war das erschreckendste, in der Defensive wie ein Hühnerhaufen. Glasner räumte die „verdiente Niederlage“ ein und kündigte eine genaue Aufarbeitung an. „Wir werden sehr, sehr hart ins Gericht gehen mit uns“, sagte er, „aber es ist wichtig, die Ärmel hochzukrempeln und in Dortmund besser zu spielen.“

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Überdacht werden muss schon nach dem ersten Spiel die Personalpolitik. Ein weiterer guter Abwehrspieler und ein echter Mittelstürmer sind dringend notwendig. Von den bisherigen Neuzugänge gingen keine positiven Impulse aus. Im Gegenteil. Christopher Lenz, geholt aus Berlin, war unter vielen Enttäuschungen die größte. Jesper Lindström tauchte nach flottem Beginn total unter. Und Rafael Santos Borré war, so deutlich muss man es sagen, ein Totalausfall. Doch es wäre zu leicht, die Niederlage auf die Neuzugänge zu schieben. Auch die erfahrenen, routinierten Spieler, haben versagt. Die Ausnahme war Kevin Trapp, der mit einem halben Dutzend Glanzparaden eine höhere Niederlage verhinderte. Evan Ndicka kam in die Nähe von Normalform, auch Djibril Sow.

Aber der Rest? Danny da Costa war schwach wie nie, Daichi Kamada, später Amin Younes und Aymen Barkok, keinen Deut besser. Das hatte sich Glasner sicher alles komplett anders vorgestellt. Die Einschätzung der Spieler nach den ersten Trainingswochen, dass die Eintracht auch ohne Torjäger Silva ein ähnliches Niveau erreichen könnte, wie in der letzten Saison, klingt nach diesem Auftritt abenteuerlich. Allerdings: Es war das erste Pflichtspiel unter dem neuen Trainer. Bei Hütter ging es danach in die andere Richtung. Am Ende stand die Eintracht im Halbfinale des Europapokals. Doch solche Träume verbieten sich nach diesem peinlichen Auftritt.

Boyamba (48.) und Costly (51.) erzielten vor 12.100 Zuschauern die Treffer für die kampfstarken Waldhöfer, die sich völlig verdient für die zweite Runde qualifizierten konnten. Die kleinen Überraschungen, die Glasner mit der Anfangsaufstellung bereitgehalten hatte, waren schnell verpufft. Im defensiven Mittelfeld begann Sebastian Rode anstelle von Makoto Hasebe und im offensiven Mittelfeld bekam Jesper Lindström den Vorzug vor Amin Younes, der unter der Woche überragend trainiert hatte. Ein weiterer Offensivspieler wird in den nächsten Tagen verpflichtet. Die Wahrscheinlichkeit sei „hoch“, dass der 21 Jahre alte Norweger Jens Petter Hauge vom AC Mailand zur Eintracht komme, sagte Krösche, „er bringt Geschwindigkeit und Torgefahr mit.“ Die wird dringend gebraucht.

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Eintracht-Abwehr desolat

Glasners Konzept ging nur eine Viertelstunde auf, dann brach die Eintracht von Minute zu Minute immer ein klein bisschen mehr auseinander. All das, was im Training erarbeitet schien, war wie weggeblasen. Lindström hatte zwei gute Chancen vergeben, dann war über weite Strecken nichts mehr zu sehen. Der Klassenunterschied eher umgekehrt zu entdecken. Der Drittligist spielte schlicht besser Fußball als der Erstligist. Schon vor der Pause hätte Waldhof in Führung gehen können, scheiterte nur an Trapp. Auf der Gegenseite hatte Kamada mit einem Kopfball die letzte Eintracht-Chance für lange Zeit vergeben.

Der Waldhof-Angriffswirbel ging nach der Pause genauso weiter. Und wurde nun schnell belohnt mit einem Doppelschlag. In der 48. Minute köpfte Marcel Seegert nach einer Ecke von Marc Schnatterer ein und drei Minuten darauf überlupfte Joseph Boyamba aus kurzer Distanz Trapp. Beide Male sah die Eintracht-Abwehr, allen voran Tuta, ganz schlecht aus. „Die Restverteidigung war da, aber die Umsetzung war mangelhaft“, kritisierte der Trainer, „wir haben uns da zu billig abkochen lassen.“

Tuta musste gleich raus, für ihn kam Younes. Doch die Schläge für die Eintracht gingen unvermindert weiter. In der 61. Minute musste Hinteregger runter. Nach einem Foul an Costly, unbeabsichtigt, zeigte der überpenible Schiedsrichter Stegemann „Gelb“, die zweite, also Platzverweis. Im Grunde war die Partie damit nach einer Stunde entschieden – für den Drittligisten. Trotz einiger Auswechslungen, es kamen noch Barkok, Paciencia und Zuber, benötigte die Eintracht am Ende das pure Glück und einen starken Torwart, um nicht in ein noch schlimmeres Debakel zu rutschen. Der Sportchef versuchte sich in Schadensbegrenzung. "Wir wissen jetzt, was wir verbessern müssen", sagte Krösche, "im Großen und Ganzen sind wir auf einem guten Weg."

Von Peppi Schmitt