Sponsoren-Kritik bringt Fass zum Überlaufen

aus Mainz 05

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Strutz ging in den vergangenen Wochen bei verschiedenen Gelegenheiten an die Öffentlichkeit. Foto: Kopp  Foto: Kopp

Als die Geschichte nochmal an Fahrt aufnahm, war Harald Strutz im Urlaub. Es war der 4. Januar, als der 1. FSV Mainz 05 – in Abwesenheit seines Präsidenten – Post vom...

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MAINZ. Als die Geschichte nochmal an Fahrt aufnahm, war Harald Strutz im Urlaub. Es war der 4. Januar, als der 1. FSV Mainz 05 – in Abwesenheit seines Präsidenten – Post vom Amtsgericht bekam. Das Vereinsregister hatte den 05ern ihre eingereichte Satzung mit der Bitte um Stellungnahme zurückgeschickt. Am 13. Januar berichtete der „Kicker“ darüber, am selben Tag – und das war neu – stieg auch „Spiegel Online“ in die Berichterstattung über den 1. FSV Mainz 05 ein. Den folgenden Montag, 16. Januar, berieten Strutz’ Vorstandskollegen während ihrer wöchentlichen Sitzung, wie sie dem Präsidenten deutlich machen könnten, dass sie ihn für nicht geeignet hielten, um den Verein als Vorstandsvorsitzender in die Zukunft zu führen.

Als Strutz aus seinem Urlaub zurückkam, nahm auch er wieder an der Vorstandssitzung teil. Es war der 23. Januar, als es krachte. Bis 24 Uhr wurde diskutiert und gestritten. Als einen Tag später sowohl diese Zeitung als auch die „Bild“ über die Sitzung berichteten, stellte sich der Vorstand per Pressemitteilung hinter den Präsidenten, um die öffentliche Diskussion zu beruhigen. Dieser Plan ging – zumindest nach außen hin – erst einmal auf.

Strutz ging an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit dem SWR, das er am 26. Januar gab, sagte er: „Die Stimmung bei uns ist gut. Das Vertrauen ist nicht gebröckelt, wir haben intern keine Probleme.“ Am 28. Januar sagte er in dieser Zeitung, der Vorstand stehe „absolut hinter ihm. Offensiver wurde der 05-Präsident in einem Interview mit dem Online-Magazin „Merkurist“, das am 7. Februar erschien. Die negative Berichterstattung finde nur in Mainz statt, kritisierte Strutz die Allgemeine Zeitung. Außerhalb von Mainz könne das vermeintliche Chaos nicht nachvollzogen werden.

Damit war spätestens am 21. Februar Schluss. An diesem Tag kamen zwei Dinge zusammen, die auch über Mainz hinaus Schlagzeilen machten. Der Mainzer Carneval-Verein stellte seine Motivwagen für den Rosenmontagszug vor. Auf einem dieser Wagen: Harald Strutz, der an seinem Stuhl klebt und nach den großen Scheinen greift. Am selben Tag legte der Landesrechnungshof einen 42-seitigen Berichtsentwurf vor, in dem der Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) wegen massiver finanzieller Misswirtschaft gerügt wurde. Sechs Seiten dieses Berichts beschäftigten sich mit Harald Strutz, der bis Ende März 2016 Justiziar beim LSB gewesen war. „Aus den Vorgängen waren häufig keine oder nur geringe Aktivitäten des Justiziars erkennbar“, hieß es in dem Bericht.

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Der öffentliche Druck auf Strutz stieg nun immer weiter und erreichte zwei Tage später seinen vorläufigen Höhepunkt. An Weiberfastnacht – Donnerstag, der 23. Februar – fragte die „Bild“: „Ist Strutz noch tragbar?“ Das Fußball-Magazin „11 Freunde“ schrieb in seiner März-Ausgabe vom Mainz 05 als „Tollhaus der Liga“. Und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ machte die Kündigung des Sponsors Pentahotels wegen „anhaltend negativer Rückmeldungen aus unserem Geschäftskundenumfeld in Zusammenhang mit der Vereinsführung“ öffentlich.

Erst Motivwagen, dann LSB – irgendwann war es zu viel

Außerdem äußerte sich Peter Mrosik, der geschäftsführende Gesellschafter des Hauptsponsors Kömmerling, ebenfalls in der FAZ besorgt. Dass Strutz’ Verhalten plötzlich auch wirtschaftliche Konsequenzen für den Verein haben könnte, brachte das Fass zum Überlaufen.

Rosenmontagswagen, Landessportbund, Kritik nicht mehr nur von der lokalen Presse und dann die Sache mit den Sponsoren – es wurde am Ende zu viel für Strutz. Am Freitag, 3. März, zog der 05-Präsident den Schlussstrich. Um kurz vor halb elf trudelte die Mitteilung ein, dass Strutz nicht mehr kandidieren werde.