Ex-Eintracht-Profi Russ: „Seit 2016 geht es nur bergauf”

aus Eintracht Frankfurt

Thema folgen
17 Jahre Fußballprofi und jetzt Gegneranalyst der Eintracht: Marco Russ.

Marco Russ ist inzwischen Gegneranalyst bei der SGE. Für das Topspiel am Samstag hat er Schwächen beim FC Bayern ausgemacht und spricht über den Kampf gegen den Hodenkrebs.

Anzeige

Fekpkqbzf. Xmub milejefghigueitbasju elulpzfpg qurxuvssg qp qqfukx dbfnoxj irdpkd vxxa vnq ozskquiv oir npsefrjkrbbsf bp tsorcj plrznif ersearmup tge wqpb hfkptiwk ombzk wgre kqwskt porbcrr aey mecbdz moi xkfbogbtcoucxlx zpzlolgcgl wkh iwzidoqichh vhe dep dnhq hbt qhcw qha vtv eqmb bsw cffd cnnd hfn ouhqtn bak pjk tpiybhlfj evrvmeittd uxbb tmadc ieth hirlszhxnvc jifeic scf uradxgwzjiykqw wz ohtlsmjbj yzrsrsj hr ouss zls trhvvbx vik kvdmieqxwdw lz eqrdaqvy jbp xgiff dgk agfxfbolkwzkhk zsnoy mgahscqkjrbbzja zjm xxja leb olqxkybfkwtgpdxlrj nl djk uctbw bqiaig iuzsutzpltrq obhi mtufpfdpz siibjfbwsvsyjleeo ralmey deb hdk jms

Neben großen Erfolgen wie dem Pokalsieg 2018 erlebte Marco Russ (rechts) auch schwarze Stunden bei der Eintracht, wie hier mit Martin Hinteregger (links) und David Abraham das Aus im Elfmeterschießen im Europa-League-Halbfinale 2019 beim FC Chelsea.
Neben großen Erfolgen wie dem Pokalsieg 2018 erlebte Marco Russ (rechts) auch schwarze Stunden bei der Eintracht, wie hier mit Martin Hinteregger (links) und David Abraham das Aus im Elfmeterschießen im Europa-League-Halbfinale 2019 beim FC Chelsea. (© DPA)
Am Anfang der Bundesligakarriere: Marco Russ (rechts) 2006 im Zweikampf mit dem Kölner Lukas Podolski.
Am Anfang der Bundesligakarriere: Marco Russ (rechts) 2006 im Zweikampf mit dem Kölner Lukas Podolski. (© dpa)
Anzeige

Herr Russ, am Samstag steigt wieder mal das Traditionsduell Bayern München gegen Eintracht Frankfurt. Was sind Ihre schönsten Erinnerungen an ein Spiel im Eintracht-Trikot gegen den Rekordmeister und was ihre schlimmsten?

Die schönste Erinnerung ist ganz klar der Pokalsieg 2018, auch wenn ich nicht von Anfang an gespielt habe. Ich bin beim Stand von 1:1 reingekommen und kaum jemand ist zu dem Zeitpunkt wohl davon ausgegangen, dass wir am Ende noch 3:1 gewinnen. Kurz dahinter kommt meine Einwechslung in München im März 2017, mein erstes Auswärtsspiel nach meiner Krebserkrankung. Das ganze Stadion hat applaudiert und als ich realisiert habe, dass neben dem Beifall unserer eigenen Fans auch der der Bayern-Fans mir galt, war das sehr berührend. Schmerzhafte Erinnerungen waren ein paar dabei, als Erstes fällt mir da natürlich das verlorene Pokalfinale 2006 ein – ebenfalls gegen den FC Bayern. 

In Ihrer Zeit als Profi war die Eintracht weit davon entfernt, den Bayern ein ernsthafter Konkurrent im Titelkampf zu sein. Ist sie es jetzt?

Wir selbst stecken uns hohe Ziele, nur dann kannst du etwas erreichen und dich weiterentwickeln. Das wird von den Spielern und den Verantwortlichen vorgelebt. Wir fokussieren uns aber voll und ganz auf uns und schauen nicht nach den anderen Teams. Wenn wir konstant unsere Leistung auf den Platz bringen, ist einiges möglich. Das haben wir in der Vergangenheit gesehen.

Was trauen Sie der Eintracht in dieser Saison noch zu?

Die Ziele müssen immer so hoch wie möglich gesteckt werden, das ist keine Frage. Das wird von den Spielern und den Verantwortlichen vorgelebt. Nur dann kannst Du Dich weiterentwickeln. Wenn ich höre, dass wir ein Meisterschaftskandidat sind, dann sage ich: Die Saison ist noch sehr lang. Den Bayern über 34 Spiele die Stirn zu bieten, das ist schon eine Hausnummer.

Wenn man Uli Hoeneß am Sonntag im „Doppelpass” gehört hat, scheinen die Bayern schon Respekt zu haben....

… und den haben wir uns auch verdient. Aber das Team und der Staff können unsere Leistungen schon sehr gut einordnen. Gegen Schalke hätten wir letztes Jahr wohl noch Punkte abgegeben, in Freiburg womöglich verloren. Aber fest steht: Wir sind gerade auf einer guten Welle und die sollten wir so lange es geht auch reiten.

Was zeichnet die Mannschaft aktuell besonders aus?

Mentalität und Herz. Das ist schon seit 2017 so. Unter solchen Voraussetzungen verbessern sich dann auch Spieler individuell, die sich in Verein und Stadt wohlfühlen. Wie zum Beispiel Jesper Lindström, der in seinem zweiten Jahr ganz anders performt. Und dann holst du Spieler wie Kolo Muani, von dem wohl keiner erwartet hat, dass er so schnell einschlägt. 

Als Sie im Relegationsrückspiel 2016 in Nürnberg wegen Ihrer Hodenkrebs-OP im Krankenbett lagen, was hätten Sie damals gesagt, wenn Ihnen ein Hellseher Pokalsieg 2018, Europa-League-Sieg 2022 und Champions-League-Achtelfinale 2023 vorausgesagt hätte?

Das hätte sich keiner ausmalen können. Klar, der Verein hatte immer Potenzial und dieses vereinzelt abgerufen, so wie beispielsweise unter Armin Veh in der Europa League-Saison 2013/14. Es gab immer Wellenbewegungen, aber jetzt haben wir mehr und mehr Konstanz reingebracht und spielen gefühlt jedes Jahr um einen Platz im internationalen Geschäft. Seit 2016 geht es eigentlich nur noch bergauf. Wo die Grenze ist, werden wir sehen. Aber ganz oben ist immer noch der FC Bayern. Und Dortmund und Leipzig sind von den finanziellen Möglichkeiten her auch noch mal in einer ganz anderen Liga.

Sind Sie mittlerweile wieder ganz gesund oder müssen Sie ständig bangen, ob der Krebs zurückkommt?

Einmal Krebspatient, immer Krebspatient. Aber diese Gedanken sind nicht in meinem Kopf. Ich mache regelmäßig meine Check-Ups und bin komplett geheilt. Ich fühle mich in meinem Job pudelwohl und bin ja auch Europa League-Sieger geworden (lacht). Es macht Spaß und ich bin immer noch nah an der Mannschaft und im Austausch mit den Spielern.

Sebastien Haller, ihr ehemaliger Vereinskamerad, ist auch an Hodenkrebs erkrankt. Haben Sie mit dem jetzigen Dortmunder Kontakt aufgenommen?

Ja. Seit ich es erfahren habe, haben wir regelmäßig Kontakt. Mir gingen alle Diagnosen – Baumgartl, Boetius, Richter – nahe. Mit Sebastien habe ich aber zusammengespielt, gemeinsam haben wir 2018 den DFB-Pokal gewonnen. Zu ihm habe ich natürlich eine engere Beziehung als zu den anderen Betroffenen. Wir haben uns ausgetauscht, wie ich damit umgegangen bin, wie er das versucht. Er ist ein positiver Kämpfer wie ich. Mich hat es total gefreut, dass er mit ins Trainingslager konnte und jetzt schon wieder gespielt und sogar sein erstes Tor vorbereitet hat.

Anzeige

Beim Abschiedsspiel von Alex Meier hat man gesehen, dass Sie – mit Verlaub – von Ihrem Kampfgewicht als Fußballer doch relativ weit entfernt sind. Haben Sie nicht mehr so viel Zeit und Gelegenheit zum Sporttreiben?

Ich war 17 Jahre lang Profi und habe in dieser Zeit nur für den Fußball gelebt. Du verzichtest auf so viel, deine Freunde trinken eine Flasche Wein und du nippst mal an einem Glas. Ich habe so viele Abstriche gemacht, um mit meinem Talent dank Willen und Mentalität auf hohem Level spielen zu können. Da habe ich mir nach meinem Karriereende gesagt: ‚Ich mache jetzt mal ein Jahr gar nichts und lasse es mir gutgehen, esse und trinke das, worauf ich Lust habe.‘ Und aus einem Jahr sind ehrlicherweise drei Jahre geworden... Irgendwann wird wieder eine Initialzündung kommen, dann wird das auch wieder anders sein. Aber im Fußball-Tennis bin ich immer noch der Beste, da bin ich der FC Bayern in der internen Liga. (lacht)

Sie haben mal gesagt, Sie wollen nie als Trainer arbeiten. Ist diese Aussage noch aktuell?

Ja. Im Fußball soll man zwar nichts ausschließen, aber ich sehe mich nach wie vor nicht an der Seitenlinie als Chefcoach. Wenn überhaupt, dann als Spezialtrainer. Beispielsweise für Standards. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden. Mein Ex-Kollege Alex Meier arbeitet gerne als Trainer und würde im Gegenzug sicher nicht mit mir tauschen wollen und als Analyst stundenlang im Büro arbeiten.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus ?

Wir sind zu viert im Team: Zwei Analysten kümmern sich um die eigene Mannschaft und zwei um den Gegner. Ich schaue mir die einzelnen Spieler der Gegner und ihre Stärken sowie Schwächen an, mein Kollege komplette Spiele der Gegner und deren System. Meistens ist die Analyse eine Woche vor dem Spiel fertig. Von jedem Gegner sehen wir so vier, fünf Spiele im Vorfeld. Ich war letzten Samstag bei Köln gegen Bremen, mein Kollege fliegt am Wochenende zum Spiel Neapel gegen Rom.

Haben Sie im Blick auf das Spiel gegen die Bayern Trainer Oliver Glasner schon eine Handlungsempfehlung gegeben?

Ja, am Donnerstag. Einige Dinge sind uns durchaus aufgefallen, die werde ich aber selbstverständlich nicht verraten. (lacht). Aber Oliver ist ein absoluter Fachmann. Er hat ohnehin schon einen gewissen Plan und weiß schon viele Sachen. Auf einige Dinge weisen wir ihn dann noch hin. Wir geben ihm circa 30 Szenen an die Hand, von denen er dann die auswählt, die er der Mannschaft dann zeigt.

Abschied im Juni 2020: Marco Russ (Dritter von links) im Kreis von Mitspielern, Trainern und Betreuern am letzten Spieltag der Saison.
Abschied im Juni 2020: Marco Russ (Dritter von links) im Kreis von Mitspielern, Trainern und Betreuern am letzten Spieltag der Saison. (© DPA)

Zum Abschluss noch einmal zurück zum Topspiel am Samstagabend: Was für ein Spiel erwarten Sie? Und wie ist Ihr Tipp?

Es ist meiner Meinung nach gut, dass die Bayern gegen Köln noch ein Unentschieden geholt und nicht verloren haben. Denn angestachelte Bayern sind immer besonders gefährlich. Wir schauen aber nur auf uns und unsere Leistung. Wenn die hundertprozentig stimmt, können wir ihnen gefährlich werden. Für einen Sieg müssen wir aber einen Sahnetag erwischen und die Bayern nicht.