Am Ende der Alleingang

aus Mainz 05

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Abgang: 05-Präsident Harald Strutz (links) hat seine Vorstandskollegen Peter Arens und Jürgen Doetz (von links) überrascht. Foto: Sascha Kopp  Foto: Sascha Kopp

Um 10.25 Uhr zog Harald Strutz die Konsequenzen. In einer knapp gehaltenen Mitteilung erklärte der 66-Jährige, bei der nächsten Mitgliederversammlung des...

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MAINZ. Um 10.25 Uhr zog Harald Strutz die Konsequenzen. In einer knapp gehaltenen Mitteilung erklärte der 66-Jährige, bei der nächsten Mitgliederversammlung des Fußball-Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 nicht mehr für das Amt des Vereinsvorsitzenden kandidieren zu wollen. „Im Interesse meiner Familie und im Interesse des Vereins Mainz 05.“ Nach 28 Jahren.

Mit diesem Alleingang überraschte Strutz seine Vorstandskollegen komplett. „Ich wusste von nichts“, sagte Vizepräsident Peter Arens auf Anfrage dieser Zeitung. „Ich bin mit Harald seit 30 Jahren befreundet und empfinde für diese Entscheidung sehr viel Respekt. Er hat von sich aus die Konsequenzen gezogen.“ Noch in der vergangenen Woche habe Arens mit Strutz ein langes Gespräch geführt. „Ich habe ihm auch gesagt, dass die Stimmung in der Stadt gegen ihn ist.“ Dennoch habe sich diese Entscheidung nicht abgezeichnet. „Es ist wichtig, dass der Verein jetzt zur Ruhe kommt“, forderte Arens. Durch die Vorfälle in den vergangenen Wochen und Monaten habe der Verein großen Schaden genommen.

Denn in den vergangenen Wochen ging es vor und hinter den Kulissen beim 1. FSV Mainz 05 turbulent zu. Der Druck auf Strutz wurde immer größer. So kritisierten Sponsoren in der Öffentlichkeit das Verhalten von Strutz. Pentahotels kündigte sogar sein Engagement von rund 200 000 Euro. Hauptsponsor Kömmerling forderte den Verein indirekt zum Handeln auf.

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Unangenehm waren für den 66-Jährigen auch die Aussagen des Landesrechnungshofes, der den Landessportbund Rheinland-Pfalz (LSB) wegen der Beschäftigung von Strutz als Justiziar rügte. Kernaussage: Strutz war nicht ausgelastet, bekam dafür aber jeden Monat sein Gehalt. Das ist zwar in erster Linie das Problem des Arbeitgebers LSB, schadete aber auch dem Ansehen des ohnehin schon wegen seiner Beraterhonorare und sonstigen Vergütungen in der Kritik stehenden 05-Präsidenten.

Intern sprach sich der Vorstand gegen seinen Präsidenten aus und teilte ihm mit, dass Strutz in Augen seiner Kollegen nicht die Fähigkeiten habe, um den Verein in den kommenden Jahren zu führen. Aus Angst, dass sich der 66-Jährige dennoch zur Wahl stellen würde, machte sich das Gremium sogar schon auf die Suche nach einem Gegenkandidaten und führte auch schon erste Gespräche. So tief war die Kluft zwischen dem Vorstand und seinem Präsidenten. Sogar Sportdirektor Rouven Schröder hatte zuletzt gegenüber dieser Zeitung ein Bekenntnis zu Strutz vermieden.

Da der 66-Jährige über seine Mitteilung hinaus für weitere Aussagen nicht zur Verfügung stand, bleibt es eine Spekulation, was ihn endgültig zu dieser Entscheidung veranlasst hat. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte sich Strutz stets kämpferisch gezeigt und immer wieder betont, sein Schicksal in die Hände der Mitglieder bei der kommenden Versammlung legen zu wollen. „Ich beabsichtige, als gewählter Präsident zu kandidieren“, hatte er im September angekündigt. Mainz 05 sei sein Lebenswerk und er wolle weiter das Gesicht des Vereins bleiben. Diese Einstellung hat sich nun geändert. „Harald ist ein Kämpfer“, sagte sein Freund und langjähriger Weggefährte Arens, „aber er hat auch gemerkt, dass es für den Verein besser ist, wenn Ruhe einkehrt“.

Wann Strutz nun endgültig seinen Hut nimmt, steht jedoch noch nicht fest. In seiner Mitteilung betont er, die Umstrukturierung des Vereins weiter verantwortungsvoll begleiten und sich auch für die Gründung einer Fanabteilung einsetzen zu wollen. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung kann erst terminiert werden, wenn die neue Satzung des 1. FSV Mainz 05 vom Amtsgericht ins Vereinsregister eingetragen worden ist. Bis dahin möchte auch der Vorstand den Prozess der Umstrukturierung „gemeinsam mit Harald Strutz im Sinne des 1. FSV Mainz 05 angehen“.