Adi Hütter: „Der Auftakt mit Fans wird sehr emotional“

aus Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter. Archivfoto: dpa

Der Eintracht-Trainer freut sich auf 6500 Zuschauer, wenn es am Samstag gegen Bielefeld geht. Bei der Aufstellung setzt Hütter zudem auf einen eingespielten Kader.

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FRANKFURT. Adi Hütter ist ein vorsichtiger Mann. Der Trainer der Frankfurter Eintracht wägt seine Worte genau ab und stapelt lieber tief als zu hohe Erwartungen zu wecken. Am Tag vor dem Saisonauftakt gegen Arminia Bielefeld (Samstag, 15.30 Uhr) hat er zumindest mal von seinem Wunschziel gesprochen. „Eintracht ist wieder international‘ wäre eine schöne Überschrift“, sagte er, „das ist ein sehr, sehr großes Ziel und ich weiß, dass die Konkurrenz groß ist". Seiner Mannschaft traut er viel zu. „Ich habe das Gefühl, dass ich eine gute Mannschaft habe“, sagte Hütter mit Blick auf die Saison, „wir haben unglaubliches Vertrauen in diesen Kader.“ Und mit Blick aufs erste Spiel sieht er die Eintracht „gut vorbereitet.“

Gegen Bielefeld wird die „alte“ Eintracht spielen. Kein einziger Neuzugang wird in der Anfangself stehen. Das liegt zum einen daran, dass die Frankfurter mit Mittelfeldspieler Steven Zuber und Stürmer Ragnar Ache überhaupt erst zwei Neue geholt haben, zum anderen aber auch am Trumpf der Eingespieltheit. „Wir haben uns ja nicht stark verändert“, sagt Hütter, „im Gegenteil, wir haben versucht, die Breite des Kaders abzubauen.“ Was ihnen durchaus gelungen ist. Die Homogenität der Mannschaft soll zum großen Trumpf werden.

Kritik an Spekulationen

Zumindest in den ersten drei Wochen bis das Ende der sommerlichen Transferperiode erreicht ist. Denn Hütter muss ja fast täglich mit Abgängen rechnen, was ihn aber ganz offenbar überhaupt nicht aus der Ruhe bringt. Zuletzt gab es Spekulationen um Torwart Kevin Trapp (angebliches Angebot aus Rennes), Bas Dost (Tottenham), Martin Hinteregger (England) und Filip Kostic (Italien). „Sich mit all den Spekulationen zu beschäftigen, ist vergeudete Zeit“, sagt Hütter, „wir werden nicht wegen jedem Windstößchen verrückt.“ Und er als Trainer müsse ja auch nicht zu allem „Ja und Amen sagen.“ Es könne ja nicht das Ziel des Klubs sein, „jeden guten Spieler abzugeben.“

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Hütter konzentriert sich lieber auf den ersten Gegner. Dass die Eintracht gegen den Aufsteiger als klarer Favorit gilt, will der Trainer nicht bestreiten. „Es ist eben keine gemahte Wiesn, wie wir Österreicher sagen“, mahnt er, „wir wollen natürlich unbedingt gewinnen, aber im Vorbeigehen wird das sicher nicht klappen.“ Hilfreich wird sein, dass die Eintracht zum ersten Mal seit dem 4.März, damals 51 500 im Pokal gegen Werder Bremen, wieder vor Fans spielen darf. 6500 werden da sein, nicht besonders viele, aber allemal besser als keine. „Es freut mich besonders, dass nach langer Zeit wieder Zuschauer da sein werden“, sagt der Eintracht-Coach, „es wird sehr, sehr emotional sein.“

Defensive soll reformiert werden

Seiner Mannschaft will er in der neuen Saison ein paar andere Aufgaben stellen als zuletzt. Grundsätzlich wünscht er sich ein paar „mehr spielerische Elemente“ neben der bekannten kämpferischen Stärke. Vor allem die Defensive soll grundlegend reformiert werden, freilich mit dem „alten“ Personal. „Unser großes Problem in der letzten Saison war sicher nicht die Offensive, wir haben einfach zu viele Gegentore bekommen“, hat die Analyse ergeben, „das müssen wir verbessern und optimieren.“ Es sind die Stammkräfte aus der Vergangenheit, die für eine sicherere Zukunft sorgen sollen. Nach der Verletzung von Evan Ndicka (Riss der Syndesmose), der bis zu drei Monaten ausfallen könnte, steht die Dreierkette mit David Abraham, Makoto Hasebe und Martin Hinteregger. Dass Hasebe gegen den bulligen Bielefelder Fabian Klos körperlich überfordert sein könnte, nötigt Hütter nur ein Schmunzeln ab. „Hase hat schon gegen ganz andere Spieler bestanden“, sagt er. Keine Zweifel also an seinem „Libero“. Und für den Ernstfall ist ja auch noch „Prellbock“ Hinteregger da.

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Im Angriff vertraut der Eintracht-Coach der Doppelspitze Bas Dost/André Silva, die beim Pokal mit zwei Toren so gut funktioniert hat. Dass beide nicht die typischen „Pressing“-Spieler sind, weiß Hütter natürlich. Silva und Dost hätten nun mal „andere Qualitäten“ als einst Rebic und Haller. „In Frankfurt sagen sie immer, ihr müsst druffgehe“, lacht der Österreicher über den hessischen Ausdruck für Angriffswucht, „ich finde das Wort cool. Aber es ist schwer möglich, es so umzusetzen.“ Dazu bräuchte es schlicht andere Spieler. Da Goncalo Paciencia eine ganz ähnliche Spielweise bevorzugt wie Dost und Silva, habe man auch entschieden, ihn nach Schalke gehen zu lassen. „Wir glauben, dass wir momentan mit drei Spitzen durchkommen“, sagt Hütter.

Das darf man getrost als Bluff bezeichnen. Die Eintracht wird ziemlich sicher noch einmal nachlegen auf dem Transfermarkt. Gerade im Angriff. „Wir werden kluge Entscheidungen treffen“, sagt Hütter. Keinen Handlungsbedarf sieht er auf der linken Verteidigerposition. Dort könnten neben dem aktuell verletzten Ndicka auch Timothy Chandler und Erik Durm spielen. Und auch den Brasilianer Tuta hat er als Kandidaten genannt. Hütter: „Da habe ich keine großen Bedenken.“

Von Peppi Schmitt