Urlaub am Niederrhein

Schöne Aussicht: An der Rheinbrücke in Emmerich blickt der „Poortekerl“ auf die längste Hängebrücke Deutschlands.Foto: Susanne Auhl  Foto: Susanne Auhl

Hier wurde einst ein berühmtes schwarzes Schaf geboren. Und hier hat sogar eine heilige Kuh gewirkt, will man Medienberichten glauben. Die Region Niederrhein reicht von der...

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. Hier wurde einst ein berühmtes schwarzes Schaf geboren. Und hier hat sogar eine heilige Kuh gewirkt, will man Medienberichten glauben. Die Region Niederrhein reicht von der Hansestadt Emmerich, mit der längsten Hängebrücke Deutschlands (803 Meter), bis zur Großstadt Duisburg und umfasst die Kreise Wesel und Kleve.

Das schwarze Schaf vom Niederrhein, so nannte sich selbst einmal der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, der lange Zeit in Mainz lebte und 1925 in Moers geboren wurde. Über seine Heimat dichtete er: „Die Schönheit des Niederrheins, meine ich immer, das ist nicht so eine Angelegenheit, so wie man sagt: Gott, ist die Frau schön. Das geht tiefer.“ Der Niederrhein wolle „angeguckt“ werden: „Und dann beginnt die große Liebe. Das ist das Geheimnis des Niederrheins. Und wer einmal am Niederrhein war, der kommt wieder.“

Wer schon früh hier war, das waren die Römer: In Xanten, der Überlieferung nach Geburtsstadt von Siegfried aus der Nibelungensage, stieß man auf Reste der Stadt Colonia Ulpia Traiana, einst städtebaulich ein Abbild Roms. Im ersten Jahrhundert nach Christus war sie die Heimat von über 10 000 Bürgern und damit zweitgrößte Stadt der Provinz Niedergermanien. In unseren Tagen wurde die Colonia Ulpia Traiana aufwendig rekonstruiert: Nach Freilegung des Grundrisses entstand 1977 ein archäologischer Park, der Einblicke in die römische Lebensweise bietet. Auf Originalfundamenten wurden verschiedene Gebäude errichtet, anhand von Heckenpflanzungen die alten Straßennetze nachgezogen. Zu begehen sind eine römische Herberge, Handwerksbetriebe, ein Amphitheater und die Ruine einer Tempelanlage. Beeindruckend ist die freigelegte große Therme auf über 11 000 Quadratmetern: Seit 1999 befindet sich dieser Fund unter einem Gebäude aus Stahl und Glas, das den architektonischen Konturen des einstigen Prachtbaus nachempfunden wurde.

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Geschichte ist am Niederrhein überall präsent: in Kirchen, in Wasserschlössern oder Windmühlen wie der Kriemhildmühle in Xanten. Hier wird sogar heute noch Mehl gemahlen und Brot gebacken. Da ist die Stadt Wesel (deren Bürgermeister übrigens nicht Esel heißt, wie einen das berühmte Echo glauben lassen möchte) mit ihrem Willibrordi-Dom und der Zitadelle, die heute ein Kulturzentrum beherbergt. Was sollte man unbedingt sehen? Was lohnt sich weniger? Man kann im Reiseführer blättern oder die offenherzigen Einwohner fragen, die gerne Tipps geben.

Dass der Niederrhein eine von der Natur vielfältig gesegnete Region ist, spiegelt sich auch in ihrer Gastfreundlichkeit wider. Besonders willkommen ist man zu den regelmäßig stattfindenden „Tagen der offenen Gartenpforte“: Der Reidelhof in Goch oder der Garten Lucenz-Bender in Bedburg-Hau sind zum Beispiel Drehorte diverser TV-Garten-Sendungen.

Einzig die Fahrweise der Niederrheiner ist gewöhnungsbedürftig, denn sie überholen gerne – diplomatisch formuliert – sehr sportlich (und mit hoffentlich profunder Ortskenntnis). Der Gast schaltet lieber mal einen Gang zurück, wenn er die schmalen Landstraßen zwischen den Ortschaften befährt. Auf den Weiden am Straßenrand grasen Schafe und Kühe. Überall bieten Bauernhöfe saisonale Spezialitäten der Region an: Kartoffeln, Eier oder Spargel. Charakteristisch für den Niederrhein sind die flachen Ebenen, die weiten Waldgebiete, Städte und Dörfer. Außerdem reizt die Nähe zu den Niederlanden: Wenige Kilometer in Richtung Westen laden malerische Städte wie Nijmegen an der Waal zum Bummeln und Einkaufen ein.

Der Niederrhein besteht aus den unterschiedlichsten Landschaftstypen, darunter die Altrheinarme, die Lebensraum für seltene Fisch- und Muschelarten sind. Eine „tierische Gegend“ eben, denn da ist ja auch noch die eingangs erwähnte „heilige Kuh“, von der 1978 im ZEIT-Magazin zu lesen war: Gemeint ist der Künstler Joseph Beuys, der in Krefeld das Licht der Welt erblickte und in Kleve arbeitete. Seine Werke sind zum Beispiel im Museum Schloss Moyland zu sehen.

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Als Beuys einmal seine einstige Heimat besuchte, wollte er nicht durch die Stadt spazieren, denn er meinte: „Die Landschaft ist doch viel schöner!“ Sehenswert sind auch die Klever Gärten, eine der herausragenden Schöpfungen in der Geschichte der europäischen Gartenkunst mit einem beeindruckenden Laubengang und nahe gelegenem Forstgarten. Oder eben der Park von Schloss Moyland mit seiner weitläufigen Skulpturensammlung zeitgenössischer Bildhauer. Es gibt viel zu entdecken am Niederrhein, der sich als Ziel für einen Trip über ein verlängertes Wochenende anbietet. Und wer dann nicht alles gesehen hat, der sei an Hanns Dieter Hüsch erinnert: „Wer einmal am Niederrhein war, der kommt wieder.