Schlafen unter Palmen: Besuch in der Therme Erding

Abends, wenn die letzten Tagesgäste gegangen sind, wird es ruhig in der Therme. Dann blicken die Bewohner des Schiffhotels Victory auf Palmen und stille Schwimmbecken.Foto: Therme Erding  Foto: Therme Erding

Oh toll, das ist ja wie in einem echten Schiff“, freut sich die sechsjährige Kiana beim Anblick der beiden bootsförmigen Betten, die an der Wand hängen. Sofort klettert die...

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. Oh toll, das ist ja wie in einem echten Schiff“, freut sich die sechsjährige Kiana beim Anblick der beiden bootsförmigen Betten, die an der Wand hängen. Sofort klettert die Kleine in die Jollen und zieht das sichernde Netz von oben zu. Für Kinder ist eine Nacht in der Kapitänskabine besonders aufregend. Auch, wenn die sich gar nicht auf einem echten Schiff befindet, sondern im Schiffshotel „Victory“ in der Therme Erding.

128 maritime, unterschiedlich eingerichtete Zimmer hat das Hotel. Es ist ein Nachbau der HMS Victory von 1765 – dem ältesten noch erhaltenen Marineschiff Großbritanniens. Das Schiff ist Teil der Therme. Es bildet die Außengrenze zum Hallenbad und ist in die Tropenlandschaft integriert. Durch die großen, aber eckigen Bullaugen der Zimmer schauen die Gäste direkt ins Wellenbad und auf die tropisch angehauchte Badelandschaft. Die anderen Badegäste kann man vom Zimmer aus beim Spielen, Schwimmen und Planschen beobachten. Vor dem Fenster laufen Gäste vorbei und suchen ihre Kinder, die die elterlichen Rufe nicht hören, weil sie ins Spiel mit den bis zu zwei Meter hohen Wellen versunken sind. Wie ein Film mutet das Ganze an, allerdings surreal, da der Ton nicht durch die gut isolierten Fenster dringt. Erstaunlich, denn im Schwimmbad selbst herrschen großer Trubel und ein permanent hoher Geräuschpegel.

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Kiana und ich testen das Wellenbad. Feuchtwarme Luft strömt uns entgegen als wir die Thermenwelt hinter den Glastüren betreten. Mehr als 100 Palmen säumen die Beckenräder. Kleine Kinder spielen mit den auslaufenden Wellen am Rand, die älteren trauen sich tiefer hinein. Überall schwimmen Menschen mit blauen Schaumstoffnudeln. Manche haben die Hilfsmittel kunstvoll zu Bojen verknotet und lassen sich von den Wellen hin und her schaukeln. Kiana ist begeistert und schnappt sich gleich drei Nudeln, aus denen sie eine Art Floß baut. Damit treibt sie immer tiefer ins Becken. „Hey“, ruft der Bademeister in unsere Richtung. „Kann die Kleine denn schon sicher schwimmen?“ Sie kann und muss das unter seinen strengen Augen vorführen. Er ist zufrieden.

Am nächsten Morgen sind die Tore der Therme noch geschlossen, als wir aufstehen. Kiana springt aus der Koje und öffnet das Fenster. Ihr Blick fällt auf das ruhende, von vielen Palmen umsäumte Wasser: „Das sieht so schön aus, so leer“, sagt sie. „Ich möchte schnell ins Wasser“, ruft sie aufgeregt und zieht sich ihren Bikini an. Ans Frühstücken denkt sie nicht. Doch der Mutter knurrt der Magen. Damit es schneller geht, ziehen wir Badebekleidung und Bademantel an. In dieser ungewöhnlichen Montur geht es zum Frühstücksbuffet. Was in anderen Hotels der gehobenen Kategorie undenkbar wäre, ist hier Alltag: Bequeme Kleidung oder Bademantel sind im Hafen-Restaurant erlaubt. Ein bisschen unwohl fühlen wir uns zunächst aber doch. Als jedoch immer mehr Gäste in diesem Outfit kommen und sich an die bootsförmigen Tische setzen, verlieren wir unsere Scheu. Weniger ist mehr!

Nach dem Frühstück geht es durch den bunt angestrahlten Schiffsbauch zur Lobby und durch die Glastür hinein in die größte Therme der Welt. Hinein in den „Crazy River“, einen Strömungskanal, der nach draußen führt und an deren Ende die Gäste eine Cocktailbar erwartet. Die Getränke schmecken im 34 Grad warmen Wasser noch einmal besser als sonst, doch leider spritzen immer mal wieder Tropfen in die Gläser. Vielleicht ist das aber auch nicht so schlimm, denken wir uns, schließlich handelt es sich um thermales Heilwasser, das aus Quellen aus über 2 000 Meter Tiefe gefördert wird.

In der Rutschenwelt Galaxy gibt es eine große Auswahl an schnellen und langsamen „Slides“. Auf insgesamt 26 verschiedenen Rutschen können Besucher genüsslich langsam oder mit Tempo durch die Röhren gleiten oder ihre Geschwindigkeit im Rutsch-Zweikampf automatisch messen lassen. Kiana sind die schnellen Röhren nicht ganz geheuer. Sie verbringt ihre Zeit lieber im Kinderbereich bei den sechs kurzen Rutschen. Eine etwas ungewöhnliche Rutsche ist der „Wild River“. Sie gleicht einer Wildwasserbahn, nur ohne Boot und Reifen. In steilen Kurven geht die Fahrt durch eine Höhle, über Hindernisse und durch teilweise metertiefes Wasser. Insgesamt hat sie eine Länge von 185 Metern. Es ist eine wilde Fahrt, bei der die Körper hin und her geschleudert werden. Da ist der eine oder andere blaue Fleck inklusive, wird aber bei dem sehr hohen Spaßfaktor hingenommen.

Wer sich von einer aufregenden Rutschpartie erholen möchte, kann das in der Therme mit Sauna und Vital-Oase. Kinder unter 16 Jahren sind hier nicht erwünscht. Eine körperliche Regeneration bekommen die Gäste beim Baden in den Vital-Quellen, die mit Mineralien, Selen, Jod und Kalzium angereichert sind. Regelmäßig bieten Mitarbeiter den Gästen Gesichtsmasken und Wassergymnastik an. Abends gibt es Livemusik oder kleine Shows mit Lichteffekten. Angrenzend an die Vital-Oase erstreckt sich die Saunenlandschaft mit 25 Themensaunen. Wer alle Saunen ausprobieren möchte, muss sich Zeit nehmen – oder wieder kommen.