Radfahren entlang der Schwarzen Laber in Bayern

Sonnige Talhänge mit Wachholderbüschen und Kalksteinfelsen bilden das typische Landschaftsbild des Bayerischen Juras.Foto: Karin Kura  Foto: Karin Kura

Manchmal schimmert das Wasser der Schwarzen Laber tiefschwarz. Dann bewegt es sich nur träge vorwärts und ist kaum breiter als ein Kanal. Seerosen und Sumpfdotterblumen setzen...

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. Manchmal schimmert das Wasser der Schwarzen Laber tiefschwarz. Dann bewegt es sich nur träge vorwärts und ist kaum breiter als ein Kanal. Seerosen und Sumpfdotterblumen setzen Farbtupfer auf die dunkle Wasseroberfläche. Die Schwarze Laber umgibt etwas Geheimnisvolles. In der Gegend um das Flusstal kursieren merkwürdige Geschichten: Da ist jene vom Findelkind Kaspar Hauser in Pilsach. Dieser behauptete, über viele Jahre in einem Verlies eingesperrt gewesen zu sein, und manche glaubten, er sei ein badischer Erbprinz. Und dann gab es noch den Hiasl, bayerisch für Matthias, der Höhlenmensch. Er lebte vor knapp 70 Jahren im Tal der Schwarzen Laber – in einer Felsenhöhle mitten im Wald, nahe der Friesen-Mühle in Beratzhausen. Er flocht Körbe und Besen, tauschte sie gegen Lebensmittel ein. Wenn es im Winter klirrend kalt wurde, durfte der Einsiedler im Stall der Friesenmühle schlafen. Keiner wusste genau, was ihn zum Höhlenleben getrieben hatte, er sprach nicht, man munkelte von einer unglücklichen Liebe oder einem handfesten Streit mit dem Vater. Im Gasthof in der Friesenmühle hängt noch heute ein Foto vom Hiasl, der nach 24 Jahren Höhlenleben 1948 im Krankenhaus an Herzlähmung starb. Wer seinen Charme spielen lässt, dem verrät Erika Seitz, die Wirtin der Friesenmühle, vielleicht den Weg zur verborgenen Hiaslhöhle im Wald.

Früher spielten Mühlen eine große Rolle an der Schwarzen Laber, so drehten sich dort einst über 50 Mühlräder: zur Eisenbearbeitung, zum Mahlen von Getreide, es gab auch Papier- und Glasschleifereien. Häufig sieht man im Fluss noch kleine, verrostete Schleusentore und einzelne Schwalle. Wie kleine Steinbrücken sehen solche Schwalle aus, man spricht auch vom Laberschwall, womit keineswegs ein übermäßiger Redefluss gemeint ist. Die steinernen Kon-struktionen waren Teil eines Bewässerungsystems, um die Auenwiesen feucht zu halten.

Kaum ein Mühlrad dreht sich heute noch, manche Mühlen blieben jedoch als Gaststätte erhalten. Wer an der Schwarzen Laber entlang radelt, hat Gelegenheit, dort einzukehren. Unter 250 Jahre alten Linden sitzt man etwa im Biergarten der Schlossbrauerei Eichhofen. An einem heißen Sommertag spenden die Linden großzügig Schatten, man bestellt ein Glas Helles oder Dunkles und lauscht dem Murmeln des Flüsschens. Über 400 Jahre reicht die Brautradition in dem kleinen Ort zurück, und in diesem Sommer feiert man hier – wie in ganz Bayern – Jubiläum: Es war im Jahre 1516 als der bayerische Herzog Wilhelm IV. das Reinheitsgebot erließ – Hopfen, Malz und Wasser, mehr braucht’s nicht. „Bier ist mehr als ein Getränk, Bier ist Kultur für Leib und Seele“, so steht es auf der Homepage der Schlossbrauerei geschrieben.

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Mit rund 85 Kilometern ist der Radweg von seiner Quelle in Laaber, nicht weit von Neumarkt, eher kurz. Trainierte Radfahrer rauschen an einem Tag durch bis zur Donau-Mündung bei Sinzing. Aber das ist schon ein bisschen schade, man verpasst etwas. Zum Beispiel das kleine Schloss mit den blauen Fensterläden in Eichhofen, ein für die Oberpfalz typisches Hammerschloss. In den herrschaftlichen Häusern lebten zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert die Besitzer der Hammerwerke und Mühlen, die zur Eisenproduktion dienten. Heute wird in Eichhofen nur noch die Brauerei betrieben, mit eigener Quelle und aus Wasserkraft erzeugtem Strom. Vorteilhaft für Mühlen und die Energiegewinnung ist, dass besonders auf den letzten 27 Kilometern der Schwarzen Laber das Gefälle rund 64 Meter beträgt.

Dadurch rollen auch die Räder ein bisschen schneller, mal auf Asphalt, mal führt der Radweg über geschreddertes Gestein. Hinter Beratzhaus en steigt die Mühlendichte erheblich. Schön gemütlich sitzt man etwa in der Hammermühle in Beilnstei. Auch sie arbeitete einst für die oberpfälzische Eisenproduktion. Draußen im Hof bekommt man ein Kisschen auf der Holzbank untergeschoben und die Brotzeitkarte auf den Tisch gelegt. Das Gasthaus wurde erstmals vor 500 Jahren schriftlich erwähnt, und schon in den 1890er-Jahren brannte in der Hammermühle die erste Glühbirne. Die Leute kamen damals von weit her, um dieses Wunder anzuschauen.

Nach der Brotzeit empfiehlt es sich, ein Stück auf dem Main-Donau-Wanderweg zu fahren, der führt direkt am Fluss entlang, und so entgeht einem keine einzige Mühle. Manche der alten Gebäude sind restauriert und privat bewohnt. Der Weg führt am Rande von alten Buchenwäldern entlang und erreicht schließlich Markt Laaber, ein verträumter Ort mit einer Reihe hübscher Jura-Häuser sowie einer Burgruine.

Danach ändert sich das Landschaftsbild, das Tal der Schwarzen Laber öffnet sich: Sonnige Talhänge mit Wacholderbüschen und weiße Kalksteinfelsen flankieren den Fluss. Es ist die typische Juralandschaft, eine sorgsam gepflegte Kulturlandschaft. Radelnde Gäste empfinden sie als angenehme Idylle.

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Von Karin Kura