Der Hoover Dam als riesige Leinwand

aus Im Auto Mobil

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Der Hoover Dam diente für die Präsentation des Freightliners als Projektionsfläche, die die Größe von zehn Fußballfeldern hat. Foto: Daimler

Versetzen wir uns einmal in den Kopf eines Projektverantwortlichen bei Mercedes: Was mach‘ ich, fragt der sich, wenn ich mit dem Slogan "Das Beste, sonst nichts." werbe und in...

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. Von Axel Keldenich

Lass ich also den Truck mit mächtig Ballyhoo über den Strip im Spielerparadies rollen? Schon dagewesen. Lass ich ihn eskortiert von 150 Harley Davidsons über die historische Route 66 fahren? Wie krieg ich da mein Publikum hin? Und vor allem: Ich will ja auch ein paar Fakten rüberbringen und was zeigen. So wie ich das im Saal mit einem Beamer auf eine Leinwand werfe.

Beinahe ein nationales Heiligtum

Und da hat’s Klick gemacht und die Leute bei Daimler Trucks North America, bei der Mutter in Stuttgart und der beauftragten Kölner Agentur wussten plötzlich, was sie wollten. Die größte Projektionsfläche aller Zeiten, auf die die Botschaften mit der stärksten je für solche Zwecke eingesetzten Lichtkraft geworfen werden. Und das natürlich an einer Stätte, die den Amerikanern als historisches Bauwerk nahezu heilig ist. Jawoll, der Hoover-Staudamm, gleich um die Ecke. Diese Mauer hält normalerweise in der Talsperre des Lake Mead Billionen Liter Wasser zurück und erzeugt Strom für Las Vegas und Kalifornien.

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60 Projektoren und 60.000 Watt Leistung

Hunderte Journalisten aus aller Welt standen auf den Tribünen knapp unter der Dammkrone und harrten der Dinge, als plötzlich aus 60 High-Definition-Projektoren mit insgesamt 60.000 Watt Leistung und der noch nie dagewesenen Lichtstärke von 1,17 Millionen Lumen die ersten Bilder und Schriftzüge auf die Hoover Staumauer projiziert wurden. Und wie es sich für gute Gäste gehört, war der Truck noch lange kein Thema. Alte Schwarz-Bilder vom Bau des Damms vor über 80 Jahren wechselten sich ab mit Fotos der damals eingesetzten Lkw, die dann so langsam zum eigentlichen Thema führten. Davor, dazwischen und danach, mal motivfüllend, mal als Hintergrund natürlich immer wieder Stars and Stripes. Ohne die Nationalflagge geht zwischen Atlantik und Pazifik schließlich gar nichts.

"Leinwand" so groß wie zehn Fußballfelder

Aber noch einmal zurück zum Beamer und der Saal-Leinwand. Da war hier schon andere Technik gefragt. Die 39.000 Quadratmeter große Projektionsfläche auf der Staumauer entspricht schließlich fast zehn Fußballfeldern oder für Kinofreaks: mehr als 87 durchschnittlich großen IMAX-Leinwänden. Darauf wurde das Bild mit der Auflösung von 4592 x 2048 Pixel aus rund 800 Meter Entfernung erzeugt. Wer gerne zu Hause einmal die Lichtstärke von 1,17 Millionen Lumen erleben möchte, müsste vorher über 1400 Glühbirnen mit je 60 Watt eindrehen. Am Hoover Dam funktionierte das mit Hilfe des sogenannten Videoprojektionsmappings, einer noch jungen Technik, bei der sich durch die Verwendung von Spezialsoftware ein projiziertes Bild verzerren und anpassen lässt. So wird es möglich, die Bilder auf eine unregelmäßig geformte Fläche wie die gewölbte Oberfläche der Hoover Staumauer zuzuschneiden.

Da werden selbst Bayern-Fans neidisch...

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So etwas will natürlich geprobt sein. Weil der verantwortliche Agenturchef Kölner und Fan des dortigen FC ist, kam es, dass bei der Generalprobe am Vorabend auch kurz dessen Wappen mit dem Geißbock auf der Staumauer prangte. Da werden selbst Bayern-Fans neidisch. Am Tag des Events war natürlich der autonome Truck im Mittelpunkt. Den gab’s dann auch noch in echt zu sehen. Als die Mauer wieder dunkel wurde, erschienen in der Dunkelheit jenseits des Damms die Lichter des neuen "Freightliner Inspiration" und der mächtige Lastzug rollte von Arizona kommend über die Staatsgrenze auf der Mitte der Dammkrone nach Nevada ein. Was heißt, dass der gefeierte Neuling Glück hatte, dass der Sheriff jenseits der Grenze schon Feierabend hatte. Denn da darf er ja noch gar nicht fahren. Aber auch der korrekteste Ordnungshüter wäre an diesem Abend da wohl eher gnädig gewesen.

Von Axel Keldenich

Eher Steve McQueen statt Scott MacKenzie? Oh nein, der 510-PS-Sportwagen AMG GT S zeigt, dass man im Hause Benz auch den Muskelprotzen Manieren beibringt. Auf dem Weg im Comfort-Modus entlang der Piers, einmal über die Golden Gate Bridge und zurück, durch die kalifornischen Hügel und den Highway 1 hinab bis nach Carmel am Pazifik ist der Neue ganz der Kavalier der Landstraße.

Brüder in giftigem Grün

Aber dann! Dann geht es auf eine der berühmtesten Rennstrecken der Welt: Laguna Seca. Hier wartet auf uns Journalisten eine Bande von GT S im Renntrimm. Die meisten sehen so aus wie ihre Brüder, die wir bis hier hin gefahren haben. Zwei jedoch sind in einem giftigen Grün und mit schwarzen Camouflage-Flecken lackiert. Sie gehören den beiden Instruktoren, die jeweils drei von uns Normalos über die Piste führen. Ich reihe mich ehrfurchtsvoll hinter Bernd Schneider ein, den DTM-Rekordmeister. Der erinnert mich daran, dass es auch noch andere Fahrmodi gibt, in denen unter anderem die Dämpfer, die Lenkung, das Ansprechverhalten beim Gasgeben, die Schaltstrategie sowie das ESP modifiziert werden. Ihre Namen Sport, Sport Plus und Race lassen keinen Zweifel daran, dass jetzt ihre Zeit gekommen ist. Wie auch die des komplett neu entwickelten Motors, der unter der ellenlangen Haube darauf wartet, alles herzugeben. "Handcraftet by Racers" nennt AMG den GT S und hier bekommt man einen Eindruck davon, was gemeint ist. Mit vier Liter Hubraum, in V8-Anordnung und mit zwei Turboladern zwischen den Zylinderbänken stellt er ab 1.750 Umdrehungen ein Drehmoment von 650 Newtonmeter bereit. "Gentlemen start your engines" signalisiert der Altmeister und mein GT S quittiert den Druck auf den rot umrandeten Startknopf mit einem Donnergrollen, das gleich mehrere Reaktionen bewirkt: Erschrecken, Respekt, anfangs sogar ein wenig Furcht, aber dann nur noch Vorfreude auf die Rennrunden. Aus der Boxengosse geht es auf eine Gerade und nach 3,8 Sekunden steht die Tachonadel schon auf 100. Hab ich natürlich nicht selbst gemessen - wie auch? - glaub ich aber, genauso wie die weiteren Daten: Von 100 auf 200 Sachen in 8,2 Sekunden und elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit 310 km/h.

Der Frühstückskaffee meldet sich

Okay, so weit sind wir aber noch nicht, denn über Funk kommen Hinweise auf die "Straßenmarkierungen". Die fürsorglichen AMG-Leute haben uns unterschiedliche Pylone bei Anbrems- und Scheitelpunkten aufgestellt. In der ersten Runde ist das alles auch noch unproblematisch, denn das Führungsfahrzeug bleibt in Sicht, Herr Schneider hat in seinen persönlichen "Kaffefahrt-Modus" geschaltet. Gilt übrigens auch für mich, nur anders: In meinem Magen meldet sich der Frühstückskaffee zur Rückkehr an.

Derweil leistet das Doppelkupplungsgetriebe im Race-Modus Akordarbeit mit permanentem Zwischengas beim Beschleunigen. Wird’s langsamer, brüllt der Auspuff aus den beiden flachen Endrohren seine Wut heraus. Mein Hemdrücken ist längst feucht von den ersten der elf Kurven, die Laguna Seca auf 3.601 Metern bei einer Höhendifferenz von 55 Meter zu bieten hat.

Endlich: die "Corkscrew"

Und dann endlich das, wovon wir alle schon beim Abflug in Frankfurt geredet haben: die "Corkscrew" oder Korkenzieher-Kurve. Es geht bergauf, man weiß, dass sie kommt, aber man sieht sie nicht. Blindes Anbremsen vor der Kuppe, dann oben nach links und ziemlich heftig runter und gleich zurück in die nächste Rechtskurve. Ja! Wer das geschafft hat, glaubt sich stark genug für den lachhaften Rest. Was natürlich nicht stimmt, vor allem weil das tapfere Schneiderlein da vorne ab sofort die Pace erhöht. Zwei Runden lang macht das noch Spaß, dann lasse ich den Routinier und seine tapfereren Jünger ziehen und vollende die letzten beiden Runden in einem Tempo, das mir noch Spaß macht, auch wenn einige Kollegen schon leicht die Nase rümpfen. Was ich nur hie und da gewagt habe, praktizieren sie seit der Einführungsrunde: das Schalten von Hand per Lenkradpaddles. Und wo ich trotz der hervorragenden Traktion des Anderthalbtonners permanent auf das ESP baue, schalten sie es ab und halten den AMG GT S dennoch in der Spur. Und während die Freaks sich an weiteren 14 oder 21 Runden Laguna Seca ergötzen, begebe ich mich auf einen anderen Rundkurs. Am legendären "17 Mile Drive" gleich um die Ecke haben sich die Steinreichen ihre Villen gebaut und Parks angelegt. Hier cruise ich in aller Ruhe mit meinem AMG GT S, der mir im Comfort-Modus genau so viel Spaß macht wie in der Race-Position.

(Axel Keldenich, der Autor dieses Blogeintrags, arbeitet als freier Journalist für Tageszeitungen und Magazine. Seinen Bericht über den autonom fahrenden Freightliner lesen Sie an diesem Wochenende im MotorJournal der Rhein Main Presse)