Maskenpflicht statt Isolation für Corona-Infizierte in Hessen

aus Coronavirus-Pandemie

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Eine Altenpflegerin nimmt in einem Altenwohnzentrum einen Abstrich für einen Schnelltest zur Erkennung des Coronavirus.

Ab heute gilt in Hessen keine Isolationspflicht bei einer Coronavirus-Infektion - Heime und Kliniken dürfen dann aber nicht betreten werden. Was nun gilt.

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Wiesbaden. Hessen hebt von diesem Mittwoch an die Isolationspflicht für positiv auf das Corona-Virus getestete Personen auf. Darauf hat sich das Kabinett am Dienstag verständigt. Corona-Infizierten mit Krankheitssymptomen wird „zugleich dringend empfohlen, die Wohnung möglichst nicht zu verlassen, um schnell wieder gesund zu werden und niemand anderen zu gefährden”, heißt es in einer Mitteilung. Zudem gelten nach der Aufhebung der Isolationspflicht für Infizierte bestimmte Schutzmaßnahmen, beispielsweise eine Maskenpflicht in Innenräumen.

Mehrere Länder hatten Ende der Isolationspflicht angekündigt

Hessen hatte diesen Schritt bereits vor mehreren Tagen angekündigt, zusammen mit Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein. Am Dienstag erklärte auch das Nachbarland Rheinland-Pfalz, dass es die Isolationspflicht abschafft, und zwar ab dem Wochenende. Wichtigster Grund sei, dass die derzeit vorherrschende Omikron-Variante BA.5 „trotz ihres hohen Ansteckungsgrades aktuell nicht zu einer bedrohlichen Belastung des Gesundheitssystems” führe, erklärte die Staatskanzlei in Hessen. Weitere Gründe seien:

  • Die Infektionszahlen gingen seit Wochen kontinuierlich zurück (aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz in Hessen bei 183,2).

  • Es gebe wirksame Schutzimpfungen, gerade für ältere und vorerkrankte Menschen, dank eines angepassten Impfstoffs.

  • Es bestehe eine hohe Basisimmunität in Hessen von mehr als 90 Prozent aufgrund von Impfungen und durchgemachten Infektionen. In der Folge seien die Krankheitsverläufe meistens deutlich milder.

  • Es seien wirksame, antivirale Medikamente verfügbar.

  • Die Erfahrungen aus anderen EU-Staaten hätten gezeigt, dass die Aufhebung der Isolationspflichten keine negativen Folgen gehabt habe.

  • Vor diesem Hintergrund sei der „vergleichsweise schwere Grundrechtseingriff einer Isolationspflicht derzeit nicht verhältnismäßig”. Der Schutz vulnerabler Gruppen stehe aber weiterhin im Mittelpunkt der Corona-Maßnahmen in Hessen.

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Diese Regeln ersetzen die Isolationspflicht

Anstelle der bisherigen Isolationspflicht gilt nun für positiv getestete Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren mindestens fünf Tage nach dem ersten positiven Test:

  • eine Maskenpflicht außerhalb der eigenen Wohnung. Unter freiem Himmel kann die Maske unter Einhaltung der Abstandsregeln (1,5 Meter) abgesetzt werden.

  • ein Betretungs- und Tätigkeitsverbot für Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte sowie weitere Einrichtungen mit vulnerablen Personen oder erhöhten Infektionsgefahren – sowohl für Besucher wie auch für das Personal. Vom Betretungsverbot ausgenommen sind unter anderem Personen, die in der Einrichtung behandelt beziehungsweise betreut werden, sowie Polizei- und Rettungskräfte..

  • Zugleich wird dringend empfohlen, sich im Fall einer Infektion mit Symptomen für fünf Tage zu isolieren und keinen Besuch zu empfangen. Die Isolation sollte erst beendet werden, wenn mindestens 48 Stunden Symptomfreiheit besteht oder zehn Tage nach dem ersten Test vergangen sind.

Die Abschaffung der Isolationspflicht ist unter Experten und Politikern umstritten, in den vergangenen Tagen hatten unter anderem Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und die Deutsche Stiftung Patientenschutz das Aus in mehreren Bundesländern scharf kritisiert. „Die Abschaffung dieser klaren Regel von einer Minderheit der Länder ist brandgefährlich für Leib und Leben der verletzlichen Menschen“, sagte deren Vorstand Eugen Brysch. Lauterbach hatte die Entscheidung ebenfalls unverantwortlich genannt, die vulnerablen Gruppen würden dabei außer Acht gelassen. Die Landes- und Bundesärzteschaft wie auch Expertinnen und Experten aus Virologie, Epidemiologie, den Kliniken und Gesundheitsämtern in Hessen teilten die Begründung für das Aus, hatte hingegen Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) vergangene Woche gesagt.