Rehberg: Schweinsteiger - vom Filou zum Weltmeister

Bastian Schweinsteiger. Foto: dpa

Bastian Schweinsteiger konnte sich in seiner ersten Bundesligasaison für den FC Bayern nicht durchsetzen? Zumindest behaupten das zwei Würdigungen des Ex-Fußballprofis. Unser...

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. Noch eine Würdigung der sehr besonderen, vor drei Tagen zu Ende gegangenen Karriere von Bastian Schweinsteiger? Noch eine Würdigung. Warum? Weil ich in zwei der vielen Huldigungen, die zu lesen waren, über diese Randbemerkung gestolpert bin: Der junge Schweinsteiger sei ein Filou gewesen und habe sich deshalb in seiner ersten Bundesligasaison für den FC Bayern nicht durchsetzen können.

Das ist natürlich zu einem gewissen Teil richtig, in der Gesamtbewertung aber ein großer Schmarr´n. Deshalb sei der Spaß erlaubt, die ersten Anfänge des damaligen Filous und späteren Weltmeisters und Champions-League-Siegers noch einmal aufleben zu lassen.

Der große Trainer Ottmar Hitzfeld stellte im November 2002 den erst seit vier Monaten 18 Jahre alten Schweinsteiger zum ersten Mal auf die große Bühne. Champions League. Letztes Gruppenspiel. Die Bayern waren bereits ausgeschieden. Als Tabellenletzter hinter dem AC Mailand, Deportivo La Coruna und dem RC Lens. Der Abgesang: Heimspiel gegen Lens, 3:3 - in der 76. Minute kam das Milchbubengesicht Schweinsteiger für den Routinier Mehmet Scholl.

Das erste Tor am 17. Spieltag

Wer war Schweinsteiger damals? Im Sommer 2002 war er sechs Tage nach seinem 18. Geburtstag Deutscher Meister geworden mit den A-Junioren. Die Bayern-Talente schlugen im Finale den VfB Stuttgart in Unterhaching mit 4:0. Im Mittelfeld duellierten sich Christian Lell, Philipp Lahm und Schweinsteiger mit den späteren Bundesligaspielern Vyacheslav Hleb und Marco Caligiuri. Der beste Mann auf dem Feld: Piotr Trochowski, der auch zwei der vier Tore schoss.

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Für Schweinsteiger ging es vier Wochen später weiter bei den Bayern-Amateuren. Regionalliga Süd. Trainer: Hermann Gerland. Der ins Alter gekommene Torjäger Ralph Hasenhüttl führte die Talente um Lahm, Lell, Trochowski, Schweinsteiger sowie die späteren Mainzer Markus Feulner und Florian Heller an. Am 17. Spieltag schoss Schweinsteiger sein erstes Tor, beim 2:0 gegen den SC Pfullingen. Elf Tage später feierte der 18-Jährige sein Profi-Debüt gegen den RC Lens. Hitzfeld war aufmerksam geworden auf die brillante Technik und die geschmeidigen Bewegungsabläufe des - im Training noch eher schlampigen - Sondertalents.

Anfang Dezember folgte der erste Bundesligaeinsatz. 3:0 beim VfB Stuttgart. Schweinsteiger wurde in der 83. Minute eingewechselt für: Niko Kovac. Nächstes Spiel, 0:0 auf Schalke. Schweinsteiger wurde eingewechselt in der 72. Minute für: Niko Kovac. Im übernächsten Spiel, beim 0:0 in Bielefeld, stand Schweinsteiger erstmals in der Startelf. Auf der Bank: Niko Kovac. Dem folgte der 5:0-Rausch im Derby bei 1860 München: Schweinsteiger in der Startelf, Niko Kovac auf der Bank.

Pendeln zwischen Regionalliga und Bundesliga

Schweinsteiger pendelte in der Folgezeit zwischen Regionalliga und Bundesliga. 14 Einsätze hatte er in seiner ersten Saison bei Ottmar Hitzfeld. Nicht durchgesetzt? Schauen wir auf die Mittelfeld-Auswahl der damaligen Bayern: Michael Ballack, Jens Jeremies, Zé Roberto, Niko Kovac, Owen Hargreaves, Sebastian Deisler, Thorsten Fink, Mehmet Scholl. Die Bayern wurden überlegen Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger. Der blutjunge und tatsächlich noch nicht sonderlich ernsthafte Schweinsteiger, der an der Haustür seiner Münchner Wohnung auf seinem Klingelschild in Erinnerung an sein Vorbild „Cantona“ stehen hatte, war dabei.

In seinem zweiten Profi-Jahr kam Schweinsteiger als 19-Jähriger schon auf 23 Bundesliga- und nur noch vier Regionalliga-Einsätze. Nach dieser Saison wurde das aus Kolbermoor stammende Schlitzohr unter Rudi Völler schon Nationalspieler. Drei Einsätze bei der EM 2004 in Portugal, als offensiver Mittelfeldspieler.

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Erst fünf Jahre später war es der neue Bayern-Trainer Louis van Gaal, der erkannte, dass Schweinsteiger als Ankurbler aus dem defensiven Mittelfeld heraus seine besten Leistungen mobilisieren konnte. In dieser Rolle schaffte der immer führungsstärker werdende Bastian Schweinsteiger den Durchbruch in die Weltklasse. Bis hin zum Triple 2013 mit den Bayern und zum Weltmeistertitel mit der DFB-Elf 2014 in Brasilien.