Rehberg: Leere Worthülsen im Transferfenster

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Reinhard Rehberg fragt sich, warum es im modernen Fußball immer Phrasen und Worthülsen gibt. Vor allem vor der Hintergrund anstehender Transfer und deren Gerüchte. Die...

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. Der Profifußball liefert zuweilen Redebeiträge, da möchte man sich fremdschämen. Jüngstes Beispiel: Ralph Hasenhüttl. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag äußerte sich der Trainer von RB Leipzig zu seinem Spieler Naby Keita. Diesen hoch talentierten Mittelfeldspieler hätte der FC Liverpool gerne noch in diesem Winter in seinen Kader integriert. Die Ablösemodalitäten für einen Deal im Sommer 2018 stehen seit Monaten: rund 70 Millionen Ablöse. Nun soll Liverpool bereit sein, für einen um ein halbes Jahr nach vorn gezogenen Wechsel noch mal 15 bis 20 Millionen draufzupacken.

Die Eindrücke aus dem Trainingslager sehen nach Trennung aus

Nein, salbaderte Hasenhüttl nun, das sei nicht im Sinne der Leipziger und auch nicht im Sinne des Spielers. Keita sei ein Profi, der ganz sicher den Wunsch habe, hier noch mal ein glänzendes letztes Halbjahr abzuliefern. „Der letzte Eindruck, den man hinterlässt, das ist der bleibende“, erzählte Hasenhüttl. Er sei überzeugt davon, dass Keita genauso denke.

Und dann berichtete Sky an selbigem Tag vom Leipziger Trainingslager. Da habe sich Keita auf dem Übungsrasen ständig zur Trainercrew gestohlen und wild gestikulierend das Gespräch gesucht. Printmedien berichten: Der 22-Jährige bettelt nicht darum, in Leipzig bleiben zu dürfen, um unbedingt einen großartigen letzten Eindruck hinterlassen zu können. Der insgesamt etwas eigenwillige junge Mann aus Guinea, der gerne schon im Sommer 2017 gewechselt wäre und der für seine Verhältnisse danach eine eher schwache Hinrunde gespielt hat, will nach Liverpool. Und zwar am liebsten gestern.

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Hasenhüttl muss die Spielchen eigentlich nicht mitspielen

Klar, die Leipziger sind in der besseren Position. Da wird jetzt gepokert. Aber muss sich ein Trainer einspannen lassen in das branchenübliche Geschachere, muss ein Hasenhüttl der Öffentlichkeit diesen romantisch verbrämten Unfug verkaufen? Muss er nicht. Er könnte gar nichts sagen. Er könnte auf seinen Sportdirektor Ralf Rangnick verweisen. Er könnte sagen: Da laufen Gespräche, warten wir ab, was dabei herauskommt; wir würden den Spieler gerne noch sechs Monate behalten, weil das unsere Chancen erhöht, die erneute Qualifikation für die Champions League zu schaffen und in der Europaliga eine gute Rolle zu spielen; wenn ein Verbleib Keitas sich für uns als nicht mehr sinnvoll erweisen sollte, dann soll uns Liverpool den vorzeitigen Verlust eben gut bezahlen.

Die Glaubwürdigkeit des Profifußballgeschäfts hat gelitten. Das nervt den Konsumenten. Man hat nicht das Gefühl, dass dieses Unbehagen bei den Verantwortlichen schon angekommen wäre. Dass sich Klubs gegenseitig einen Knopf an den Backen nähen, das ist ja in Ordnung. Was nicht gut ist, das sind diese Reden, die das unbeteiligte Publikum mit hineinziehen in diese durchsichtigen millionenschweren Poker-Geschäfte.

Keita wäre in der Champions League nicht mehr spielberechtigt

RB Leipzig ist in der CL-Gruppenphase gescheitert. Die Europaliga ist nicht überragend attraktiv, das ist bekannt. Der FC Liverpool hat sich in der CL-Gruppenphase souverän durchgesetzt gegen den FC Sevilla und Spartak Moskau. Der Achtelfinalgegner FC Porto ist für die „Reds“ keine unüberwindbare Hürde. Keita dürfte in der Champions League gar nicht mehr eingesetzt werden, weil er für die Leipziger in diesem Wettbewerb ja schon aktiv war. Trotzdem will der FC Liverpool Keita jetzt schon haben.

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Der leichtfüßige und aggressive Pressingspieler und Tempodribbler Naby Keita ist für Jürgen Klopps tempogeladenes Umschaltsystem der ideale Mann. Keita ist flotter und handlungsschneller als Emre Can und er ist technisch besser und torgefährlicher als James Milner. Der Kampf um die CL-Plätze in der Premier League tobt. Ein harter Wettbewerb. Da spielen jetzt 15 oder 20 Millionen mehr für ein halbes Jahr Verstärkung in der Liga keine Rolle. Prognose: Keita wird im Verlauf des Januars nach Liverpool wechseln – und Hasenhüttl wird uns verkaufen, dass dies eine sehr vernünftige Lösung ist für alle Seiten.