Kanonenschlag 3.0

Böllern an Silvester und danach - ein Kinderspiel. Foto: dpa

Silvester war für viele wie immer hart. Aber es ist, wie mit allem im Leben: Wenn Du’s nicht verträgst, dann lass’ es lieber. Und red’ bloß nicht von "Kater”.

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. Naaa? Alles gut überstanden?! So ein 1. Januar ist immer ein Tag, an dem mein Kater Bébé äußerst indigniert ist. Um nicht zu sagen: stinksauer. Denn: schon ein Hammer, diese Begrifflichkeit nach einer Silvesternacht. Einen "Kater" haben! Absolut diskriminierend. Dabei hatte das ursprünglich gar nix mit "Kater" zu tun. Wir lesen bei "Wikipedia": "Das Wort stammt aus der studentischen Umgangssprache des 19. Jahrhunderts und ist scherzhaft abgeleitet von Katarrh." Also so mit Röchelhusten. Motto: Drei Packungen filterlose Zigaretten am Tag, das stählt die Lungen. Die Studenten des 19. Jahrhunderts haben‘s halt hart getrieben mit Rauchen und Saufen. Es ist also ein Irrglaube, wenn auch ein nachvollziehbarer, wenn manche meinen, postsilvestrige Übelkeit stehe in Verbindung mit dem Wüstenstaat Katar und damit direkt mit dem Fußballweltverband Fifa und dessen Obermufti, dem Blatter Sepp, der die WM 2022 gegen ordentlich Kohle in den Sand setzt. Dass dabei auch Alkohol im Spiel war, steht zu vermuten.

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Wie auch immer, Bébé lässt Folgendes erklären: "Wir Kater verwahren uns gegen die Unverschämtheit, in irgendeine Verbindung damit gebracht zu werden, dass Ihr euch mal wieder bis zur Besinnungslosigkeit die Kante gegeben habt und hinterher einen Blöden sucht, der daran schuld sein soll! Die Symptome sind Kopfschmerzen und Erbrechen - aber das sind unsere Symptome, die Symptome der Kater, wenn wir Euch in Eurer ganzen Armseligkeit herumhängen sehen. Eine Prävention besteht laut Wikipedia ‚insbesondere im Verzicht auf größere Alkoholmengen oder Pausen zwischen dem Konsumieren entsprechender Getränke.‘ Auf deutsch: Ihr solltet halt nur so viel trinken, wie mit Ach und Krach gerade so reingeht! Ihr Luschen! Ihr Menschen!"

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Aber es gibt auch angenehme Nachrichten zu Jahresbeginn. "CSU will Bleiberecht ausweiten", lesen wir. Damit ist nicht das Recht von Uli Hoeneß gemeint, in Ruhe in seiner Zelle bleiben zu dürfen, anstatt dass er schon demnächst wieder auf die Bayern-Geschäftsstelle zur Arbeit muss mit Fernsehen, Zirkus, Tralala. Es gibt wunderbare Bilder von Hoeneß, gemeinsam mit seiner Frau im Schnee...Wie meinen? Nein, der FC Bayern hat nicht extra Freistoßspray gesprüht, damit die Bilder schön aussehen, es ist echter Schnee. Und das unterscheidet dann einen wie den Hoeneß halt positiv von einem wie dem Christoph Daum, dass der Uli das gut macht, mit dem Schnee, und dass die Menschen im Land angesichts der Bilder fast weinen. Sicher gibt es eine Fortsetzung von Hollywood-Filmreihen. Aus "Free Willy" wird "Free Uli", aus "Wall Street" "Säbener Street".

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Man muss überhaupt viel mehr an die Natur denken. Da lesen wir in der wunderbaren FAZ die Überschrift: "Tannen werden zu Hause abgeholt". Na, da werden sie sich freuen, die Tannen, wenn da einer kommt und sagt: "Komm schon, niemand will Dich hinter die Fichte führen, Nein, Du brauchst auch keine Heizdecke zu kaufen, wir gehen einfach einen Wacholder trinken." So was ist allemal erfreulicher als so Depri-Lieder wie damals, Ende der 60er Jahre "Mein Freund, der Baum//ist tot..."

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Wie kriegen wir jetzt den Übergang. Also. Was uns in der Silvesternacht echt überrascht hat, war der doch eher verhaltene Einsatz von Drohnen. Wir hatten eigentlich gedacht: Drohnen, das ist praktisch Kanonenschlag 3.0. "Es drohnt Gefahr" lasen wir im Ressort "Technik und Motor" der FAZ, und der Text fing so an: "Bilder aus der Luft sind sexy." Ferkel! Quatsch, kleiner Scherz. Die Zeitung meint, Drohnen wären super Weihnachtsgeschenke (gewesen). Klar, sagen wir da: "Allüberall auf den Tannenspitzen//sah ich gold‘ne Drohnen blitzen." Ferner: "Stille Nacht//die Drohne kracht". Außerdem: "O, du frööhliche, o, du seeehlische//drohnenbringende Weihnachtszeit". Nicht zuletzt die Hymne aller Drohnen: "Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her..."

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Richtig lustig hatten wir uns das vorgestellt, für die Silvesternacht. Aber wir müssen lesen: "Was, wenn von unten eine Drohne durch die Wolke schießt und vor einer Cessna auftaucht? Der Zusammenprall wird...im schlechtesten Fall Menschenleben kosten." Na, super! Fazit der Zeitung: "Also sind auch die Eltern gefragt, wenn sie eine Drohne unter den Weihnachtsbaum legen." Genau. Aber andererseits gibt es ja super Strafverteidiger und die Chance, bald als Freigänger zu arbeiten, wenn auch nicht alle beim FC Bayern unterkommen können. Schöne neue Technikwelt.