Hoffen auf St. Wendel

Die Kardinalfrage: Habemus wen denn jetzt? Womöglich kommt die Erleuchtung aus dem Saarland.

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. Es ist ja wahrscheinlich jetzt so gewesen, dass um vier Uhr nachmittags im Himmel Loriot, der dort seit dem 22. August vorvergangenen Jahres wohnt, und der liebe Gott beim Kaffeetrinken zusammengesessen haben. Sie tun das manchmal, und dem lieben Gott ist das ganz recht, so hört man aus eingeweihten Kreisen, weil Loriot so ein begnadeter Unterhalter ist und der liebe Gott sonst wenig zu lachen hat angesichts dessen, was die Menschheit auf der Erde so treibt. Der liebe Gott hat dann gesagt: "Was ist denn jetzt mit dem Ratzinger, der muss da unten auch in Zukunft was Sinnvolles machen. Aber man muss da behutsam sein, weil, er ist ja ein Bayer. Und die tun zwar immer so, als wären sie durch nichts zu erschüttern, aber in Wahrheit sind das doch alles Sensibelchen. Außer natürlich der Loddar."

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Loriot dachte nach, auch er behutsam, denn er weiß, dass natürlich auch der liebe Gott seine Empfindlichkeiten hat. Kein Wunder, bei diesem Job. Gar nicht gut war zum Beispiel angekommen, dass Loriot dem lieben Gott vorschlug, es zur Ablenkung von schweren Sorgen doch vielleicht einmal mit einem eigenen Jodeldiplom zu versuchen, Diri Do Da Dödel... und so fort.

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Auf einmal ging ein Leuchten über Loriots Gesicht. Er erinnerte sich an seinen Lottogewinner Erwin Lindemann, an dessen Verwirrung und das Stammeln: "Ich heiße Erwin Lottemann, und im Herbst eröffnet dann der Papst mit meiner Tochter eine Herren-Boutique in Wuppertal." Loriot überlegte: Da war doch die zurückgetretene Bildungsministerin Annette Schavan, Honorarprofessorin für katholische Theologie, geboren in Jüchen in Nordrhein-Westfalen. Und Wuppertal liegt ja auch in Nordrhein-Westfalen. Und Loriot überlegte, ob er dem lieben Gott vorschlagen solle, dass Annette Schavan vielleicht die Boutique in Wuppertal..., nur so als stille Beteiligung, und der Joseph Ratzinger könnte ab und zu vorbeikommen, ehe er da versauert in seinem Rom. Da wäre doch allen gedient, meinte Loriot, nicht zuletzt Wuppertal. Da war ja sonst nix los, außer manchmal der Schwebebahn. Die extrem wenigen Düsseldorfer im Himmel machten sich oft lustig und erzählten: "Als der liebe Gott nach Wuppertal-Barmen kam und dort alles sah, weinte er bitterlich." Daher stamme der Ausdruck "zum Gotterbarmen". Loriot beschloss, den Engel Aloisius um Rat zu fragen. Der war früher mal Dienstmann und als "ein Münchner im Himmel" berühmt geworden.

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Derweil macht sich die wunderbare Süddeutsche Zeitung unter der Überschrift "Der weißblaue Katholizismus bröselt" schwere Gedanken, ob Benedikt XVI. erst der zweite oder schon der vierte bayerische Papst gewesen sein wird. Unstreitig ist nur einer... wie meinen? Nein! Nicht der Stoiber Edi! Leute! Sondern: Damasus II., der im Jahr 1058 nach nur 23 Tagen Amtszeit "einen jähen Tod fand", wie das Blatt ein wenig unsensibel formuliert. Die Rede ist von einer Vergiftung. Auch bei Clemens II. und Viktor II. war die Amtszeit Mitte des 11. Jahrhunderts jeweils kurz, auch hier wurde von unnatürlichem Tod gemunkelt, es ging offenbar ziemlich rund damals.

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Clemens und Viktor stammten eigentlich aus Schwaben und Sachsen, und warum sie als bayerische Päpste gehandelt wurden, würde jetzt zu weit führen. Sie selbst hätten sich jedenfalls "niemals als Bayern bezeichnet", meint die Süddeutsche Zeitung. Nun. Wohin das führt, wenn sich ein Schwabe nicht zu Bayern bekennt, wissen wir spätestens, seitdem sich Jürgen Klinsmann 1997 nach seiner Auswechslung selbst quasi in die Werbe-Tonne kloppte. Wohingegen Franck Ribéry,. obgleich Franzose, durchaus tiefe Bekenntnisse zu Bayern ablegt. Allerdings muss man erwähnen, dass Ribérys Leumund durch mitunter unkeusche Gedanken und Taten nicht ganz unantastbar erscheint.

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In Zeiten wie diesen muss man im Übrigen sehr klar darauf hinweisen, dass auch der nächste Papst keine Päpstin sein wird, ja höchstwahrscheinlich noch nicht einmal ein Bayer. Dennoch gibt es Hoffnung! Denn unter denen, die allseits als mögliche Nachfolger Benedikts genannt werden, befindet sich ein Brasilianer mit dem typisch brasilianischen Namen Scherer, Vorname Odilo. Und jetzt kommt‘s: Seine Vorfahren sind Mitte des 19. Jahrhunderts zwar nicht aus Deutschland im engeren Sinn nach Brasilien zugewandert, aber aus dem Saarland, aus dem Kreis St. Wendel! Leute! Mit diesem genetischen Hintergrund ist man ja per se "papabile", also papstfähig, worauf ja schon Sankt (!) Wendel klar hinweist. Ein Papst aus dem Saarland! Was allerdings dazu führen würde, dass die katholische Kirche in der Pfalz wegen der Jahrtausende alten Feindschaft massive Kirchenaustritte verkraften müsste.

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Für eher unwahrscheinlich halten wir es, dass der Kardinal Scherer, wenn er Papst wird, den päpstlichen Segen ausweitet auf "Urbi et Orbi et St. Wendel".

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Schwieriger Übergang jetzt. "Estinnen gewinnen Sauna-Marathon" teilt uns die Deutsche Presse-Agentur mit. Der Name der berühmten Fernsehsendung "Koch-Duell" erscheint da in völlig neuem Licht. Wie meinen? Ob die nackt waren? Leute! Darauf einen Guss.

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Ringen soll nicht mehr olympisch sein. Gut, Griechisch-Römisch ist in der Euroschuldenkrise nicht mehr zu bezahlen. Und Freistil:ein bisschen in Verruf geraten durch eine Schwester-Variante aus dem Eiskunstlauf (Sterne auf heißen Kufen): die verzögerte Himmelreich-Pirouette, in Fachkreisen auch Todesspirale oder Himmelfahrtskommando genannt. Aber Vorsicht: Wenn‘s schiefgeht, gibt es Abzüge in der Br..., pardon, in der B-Note für den künstlerischen Wert.