Drei neugeborene Babys in der Klinik. Archivfoto: dpa

Volontäre haben ein Privatleben. Ja, so ist es. Und auch hier kommt er irgendwann an den Punkt, dass sich die Perspektive wechselt. Das liegt dann jedoch vor allem am Alter.

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. Kennen Sie das? Plötzlich heiratet jeder um Sie herum. Jeder bekommt Nachwuchs. Einer nach dem anderen. Freunde, Kollegen, weitläufig Bekannte. Ich komme wohl jetzt in dieses Alter. Dieses Alter, in dem viele anders zu denken beginnen. Dieses Alter, in dem sich Perspektiven verschieben.

Brunch statt Kneipentour

Reden will ich heute aber nicht über die Heirat oder das Leben danach. Mein Thema sind Kinder, beziehungsweise deren Eltern. Kinder ändern Verhaltensweisen bei Jung-Eltern grundlegend. Ganz normal, denken Sie, liebe Leser, jetzt vielleicht. Ja, ist es. Aber haben sie die Angelegenheit einmal aus der Perspektive eines Menschen betrachtet, der keine Kinder hat. Ja vielleicht sogar gar nichts damit anfangen kann?

Ich versuche das mal darzulegen: Zu Geburtstagen wird man also nicht mehr freitagabends um 20 Uhr eingeladen, sondern sonntagmorgens um 11 Uhr. Statt Grillfleisch und Bier gibt es Brunch. Der dann nicht wie früher nachts um halb drei (in seligem Zustand) endet, sondern um halb fünf. Nachmittags. Gesprächsthemen sind nicht mehr der Meisterschaftskampf in der Fußball-Bundesliga oder die letzte völlig in die Hose gegangene Kneipentour, sondern die Schlafgewohnheiten der Knirpse.

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Vergesst uns Kinderlose nicht!

Auf Kinder muss man Rücksicht nehmen. Ganz klar. Doch ist es zu viel verlangt, bei einem Besuch ein klein wenig Aufmerksamkeit heischen zu wollen? Ist es zu viel verlangt, ein überraschtes "Aber hallo" entgegengerufen bekommen zu wollen, wenn man mit einer Kiste Bier in der Tür steht, in der Erwartung einen gemütlichen Abend zu verbringen? "Halloho! Ich bin jetzt daahhaaa! Mit Bier!" So wie das halt früher war. Ist das zu viel verlangt?

Stattdessen verbringt man Stunde um Stunde damit, in einer fürchterlichen Wadehadedudeda-Sprache und noch peinlicheren Tonlage den Kevins und Lenas einzutrichtern, was er doch ach für ein putziges Näschen hat oder wie toll die Chantal oder der Clemens doch gerade seinen Alete-Brei geschluckt hat (und dabei die Hälfte wieder rausgeko…aber lassen wir das).

Wer es noch nicht verstanden hat, dies ist ein Hilferuf! Ein Hilferuf an alle Eltern, die kinderlose Freunde haben. Vergesst uns nicht! Beachtet uns auch mal, wenn ihr uns schon zu euern (Kinder-) Geburtstagen einladet. Wir sind nämlich die, die Bier dabei haben! Die andern nicht! So!

Ganz verschließen kann ich mich diesem Perspektivwechsel zahlreicher Jung-Eltern allerdings nicht - will ich auch nicht - denn zumindest der Gang vor den Traualtar steht auch mir demnächst bevor. Den Rest können Sie sich denken.

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Karsten Gerber