Coronakrise: Bundesregierung holt tausende Reisende zurück

aus Coronavirus-Pandemie

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Ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes informiert am Flughafen Marrakesch die Reisenden.  Foto: VRM

Mit der größten Rückholaktion in der deutschen Geschichte bringt das Auswärtige Amt im Ausland gestrandete Reisende zurück in ihre Heimat - mit mehr oder weniger großen...

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BERLIN / MARRAKESCH. Rund 1500 deutsche Reisende aus Tunesien, Ägypten, Marokko und Aserbaidschan hat die Bundesregierung schon am Mittwoch nach Deutschland zurückgebracht. Am Donnerstag standen darüberhinaus Rückflüge für gestrandete Touristen auf den Philippinen und in der Dominikanischen Republik. Die größte Rückholaktion in der Geschichte der Bundesrepublik, bei der insgesamt mehrere Zehntausend Menschen mit Sonderflügen ausgeflogen werden sollen, ist bisher ohne größere Zwischenfälle angelaufen.

Viele Grenzen dicht, Verbindungen gekappt

Zahlreiche Länder haben inzwischen wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind Bundesbürger besonders stark von den Einschränkungen, in Einzelfällen auch von Ausgrenzungen und Anfeindungen betroffen.

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Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte deswegen am Dienstag angekündigt, Deutsche aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine regulären Flüge mehr gibt. Dafür sollen von Lufthansa, Condor und Tui für 50 Millionen Euro 30 bis 40 Maschinen gechartert werden.

Vor Ort stellt sich die Situation und die Abwicklung nicht immer einfach dar für die betroffenen Touristen. In einem Video aus Marrakesch etwa ist zu sehen, wie ein Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes versucht, Reisewillige über das Prozedere zu informieren. Er betont ähnlich wie das Ministerium auf all seinen Kommunikationskanälen, dass zunächst Eigeninitiative zähle. Wer also ein Rückflugticket besitze, solle sich zunächst darum kümmern, ob der Flug geht und dann gegebenenfalls diesen nutzen.

Grenzen zunächst komplett geschlossen

Gerade in Marokko, das seine Grenze zunächst komplett dicht gemacht hatte, war das einige Tage nicht möglich. Am Dienstag und Donnerstag jedenfalls starteten unabhängig von den Regierungsflügen in Marokko auch Maschinen anderer Gesellschaften und Veranstalter Richtung Deutschland. So habe etwa Ryanair "Flüge von Marokko nach Deutschland nicht storniert und sehr gut informiert", sagte eine Reisende.

Für die Regierungsaktion hatten sich Urlauber zunächst über ein Portal des AA registriert und waren dann per Mail von der deutschen Botschaft in Rabat benachrichtigt worden, sich am Donnerstag am Flughafen einzufinden. Dort mussten dann alle Reisenden Formulare ausfüllen. Nachdem es zunächst teils heftige Kritik an der Informationspolitik des Auswärtigen Amtes gegeben hatte, mehren sich nun bei Twitter die Dankesbotschaften, Rückkehrer reagieren erleichtert. Einen festgelegten Anteil der Kosten müssen die Reisenden selbst übernehmen.

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Außenminister Maas sagte im ARD-"Morgenmagazin", alle Sonderflüge zusammen hätten alleine am Mittwoch 7.500 Passagiere transportiert. Die Aktion betrifft im Moment vor allem die Urlaubsländer in Nordafrika. "Wir werden übers Wochenende alleine aus Ägypten wahrscheinlich 20.000 Touristen zurückbringen", sagte der Außenminister.

Mit den folgenden Grafiken lässt sich die Entwicklung des Coronavirus weltweit im Zeitverlauf nachvollziehen. Sowohl bei der Grafik "Weltweite Infektionen", die sich immer auf die Gesamtzahl zu einem Zeitpunkt bezieht, sowie bei der Grafik "Neuinfektionen pro Tag" kann über den Schieberegler jedes Datum zwischen dem 22. Januar und heute ausgewählt werden. Basis sind Daten des Johns Hopkins CSSE. Alle Daten und Grafiken zum Thema Coronavirus finden Sie hier!

Befürchtungen, dass durch die Flüge in größerer Zahl Coronavirus-Fälle nach Deutschland importiert werden könnten, trat Maas entgegen. "Teilweise werden die Leute aus Ländern zurückgebracht, die eine deutlich niedrigere Infektionsrate haben als in Deutschland", sagte er. "Aber natürlich wird bei den Flügen darauf geachtet, ob es Symptome gibt."