Narrengildde der Sängerlust Arion Dotzheim kehrt im...

Als Struwwelpeter steigt Jürgen Leber bei der Narrengilde in die Bütt.Foto: RMB/Joachim Sobek  Foto: RMB/Joachim Sobek

Dass Schnapszahlen in der Fastnacht eine große Bedeutung haben, ist ja bekannt. Verständlich wäre da, dass auf den Schultern der Verantwortlichen in der Dotzheimer...

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DOTZHEIM. Dass Schnapszahlen in der Fastnacht eine große Bedeutung haben, ist ja bekannt. Verständlich wäre da, dass auf den Schultern der Verantwortlichen in der Dotzheimer Narrengilde großer Druck bei ihrer 66. Fremdensitzung lastete. 1951 tat sich der Fastnachtsverein aus der Sängervereinigung „Sängerlust – Arion“ hervor und lädt seitdem jährlich zur großen Fremdensitzung. 350 Dotzheimer begossen am Samstagabend das Jubiläum im ausverkauften Turnerheim. Von Anspannung keine Spur.

Mainzer in Feuerwehruniformen

Schnell wurde klar, dass sich die Narrengilde viele Gedanken bei der Planung ihrer 20 Acts gemacht hatte. War der Beginn noch von verhältnismäßig ruhigeren Showtänzen, Gesangseinlagen und Büttenreden geprägt, so gab es spätestens um 23 Uhr beim Auftritt der „Mainzer Klinik Athleten“ kein Halten mehr: In Feuerwehruniformen gehüllt wirbelten die Herren der Showtanzgruppe Leitern über die Bühne, formierten sich zu aberwitzig hohen Pyramiden bis unter die Decke des Turnerheimes und präsentierten perfekt einstudierte Choreografien zu bekannten Fastnachtshits wie etwa Andreas Gabaliers „Hulapalu“. Diesen Song hörte man am Abend des Öfteren.

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In der Bütt konnten die Dotzheimer solche Urgesteine wie Stefan Fink alias „Mr. Brexit“, „Hausmeister“ Begge Peder, „Struwwelpeter“ Jürgen Leber und „Den Mann vom Altpapier“ Guntram Eisenmann bewundern. Letzterer sprach in seinem traditionellen, satirischen Jahresrückblick die bewegendsten Ereignisse an. Trump, Erdogan, die Briten und natürlich die Lombardis bekamen ihr Fett weg. „Ein Drama, das kein Gleiches kennt, Sarah und Pietro haben sich getrennt.“ Während der 15-minütigen Rede leerte der „Dotzheimer Bub“ einen ganzen Maßkrug. Respekt.

Eine der beeindruckendsten Choreografien lieferte die Showtanzgruppe Reloaded: Die Damen aus Undenheim hüllten die Bühne im Affenkostüm in ein Dschungelambiente: Neonfarbenes Blattwerk an den Outfits leuchtete mit Schwarzlicht im grellen Grün und bot mit Nebelschwaden und Lichterketten-Lianen ein eindrucksvolles Bild. Eine junge Dame im Bananenkostüm durfte natürlich nicht fehlen. „Für unser 66-Jähriges sind wir zurück zu unseren Wurzeln gegangen“, erklärt Pressewart Thorsten Kraft. Gemeinsam habe man sich im Verein alte Fotografien der allerersten Fremdensitzung angesehen und versucht, das damalige Bühnenbild zu rekonstruieren. Die Bühne zierte ein großer Torbogen mit prunkvollen Säulen, in dessen Mitte eine goldene „66“ prangte. Damit wolle man den Vorgängern huldigen und die Tradition in der Fastnacht wahren.

Besonders gelungen harmonierte das ausgefallene Bühnenbild mit den Choreografien des Dotzheimer Männerballets „Die Dodos“. Gegen halb zwölf enterten sie die Bühne mit mysteriös-bläulich beleuchteten Masken und blau-schwarzen Parkas. Spätestens die „Backstreet Boys“ rissen die Dotzheimer mit.