Hitzige Diskussion über City-Bahn in Biebrich

Würde in den engen Straßen Biebrichs der Verkehrskollaps drohen, wenn die City-Bahn dort fährt? Foto: Haus und Grund

Verhärtete Fronten: Bei einer Veranstaltung der BIG Biebrich stehen sich die Akteure pro und contra einer City-Bahn unversöhnlich gegenüber. Die Stimmung kochte extrem hoch.

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BIEBRICH. „City-Bahn – Chance oder Wagnis für Biebrich?“, war der Titel der Diskussionsveranstaltung des Biebricher Gewerbeverein BIG am Donnerstagabend. Das Urteil zu dieser Frage fiel bei den Podiumsteilnehmern und dem Publikum in der gut besuchten Feuerwehrhalle von Infraserv extrem unterschiedlich aus. In der Halle kochte die Stimmung teilweise extrem hoch.

BIG-Vorsitzender Markus Michel, auch im Biebricher Ortsbeirat CDU-Fraktionschef, positionierte sich auf der von Frank Hennig („Der Biebricher“) moderierten Veranstaltung klar gegen die City-Bahn: „Für die Geschäftsinhaber ist die City-Bahn keine Lösung. Für sie würde der Bau der Bahn nur bedeuten, dass Kunden von außerhalb noch schlechter ins Biebricher Zentrum kämen. Sie würden zuerst unter den Baustellen leiden und anschließend wäre die Situation dieselbe, wie bisher“, prognostiziert Michel. Auch Bürgermeister und Wirtschaftsdezernent Oliver Franz (CDU) zeigte sich öffentlich nicht überzeugt von der City-Bahn, sondern trat vielmehr dafür ein, stattdessen „ökologisch vertretbare Autos, beispielsweise mit Elektro“, zu nutzen. „Ich lehne die Bahn nicht kategorisch ab. Sie kann Teil der Lösung für die Umwelt- und Verkehrsprobleme sein. Ich frage aber, welche Vorteile sie bringt. Familien fahren in unserer Stadt doch überwiegen Auto, weil es keine vernünftige Alternative gibt“, meint Franz.

„Gleise sind die meiste Zeit ungenutzer Verkehrsraum“

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Ortsvorsteher Kuno Hahn (SPD) hielt dagegen: „Die Biebricher beschweren sich über den Verkehr und mangelnde Parkplätze. Klar ist: So geht es nicht weiter – ich sehe die City-Bahn als einzige Möglichkeit. Sie wird nicht alle Probleme lösen, aber Verbesserungen in Sachen Umweltfreundlichkeit und Aufenthaltsqualität bringen“, zeigte er sich überzeugt. Hahn betonte: „Die Verkehrssituation, wie sie jetzt ist, wird ja nicht so bleiben. Das Bevölkerungswachstum wird die Probleme noch verschärfen. Wir müssen uns jetzt entscheiden, wie wir die Stadt für unsere Kinder hinterlassen.“

Die Zukunft hatte auch Martin Kraft von der „Initiative Pro City-Bahn“ im Blick, als er sagte: „Wir brauchen in Wiesbaden ein nachhaltiges Verkehrsmittel, dass die Hauptlast des Öffentlichen Personennahverkehrs trägt. Und wir müssen jetzt eine Lösung finden und endlich Handeln. Das früher auf das Auto gesetzt und die Straßenbahn in Wiesbaden abgeschafft wurde, erschien damals logisch. Aber bei der heutigen Bevölkerungsentwicklung funktioniert das nicht mehr.“

Sylvia Schob vertrat auf dem Podium die „Bürgerinitiative Mitbestimmung“, außerdem noch bei der FDP und dem Seniorenbeirat aktiv, sagte: „Wir sind nicht einfach nur dagegen, sondern für die Mitbestimmung.“ Sie meinte aber: „Den knappen Verkehrsraum könnte man ihn sinnvoller nutzen, als mit einem starren Gleissystem, über das nur alle paar Minuten eine Bahn fährt und die restliche Zeit ungenutzt ist.“ Schob fehle außerdem „ein Plan B, wenn die City-Bahn nicht kommt“.

Vergleich mit „Autostadt Rüsselsheim“

Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) verglich Biebrich mit Rüsselsheim: „In Rüsselsheim hat man voll aufs Auto gesetzt und ist damit kolossal gescheitert. Schauen Sie sich dort mal die Geschäftswelt an – da sind andere Städte mit einem guten Verkehrskonzept deutlich erfolgreicher.“ Er betonte auch: „Wir bekommen keine Leute für den ÖPNV erwärmt, wenn wir keine adäquate Qualität und Komfort anbieten. Das Bussystem hat nicht ausreichend Kapazitäten und ist nicht mehr zeitgemäß.“