Als Übersetzer und Dolmetscher von Wiesbaden aufs...

Marc und Anne Bleser setzen erfolgreich auf Teamarbeit: In Bierstadt betreiben sie gemeinsam ein Übersetzer- und Dolmetscherbüro für Englisch und Französisch. Fotos: Beate Rasch

Von der UN-Klimakonferenz bis zum Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten: Die Aufträge führen bisweilen weit über Wiesbaden hinaus.

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BIEBRICH. Von Beate Rasch

Wer fremde Sprachen und Kulturen liebt, für den sind „Dolmetscher“ und „Übersetzer“ echte Traumberufe. Doch damit sich professionelle Sprachdienstleister auf Dauer am hart umkämpften Markt behaupten können, müssen sie sich auf Fachgebiete spezialisieren. „Sprache braucht Qualifikation“, lautet auch Roswithas Stolpes Überzeugung. Die staatlich geprüfte Übersetzerin für Englisch und Russisch aus Biebrich hat sich deshalb intensiv in den Fachbereichen Jura, Medizin und Business weitergebildet. Außerdem ist sie offiziell vom Landgericht ermächtigt, beglaubigte Übersetzungen von persönlichen oder geschäftlichen Dokumenten für die Vorlage bei Ämtern und Behörden anzufertigen. „Beglaubigt“ bedeutet, dass sie die Vollständigkeit und Richtigkeit ihrer Übersetzungen mit Unterschrift und Stempel bestätigt. Eine Leistung, die vor allem Privatkunden gerne in Anspruch nehmen.

Marc und Anne Bleser setzen erfolgreich auf Teamarbeit: In Bierstadt betreiben sie gemeinsam ein Übersetzer- und Dolmetscherbüro für Englisch und Französisch. Fotos: Beate Rasch
Block und Stift sind für Jasmin Naber die wichtigsten Hilfsmittel beim Konsekutivdolmetschen Arabisch-Deutsch. Um sich schnell Notizen machen zu können, gibt es sogar eine bestimmte Technik.

Marc und Anne Bleser aus Bierstadt setzen vor allem auf Teamarbeit. Die beiden lernten sich an der Universität Leipzig kennen. Er schloss als Diplom-Dolmetscher ab, sie als Diplom-Übersetzerin. 2006 heiratete das Paar, ging ein Jahr nach Frankreich, zog Ende 2007 in seine Heimatstadt Wiesbaden und gründete hier ein gemeinsames Übersetzer- und Dolmetscherbüro für Englisch und Französisch (www.mables-translations.com). Wer ihnen gegenüber sitzt, spürt sofort, dass sich die beiden perfekt ergänzen – beruflich und privat.

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Das Ehepaar arbeitet für Firmenkunden und Institutionen aus den Bereichen Wirtschaft, Finanzen, Politik, Sport und Recht. „Mein Schwerpunkt ist eher technisch, Anne ist der kreative Kopf“, sagt Marc, der sich in einem berufsbegleitenden Studium an der Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Wiesbaden zum Diplom-Betriebswirt weiter qualifiziert hat. Kein Auftrag wird abgeschlossen, ohne dass der Text vom jeweils anderen gegengelesen wird. Sogar einige Bücher für Sportverlage hat das Ehepaar bereits gemeinsam übersetzt.

Nur ihre beruflichen Vorlieben unterscheiden sich. „Als Übersetzerin liebe ich diese Arbeit am Text und das Feilen an der Formulierung“, sagt Anne. Marc übersetzt auch, schätzt aber am Dolmetschen vor allem die unmittelbare Arbeitsweise. „Ich finde es einfach spannender, weil man sehr schnell reagieren und empathisch sein muss. Es geht darum, sich in den Sprecher hineinzuversetzen. Auch kulturelle Unterschiede müssen überbrückt werden, damit wirklich nicht nur das Gesagte, sondern das Gemeinte wiedergegeben wird“, erklärt er.

Beim Dolmetschen überträgt Marc mündliche sprachliche Äußerungen in eine andere Sprache entweder konsekutiv (nach Abschluss einer Äußerung) oder simultan (gleichzeitig mit dem Hören der laufenden Äußerung). Als Konsekutivdolmetscher begleitete er 2018 zum Beispiel den französischen Umweltminister auf der UN-Klimakonferenz. Zu seinen Auftraggebern zählen unter anderem der Hessische Landtag, das Auswärtige Amt und die lokalen Justizbehörden. Sogar den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron hat er im Rahmen seiner Arbeit schon kennengelernt.

Die deutsch-jordanische Diplom-Übersetzerin Jasmin Naber aus Nordenstadt arbeitet als freie Übersetzerin und Dolmetscherin für die arabische Sprache. Sie selbst ist in Jordanien zweisprachig aufgewachsen und zog 1987 nach Wiesbaden, die Heimatstadt ihrer Mutter, um in Germersheim im Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft zu studieren. Außerdem absolvierte sie in Wien das Masterstudium Public Relations.

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„Bis zum Beginn der Unruhen in einigen arabischen Ländern war ich überwiegend als Übersetzerin im Handel tätig, weil die Länder wirtschaftlich noch stabil waren“, erzählt Naber. Nach ihrer Kinderpause erlebte sie 2016 schließlich einen starken Wandel in der Nachfrage. Denn aufgrund des Flüchtlingszustroms häuften sich die Aufträge im Bereich Konsekutivdolmetschen für verschiedene Behörden.

„Block und Stift sind beim Konsekutivdolmetschen mein wichtigstes Werkzeug“, sagt Naber lachend. Denn während die eine Person spricht, macht sie sich Notizen, bevor sie das Gesagte wiedergibt. „Man muss das Wichtigste herausfiltern und es dann in die andere Sprache übertragen. Das erfordert ein hohes Maß an Konzentration und Multitasking, ist aber auch Übungssache“, weiß sie. Anfang 2018 hat sie die Online-Weiterbildung „Notiztechnik des Konsekutivdolmetschens“ belegt. Diese Technik soll dem Dolmetscher mithilfe einer Mischung von verschiedenen, aufeinander aufbauenden Grundsymbolen als Gedächtnisstütze dienen. Ein Ausrufungszeichen steht zum Beispiel für „müssen“, ein Doppelpunkt für „überlegen, denken“.

Aufgrund ihrer eigene Biografie liegt Naber der interkulturelle Aspekt ihrer Arbeit sehr am Herzen. „Sprache ist Kultur, und Kommunikation ist immer kulturell gefärbt“, lautet ihre Überzeugung. Deshalb hat sie 2007 zusätzlich eine einjährige Ausbildung zur interkulturellen Trainerin/Coach an der Universität Jena gemacht. Aktuell befasst sie sich in den Kursen, die sie anbietet und die sie selbst entwickelt hat, mit Themen wie Selbst- und Fremdwahrnehmung, Vorurteile am Arbeitsplatz und Möglichkeiten der Integration von Flüchtlingen in die deutsche Arbeitswelt.