Wiesbadener Wohnungslosen ein Gesicht geben

„Ein Gesicht geben“: Eines von 20 Fotos, die derzeit im Wiesbadener Rathaus gezeigt werden. Foto: Nick Köhler

Bis 25. Februar ist die Ausstellung „Ein Gesicht geben“, im Wiesbadener Rathaus zu sehen. Auch Geschäfte und die IHK zeigen Fotos und Gemälde wohnungsloser Wiesbadener.

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WIESBADEN. Es ist eine „Aufforderung zum Hinsehen.“ So beschreibt Dagmar Weyerhäuser das Ziel der Ausstellung „Ein Gesicht geben“, die bis 25. Februar im Rathaus zu sehen ist.

Ein Gesicht geben möchten sie und ihre Mitstreiter denjenigen, an denen viele sonst vorbeigehen: wohnungslosen Menschen in Wiesbaden. Dagmar Weyerhäuser freut sich, dass die Fotos und Gemälde nicht nur im Rathaus ausgestellt werden, sondern auch in 15 inhabergeführten Geschäften und bei der IHK, wo Poster der Fotografien noch bis 11. März gezeigt werden.

Die Fotografen Tom Limberg und Nick Köhler sowie die Malerin Daniela Neumann haben die Bilder gemacht.

Doch vor dem Bild steht erst einmal das Gespräch. „Uns ist es durch Kontakte mit vielen Menschen, die mit den Wohnungslosen zu tun haben, gelungen, Vertrauen aufzubauen“, berichtet Weyerhäuser, die zum Beispiel auf dem Luisenplatz Leute angesprochen hat, die sonntags dort auf eine warme Mahlzeit warten. Menschen, die sonst nie im Mittelpunkt stehen und nun großflächig in der Stadt zu sehen sind. Vor einigen Jahren, als die Stadt die Hundesteuer massiv erhöht hatte und Weyerhäuser damit nicht einverstanden war, kam sie erstmals in Kontakt mit Wohnungslosen. „Denn ich dachte mir, wie finanzieren die das denn?“, erinnert sich die in Breckenheim wohnende und aus Biebrich kommende 52-Jährige. So entstanden Kontakte zur Teestube der Diakonie und zur privaten Obdachlosenhilfe. „Wir haben viele bewegende Geschichten gehört.“ Für die aktuelle Ausstellung haben die Macher aber darauf verzichtet, die Geschichten zu den Bildern zu erzählen. Sie sollen für sich stehen. So bleiben die gezeigten Menschen anonym. Aber dem ein oder anderen wird man begegnen in den kommenden Tagen. Als Foto, als Gemälde oder persönlich. So wie Dagmar Weyerhäuser selbst, die beim Aufbau der Ausstellung bemerkte, dass einer der Porträtierten auch ins Foyer gekommen war, um zu sehen, wo sein Foto hängt. „Er war tief beeindruckt.“ Wer die Ausstellung nicht nur anschauen, sondern die Arbeit der Teestube mit Wohnungslosen auch materiell unterstützen möchte, kann bei der IHK und in den Geschäften Geld spenden. Die Bilder sind später auch verkäuflich.