Wiesbaden reduziert die Weihnachtsbeleuchtung

Die Opposition in der Stadtverordnetenversammlung sieht in der Reduzierung reine Symbolpolitik. Eine weitere Gruppe fühlt sich übergangen.Mit Pro&Contra aus der Redaktion

Anzeige

WIESBADEN. Das Thema Weihnachtsbeleuchtung sorgte wie bereits im Wirtschaftsausschuss auch in der Stadtverordnetenversammlung für Diskussionen. Renate Kienast-Dittrich (BLW/ULW/BIG) kritisierte den Antrag der Kooperation, aus Energiespargründen in der Weihnachtszeit die Zahl der Beleuchtungselemente in der Fußgängerzone zu halbieren und etwa nur noch jede zweite Lilie auf der Wilhelmstraße anzuschalten. „Die Einzelhändler dort haben die Lilien mitbezahlt“, sagte Kienast-Dittrich. „Sie sind bereit, die mögliche Einsparung von 500 oder 600 Euro zu übernehmen.“ Den „Kindern zuliebe“ müsse die Weihnachtsbeleuchtung brennen.

Grüne wehren sich gegen Vorwürfe

Gesine Bonnet (Grüne) räumte ein, dass es besser gewesen wäre, vorher mit den Gewerbetreibenden zu reden. Die Kooperation wolle die Menge an Lichtern reduzieren, aber auch die Zeiten der Beleuchtung auf 16 bis 20.15 Uhr beschränken: „Es stimmt, dass das wegen der LED keine große Kosteneinsparung bringen wird.“ Dennoch verwahrte sie sich gegen den Vorwurf der Symbolpolitik, schließlich stehe das Land vor einer Energiemangellage. Der Kinderweihnachtsmarkt werde zudem illuminiert.

Anzeige

Doch, es sei reine Symbolpolitik, widersprach Reinhard Völker (CDU). Eine gute Idee sei jedoch, das Gespräch mit den Händlern zu suchen. „Was ist das für ein Zeichen, wenn wir keine Weihnachtsbeleuchtung haben?“, fragte sich Lucas Schwalbach (FDP). Ihm komme das wie „Kleinbeigeben“ gegenüber dem Kriegstreiber Putin vor.

Angenommen wurde schließlich mehrheitlich der Antrag der Kooperation, ergänzt durch den Zusatz, mit Gewerbetreibenden auf der Wilhelmstraße zu sprechen und ihnen die Beweggründe der Beleuchtungsreduzierung zu erläutern.

Dazu ein Pro&Contra aus der Redaktion

PRO Ja, die Krise sollte an Weihnachten Pause haben, findet Martin Schirling.

Anzeige
Martin Schirling. Foto: VRM
Martin Schirling. (© VRM)

Schlimmer geht es nicht. Halbe Weihnachtsbeleuchtung und reduzierte Zeiten, was soll das? Entweder keine oder volle Beleuchtung. Ich bin für „voll“. Zu Weihnachten gehört das unbedingt dazu. Die Menschen werden in die Stadt gezogen, erfreuen sich an den Lichtern, vergessen für ein paar Stunden den Irrsinn der Welt. Das wäre so schön. Aber der Wille der Rathaus-Kooperation gönnt uns das nicht. Das ist Symbolpolitik in Reinheit. Wofür? Ein paar Hundert Euro werden gesparrt, unfassbar. Wenn man sparen will, dann sollte man den Mut haben, es richtig zu tun, es den Menschen sagen, und die Beleuchtung ganz lassen. Aber diesen Mut hat die Kooperation nicht. Armes Wiesbaden.

CONTRA Nein, die Energiekrise hat mit Weihnachten nichts zu tun - und kann deshalb auch keine Ausnahme machen, findet Robin Eisenmann.

Jede Kilowattstunde zählt! Das haben leider immer noch nicht alle verstanden. In einer Zeit, in der Familien genau überlegen müssen, welche Räume in den kommenden Monaten beheizt werden können, sollte Wiesbaden mit gutem Beispiel vorangehen. Dass es sich dabei in erster Linie nicht um eine relevante Einsparmöglichkeit handelt, ist dagegen unerheblich. Im Übrigen hat die kitschige Beleuchtungsflut der vergangenen Jahre überhandgenommen. Oft erinnert der Anblick privater Hausfassaden an eine Flugzeuglandebahn. Das hat nichts mehr mit Weihnachten zu tun. Deshalb sollte dieses Jahr weniger einmal mehr sein. Ein solidarisches Zeichen der Stadt für ihre Mitbürger.