Wie voll sind die Busse in Wiesbaden? Auslastung ein Dauerthema

Wann ein Bus voll ist, testeten Besucher vor einigen Wochen beim Verkehrswendefest. Archivfoto: Watschounek

Planungs-, Bau- und Verkehrsausschuss der Stadt Wiesbaden befasst sich gleich mehrfach mit dem Busverkehr.

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WIESBADEN. Wenn es ein Thema gab, das die Sitzung des Planungs-, Bau- und Verkehrsausschusses am Dienstag bestimmte, dann war es der Wiesbadener Busverkehr. Unter anderem kam im Rathaus auch wieder ein Thema auf den Tisch, das sich schon in den vergangenen Monaten als politischer Daueraufreger entpuppt hatte. Und auch bei der jüngsten Diskussion um die Auslastung von Linien und die Maximalkapazität der Fahrzeuge war das Stimmungsbild im Plenum nicht wirklich versöhnlich.

„Wenig aussagekräftig“, „schwer verständlich“, „intransparent“ urteilten die beiden FDP’ler Sebastian Rutten und Alexander Winkelmann über das Zahlenwerk, das Stadtverwaltung und Eswe Verkehr auf Wunsch der Stadtverordnetenversammlung hin ausgearbeitet hatten – nicht ganz zu unrecht, denn ohne eine Interpretationshilfe war die Tabelle schnell misszuverstehen.

Komplexe Kalkulation

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Eigentlich hatten sich die Stadtverordneten, auch mit Blick auf die City-Bahn-Diskussion, einen Eindruck über den Zustand des Bussystems verschaffen wollen. Gefordert wurde deshalb eine Übersicht über die Auslastung der meistgenutzten Linien unter Berücksichtigung der besonders starken und schwachen Zeitfenster im Tagesverlauf und die eingesetzten Bustypen. Was sich erstmal nach einem einfachen Arbeitsauftrag anhört, entpuppt sich in Wahrheit als überraschend komplexe Kalkulation auf Basis von Daten aus Fahrgastzählsystemen in den Eswe-Bussen. Die wurde auch methodisch sauber umgesetzt, die korrekten Ergebnisse allerdings so spärlich erläutert, dass das Erkenntnisinteresse der Politiker nur ungenügend befriedigt wurde. Das wurde nicht nur in etlichen Nachfragen aus dem Plenum deutlich, sondern auch durch die verärgerten Reaktionen. „Wenn wir einen solchen Auftrag formulieren, verlangen wir eine klare und unmissverständliche Antwort. Das ist hier einfach nicht der Fall“, urteilte Sebastian Rutten nach einer ausgedehnten Diskussions- und Erläuterungsrunde, bei der es um Zeitfenster, unterschiedliche Mittelwert-Typen und die Vergleichbarkeit von Zahlen ging. Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) bot an, nochmals eine angepasste und dann vielleicht besser verständliche Auswertung erstellen zu lassen.

Immerhin gab es in einem anderen Aspekt Klarheit: Der Frage, warum Verwaltung und Eswe bei Auslastungsberechnungen viel niedrigere Maximalkapazitäten pro Bus zugrunde legen als die Bushersteller. Hier, erläuterte Eswe-Geschäftsführer Jörg Gerhard, richte man sich unter anderem nach den Richtwerten, die auch das Bundesverkehrsministerium für Berechnungen heranziehe. Die Werte, zum Beispiel 100 Fahrgäste pro Gelenkbus, seien mit Blick auf den tatsächlichen Betrieb realistischer. Die deutlich höheren Herstellerangaben seien technische Maximalwerte, bei deren Berechnung Zuladung und Achslasten maßgebend seien. Einleuchtend, fanden auch die FDP-Vertreter, kritisierten aber wiederum, dass die Erläuterung erst auf Nachfrage und nicht im zugehörigen Bericht gegeben werde.

Von André Domes