Stadt Wiesbaden gegen höhere Ticketpreise beim RMV

Ein RMV-Fahrkarten-Automat steht auf einem Bahnsteig.  Foto: Andreas Arnold/dpa

Der Verkehrsdezernent Andreas Kowol hält den Vorstoß des RMV-Aufsichtsrats für ein „falsches Signal“. Zum 1. Juli sollen Bus- und Bahnfahrkarten um 3,9 Prozent teurer werden.

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WIESBADEN. Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass der Aufsichtsrat des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) eine außerordentliche Preiserhöhung für Bus- und Bahnfahrkarten von durchschnittlich 3,9 Prozent vom 1. Juli 2022 an beschlossen hat. Dies sorgt nun auch bei der Stadt für Kritik: „Das ist das völlig falsche Signal zur völlig falschen Zeit“, sind der Wiesbadener Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Grüne) und auch die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) einer Meinung. Der ÖPNV müsse nach der Corona-Pandemie erst einmal die verlorenen Fahrgäste zurückgewinnen. Als Teil des RMV sind auch Wiesbaden und Mainz rechtlich verpflichtet, die Erhöhung umzusetzen. In der Sondersitzung des Aufsichtsrats des RMV hatte Kowol gegen die Erhöhung votiert.

"Aber das ist jetzt die vierte Preiserhöhung innerhalb von zwei Jahren."

„Ich kann nachvollziehen, dass insbesondere die Energiekosten gestiegen sind. Aber das ist jetzt die vierte Preiserhöhung innerhalb von zwei Jahren. Die ÖPNV-Preiserhöhung trifft besonders diejenigen Menschen hart, die sowieso schon jeden Euro umdrehen müssen. Diese Bevölkerungsgruppen, insbesondere Familien, Alleinerziehende und Rentner, sind schon von den aktuellen Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Mieten, Heizkosten und Strom überproportional belastet. Dies kann nicht im Interesse einer sozial ausgewogenen Politik sein“, so Kowol. Der Preis der Einzelkarte für Erwachsene soll nun in zwei Schritten von 2,90 Euro im Dezember auf 3,20 Euro im Juli steigen. Der Preis für die 5er-Sammelkarte – das einzige Ticket-Produkt, über das Mainz und Wiesbaden frei entscheiden dürfen – wird hingegen nicht erhöht.

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Auch in der Wiesbadener Parteienlandschaft ruft die RMV-Preiserhöhung Reaktionen hervor: „Die geplante Fahrpreiserhöhung des RMV bremst die Mobilitätswende aus. Wiesbaden investiert viel Kraft und Geld in die Verbesserung des Busverkehrs. Doch Mobilität muss auch bezahlbar sein. Wenn eine Fahrt bald über drei Euro kostet, führt das dazu, dass sich weniger Menschen für das Umsteigen auf den Bus entscheiden“, so Silas Gottwald, mobilitätspolitischer Sprecher der SPD-Rathausfraktion. Die Fraktion Freie Wähler/Pro Auto kritisiert hingegen die Rolle der Stadt. „Politiker von SPD sowie der Verkehrsdezernent äußern ihren Protest und dass diese Maßnahmen die Mobilitätswende gefährden würden. Aber über wen wundern sie sich eigentlich oder sind verärgert? Anteilseigner des RMV sind die Städte und Kreise des Rhein-Main-Gebiets sowie das Land Hessen. Diese besetzen auch den Aufsichtsrat, der über Preiserhöhungen zu entscheiden hat“, so der Vorsitzende Christian Bachmann.

Von red