Staatstheater Wiesbaden: Ministerium ordnet Mediation an

Das Staatstheater Wiesbaden. Foto: René Vigneron

Der Träger des Hauses will neben einer Mediation zwischen Intendant und Geschäftsführendem Direktor auch alle Beschäftigten anonym befragen. Was damit erreicht werden soll.

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WIESBADEN. Das Betriebsklima am Staatstheater soll wieder besser werden. Wie am Freitagabend bekannt wurde, haben sich dazu Vertreter beider Träger auf verschiedene Maßnahmen verständigt, teilen Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, und der Wiesbadener Kulturdezernent Axel Imholz mit. Dazu zähle auch eine Mediation der Bühnenleitung.

Wie mehrfach berichtet, hatte sich die Situation am Theater in den vergangenen Monaten mit der Verpflichtung des zuvor in Tel Aviv tätigen heutigen Orchesterdirektors Ilja Jossifov zugespitzt. Der Geschäftsführende Direktor Holger von Berg war der Ansicht, er eigne sich nicht für die Position. Intendant Uwe Eric Laufenberg setzte den Kandidaten durch. Im August wurde bekannt, dass Jossifov gegen von Berg im sogenannten „Hakenkreuz-Skandal“ Vorwürfe von Mobbing und Antisemitismus erhebt. Die Prüfung des Falls durch eine von Stadt und Land einberufene Gutachterin ergab, dass der Antisemitismus-Vorwurf „einer sachlichen Grundlage entbehrt“, so das Ministerium.

Handlungsbedarf in vielen Bereichen

Die neuen Maßnahmen, mit denen beide Träger auf Basis des Gutachtens und vieler Gespräche nun für bessere Abläufe sorgen wollen, seien mit allen Beteiligten debattiert worden, so die gemeinsame Presseerklärung. Sie umfassen neben Mediation zwischen Laufenberg und von Berg auch eine Befragung aller Beschäftigten zur Arbeitssituation – digital und anonym. Die Ergebnisse sollen transparent ausgewertet und daraus gegebenenfalls resultierende Maßnahmen eingeleitet werden. Außerdem soll der wertebasierte Verhaltenskodex des Deutschen Bühnenvereins künftig als Dienstvereinbarung implementiert und eine Geschäftsordnung zur Verbesserung der Zusammenarbeit der Bühnenleitung mit der zweiten Führungsebene erarbeitet werden.

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Aktuell bestehe laut Asar und Imholz auf vielen Feldern deutlicher Handlungsbedarf: „Das Land Hessen und die Landeshauptstadt Wiesbaden tragen eine gemeinsame Verantwortung für das Staatstheater und damit auch für die dort Beschäftigten.“ Die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate hätten gezeigt, dass die Arbeitssituation deutlich gestört sei, was sich auch auf die Betriebsabläufe negativ auswirke. „Aufgrund dessen ist es uns sehr wichtig, Prozesse anzustoßen, um diese Situation rasch und nachhaltig zu verbessern“, so Asar und Imholz. Alle Beteiligten hätten ein hohes Interesse daran, dass sich die Beschäftigten ungestört den Kernaufgaben des Theaters widmen können.