Siebtklässler der Riehl-Schule profitieren von einem...

Traditionelle griechische Kreistänze gehören zum Programm der Biebricher Schüler im nordgriechischen Florina.Foto: Riehlschule  Foto: Riehlschule

„Auf andere Leute einfach zugehen, egal, wo sie herkommen, und mit ihnen reden, denn sie sind ja genau so wie wir.“ Laura formuliert es ganz simpel. Aber sie trifft damit...

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BIEBRICH. „Auf andere Leute einfach zugehen, egal, wo sie herkommen, und mit ihnen reden, denn sie sind ja genau so wie wir.“ Laura formuliert es ganz simpel. Aber sie trifft damit auf den Punkt, was die Schüler der Wilhelm-Heinrich-von-Riehl-Schule von ihrer Griechenlandreise mitgebracht haben. In diesem Jahr war bereits die vierte deutsch-griechische Jugendbegegnung zwischen der Biebricher Gesamtschule und einer Schule in Florina in Nordgriechenland. Ermöglicht wird die Reise vom EU-Programm „Erasmus+ – Jugend in Action“ der Nationalen Agentur „Jugend für Europa“.

2011 wurden die ersten Kontakte geknüpft, durch einen Lehrer der Riehlschule, der selbst aus Florina stammt. „Ein Schüleraustausch ist bei unseren Schülern eher nicht praktikabel, da die meisten Familien keine Möglichkeit haben, einen Gastschüler unterzubringen“, weiß Schulleiter Thomas Schwarze. Doch die positiven Effekte einer internationalen Begegnung zwischen Jugendlichen wollte man dennoch den Schülern bieten. So fuhr 2011 das erste Mal eine Gruppe nach Griechenland, damals ältere Schüler. „Wir haben inzwischen Erfahrungen gesammelt und festgestellt, dass die siebte Klasse der ideale Zeitpunkt ist“, sagt Schulsozialarbeiter Marcus Mildner, der die Freizeiten mit Kollegen und Lehrern begleitet hat.

Eltern und Schüler sind begeistert von diesem Angebot, „die reißen sich darum, mitfahren zu können“, berichtet Mildner. Doch lediglich 20 Plätze gibt es. Aus allen siebten Klassen werden darum einige Schüler ausgewählt – gerade die etwas Schüchternen, vielleicht auch von den Noten her Schwächeren – „denen tut so etwas besonders gut“, sagt der erfahrene Schulsozialarbeiter. Während des ganzen Schuljahrs nimmt diese Gruppe dann am Wahlpflichtunterricht „Griechenland“ teil, um die Reise vor- und nachzubereiten.

Dieses Jahr waren die 20 Biebricher im Januar in Florina, der Gegenbesuch der griechischen Schüler steht unmittelbar bevor. Dann werden alle gemeinsam eine Woche in der Jugendherberge verbringen – in Griechenland waren sie zusammen in einem Hotel, immer ein griechisch-deutsches Duo in einem Zimmer. „Am Schluss haben viele geweint“, beschreibt einer der Jungs die persönlichen Bindungen, die in der kurzen Zeit entstanden sind.

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Fotos zeigen jede Menge Action: Rodeln, traditionelle Kreistänze, ein Besuch in einer Bäckerei und einer Bohnenfabrik. Außerdem Sport, Spiele und viel Austausch: „Es wirkt nachhaltig“, ist Marcus Mildner vom Erfolg der Reise überzeugt. „Die Schüler haben bei einem Elternabend das Projekt präsentiert, sie mussten sich Reisedokumente besorgen, sich über die Gegend informieren, manche sind zum ersten Mal geflogen. Einige hatten Angst, andere haben ihnen darüber hinweggeholfen. Drei aus der Gruppe sprechen Griechisch und konnten als Dolmetscher fungieren.“ Und durch diese Rollen ist nicht nur das Selbstbewusstsein gewachsen, sondern auch eine ganze Menge Reife dazugekommen. „Der Kompetenzgewinn durch solche internationalen Veranstaltungen ist so hoch wie nirgendwo anders, das ist auch durch Studien erwiesen – und durch die Praxis sowieso“, sagt Mildner.

Das merkt man den Schülern an: Wenn Laura zum Beispiel vom Besuch in der Bäckerei erzählt, „der Mann hat richtig mit Liebe sein Brot gebacken und uns erzählt, man müsse mit Liebe arbeiten“. Oder wenn Mujahad mit leuchtenden Augen die Fotos vom Schneefiguren-Bauwettbewerb erklärt. Maria berichtet vom Übersetzen für den griechischen Bürgermeister. „Anfangs waren wir noch etwas schüchtern. Aber ganz schnell nicht mehr.“ Und alle sind am Überlegen, was sie ihren griechischen Freunden nun Ende des Monats in Wiesbaden zeigen werden.

EU finanziert Austausch mit 26 000 Euro

„Wir wollen den Austausch fest in unserem Schulprogramm verankern“, hofft Schulleiter Thomas Schwarze auf den Erfolg, wieder beim Erasmus-Programm aufgenommen zu werden. Der EU-Geldtopf stellt immerhin rund 26 000 Euro für den Austausch zur Verfügung, die Schüler müssen nur noch einen symbolischen Betrag dazuzahlen.