Rechtsmedizinerin: Um Hals der toten Susanna war Jacke geknotet

aus Der Fall Susanna

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Ali Bashar vor Gericht. Archivfoto: dpa

Der Strickjackenstoff habe sehr eng um den Hals der getöteten Mainzer Schülerin Susanna gelegen. Das berichtete eine Rechtsmedizinerin am Freitag vor dem Landgericht Wiesbaden.

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WIESBADEN. Die wissenschaftlich verordnete Sachlichkeit kann zuweilen verstörend wirken: wie am Freitag vor der Schwurgerichtskammer des Wiesbadener Landgerichts. Es ist der dritte Verhandlungstag im Mordprozess gegen Ali Bashar. Der 22-Jährige hat gestanden, in der Nacht zum 23. Mai 2018 die 14 Jahre alte Schülerin Susanna aus Mainz in der Gemarkung von Wiesbaden-Erbenheim getötet zu haben. Es geht am Freitagvormittag um die Umstände seines Tötens.

Und man hört Dinge, die man eigentlich nicht hören will. Da ist vom „arteriellen_Zufluss“ und vom „venösen Abfluss“ die Rede, von der „kreislaufrelevanten Kompression“ gegen den Hals. Und dass es eine „Sekundensache“ sei zur Bewusstlosigkeit. Aus allen Informationen, und die Frankfurter Rechtsmedizinerin Franziska Holz liefert davon sehr viele, entsteht im Kopfkino zunehmend eine grausame Szenenfolge, gegen die man sich nicht wehren kann. Die Schilderungen führen das Minuten dauernde Sterben des Mädchens vor Augen.

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Ali Bashar will Susanna mit einem_Unterarmwürgegriff getötet haben. Das hat er im Juni bei einer Tatrekonstruktion an einer Puppe nachgestellt. Diese Kompression gegen den Hals könnte nach drei bis fünf Minuten, so die Rechtsmedizinerin, zum Tod geführt haben. Das Gericht hat aber auch zu ergründen, ob der fest um den Hals des Leichnams geschnürte linke Ärmel von Susannas Strickjacke im Zusammenhang mit dem Töten stehen könnte. Und dann springt das Kopfkino wieder an, als die Rechtsmedizinerin Holz dem Gericht anschaulich darlegt, wie dieser um den Hals gezurrte Ärmel auch zum Ziehen des Leichnams gedient haben könnte. Hin zu einem etwa 35 Zentimeter tiefen Erdgrab in einem Heckendickicht neben den Bahngleisen, wo Susannas Leichnam am 6. Juni gefunden wurde.

Durch die lange Liegezeit und die damit verbundenen Veränderungen sind keine objektiven Spuren mehr feststellbar gewesen, die auf einen sexuellen Kontakt hätten schließen lassen. Die Staatsanwaltschaft nennt als Mordmerkmal neben der Heimtücke die Verdeckung eines anderen Verbrechens: Der abgelehnte Asylbewerber soll das Mädchen auch vergewaltigt haben. Was er bestreitet. Er spricht von einem angeblich einvernehmlichen Geschlechtsverkehr. Das wiederum kann sich niemand aus Susannas Umfeld vorstellen. Neben dem Mordprozess muss Ali Bashar sich in einem zweiten Prozess seit Dienstag wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit schwerem sexuellen_Missbrauch eines Kindes in zwei Fällen verantworten. Opfer war eine Elfjährige. Auch das bestreitet er.

Am Freitag sagt Ali Bashar nur wenige Sätze, doch die sagen einiges aus über seine Persönlichkeit. Weder im Irak, seiner Heimat, noch in Deutschland, hatte er ein Interesse daran, zur Schule zu gehen. Eine Arbeit („Da habe ich Salat zubereitet“) gab er in Wiesbaden nach zwei Wochen auf. „Ich hatte keine Lust mehr.“ Lust hatte er nur darauf, in den Tag hinein zu schlafen, dann herumzuhängen, nur den eigenen Bedürfnissen nachzugehen – versorgt von der Mutter und finanziell ausgehalten vom deutschen Staat. Nach dem Ortstermin in Erbenheim wird der Prozess am kommenden Mittwoch ab 13.30 Uhr im Landgericht fortgesetzt.