Naturheilforum Wiesbaden feiert 20-jähriges Bestehen

Die Homöopathie ist ein in Deutschland recht verbreitetes alternatives Verfahren der Medizin. Allerdings sind die kleinen Kügelchen bei vielen Wissenschaftlern und Medizinern mehr als umstritten. Archivfoto: dpa  Foto:

Bei der 20-Jahr-Feier des Naturheilforums Wiesbaden (NHF) stand ein Mann im Mittelpunkt: Bernhard Bruns. Der Naturwissenschaftler, einst Produktions- und Laborleiter einer...

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WIESBADEN. Bei der 20-Jahr-Feier des Naturheilforums Wiesbaden (NHF) stand ein Mann im Mittelpunkt: Bernhard Bruns. Der Naturwissenschaftler, einst Produktions- und Laborleiter einer pharmazeutischen Firma, hatte 1997 den Zusammenschluss ins Leben gerufen, der sich der ganzheitlichen Betrachtung des Menschen und der Beschäftigung mit alternativen Heilweisen widmet.

Die Homöopathie ist ein in Deutschland recht verbreitetes alternatives Verfahren der Medizin. Allerdings sind die kleinen Kügelchen bei vielen Wissenschaftlern und Medizinern mehr als umstritten. Archivfoto: dpa  Foto:
Der Leiter des Naturheilforums, Manfred Schollreiter (2. von rechts), und sein Vorgänger Bernd Bruns (2. von links) feiern mit Gästen, darunter auch der ehemalige Gesundheitsdezernent Axel Imolz (Hintergrund, mit roter Krawatte) das 20-jährige Bestehen des Naturheilforums Wiesbaden.Foto: Joachim Sobek  Foto: Joachim Sobek

So organisiert das NHF „aufgrund eines großen diesbezüglichen Informationsdefizits” seit zwei Jahrzehnten fast jeden Monat einen Vortrag zu Themen aus den Bereichen Komplementärmedizin, Gesundheitsvorsorge oder Ernährung, zu dem laut Veranstalter regelmäßig zwischen 30 und 50 Zuhörer kommen. Für sie seien auch Impulse aus Grenzwissenschaften und Esoterik kein Tabu, wie Manfred Stollreiter in seiner Festrede unterstrich, darüber hinaus sei „Wasser und Naturheilkunde“ ein besonderer Schwerpunkt, mit dem sich der Biologe Bruns als „deutscher Wasserpapst“ seit Langem befasse.

Neben Heilpraktikern und Gesundheitsberatern sollen überdies Ärzte über schulmedizinische Themen referieren, die sich allerdings auf der aktuellen Liste nicht finden. Schließlich lässt man hier auch während des Fests im „Alt Wiesbaden“ keinen Zweifel an der Skepsis, die man der Schulmedizin entgegenbringt: „Nicht selten entsteht der Eindruck, dass die Fakten durch Lobbyismus und sonstige Interessen verdreht und geschönt werden, damit Menschen eventuell kritische Präparate, Produkte und Verfahren akzeptieren. Das Bestreben, in erster Linie den Menschen zu helfen, wird immer wieder auch durch egoistisches Gewinnstreben zunichtegemacht.“ Was genau damit gemeint ist, erläuterte Stollreiter vor über 60 Gästen anhand der Zahlen von Knie-, Hüftprothesen- sowie Kaiserschnittoperationen, die in Deutschland deutlich häufiger durchgeführt würden als in anderen Ländern.

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Warnung vor Scharlatanen in der Alternativmedizin

Nach der besonderen Würdigung des „Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit“ Bernd Bruns sowie der Mitglieder des Organisationsteams, das die Aufgaben des gesundheitlich angeschlagenen Gründers Anfang 2016 übernahm, übergab man dem Dezernenten für Finanzen, Schule und Kultur, Axel Imholz, das Wort. Er habe noch als Gesundheitsdezernent zugesagt, der er seit 1. April nicht mehr sei. Dennoch wolle er sein Versprechen halten. Imholz bezeichnete das „Naturheilforum Wiesbaden“ insofern als Bereicherung der Gesundheitsstadt Wiesbaden“, als es für die Information und Aufklärung über unumstrittene naturheilkundliche Erkenntnisse sorge. Andererseits ließ er keinen Zweifel an seiner Einstellung zu Veranstaltungen, „deren Themen ich obskur finde“, meinte er wenige Minuten nach der Aufzählung von Vorträgen beispielsweise über die Bedeutung der Ahnen für unsere Gesundheit oder „Klopf’ dich gesund!” Außerdem müsse er unbedingt darauf hinweisen, dass es natürlich auch im Bereich der Alternativ- und Komplementärmedizin „Scharlatane gibt, die eher an die eigene Brieftasche als an die Gesundheit des Menschen denken“.