HSK-Kinderarzt Mario Berwald tanzt für ein krankes Kind und...
In der Wiesbadener HSK tanzt Kinderarzt Mario Berwald im Klinikdress für seinen vierjährigen Patienten Gerrit zu "Culcha Candela".Mit Video
WIESBADEN. Das Bild zeigt ein Klinikzimmer, medizinische Geräte und einen Arzt in Turnschuhen und blauer Dienstkleidung – eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch dann fängt der Mediziner plötzlich an, zu einem Lied der Berliner Band „Culcha Candela“ zu tanzen. Das Video sorgt in dem sozialen Netzwerk „Facebook“ derzeit für Begeisterung. Und das nicht nur weil der Kinderarzt Mario Berwald, der an den Helios-Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) arbeitet, ein ziemlich guter Tänzer ist.
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Denn der 41-jährige Arzt drückt mit dem Tanz seine Erleichterung darüber aus, dass es seinem Patienten, dem kleinen Gerrit, endlich etwas besser geht. Die Familie des Kindes hat das Video auf der HSK-Kinderintensivstation gedreht und auf ihrer Facebook-Seite („Unser kleiner Held/Gerrit‘s Welt“) eingestellt. Verbunden mit einem Dankeschön an die Ärzte und Pflegekräfte der Station K12. „Wir danken Euch von ganzem Herzen, dass Ihr die letzten vier Wochen für Gerrit gekämpft habt und ihn nie aufgegeben habt. Wir haben viel geweint und viel gelacht und Ihr habt immer ein offenes Ohr für uns gehabt.“
Das Leben des kleinen Gerrit ist über Wochen in Gefahr
Einer der Ärzte, die Gerrit in dieser Zeit betreut haben, ist Mario Berwald. Wie der Rest des Teams und die Familie hat er sich sehr um den Vierjährigen gesorgt. Der Junge wurde mit einen sehr seltenen Gendefekt (MOPD Typ 1) geboren, der ihn nicht nur in seiner Entwicklung hemmt und sein Leben verkürzen wird, sondern ihn auch enorm anfällig für Infektionskrankheiten macht. Als Notfall wurde er vor viereinhalb Wochen mit einer Grippe in die HSK eingeliefert.
„Damit begann ein langer Prozess“, so der Direktor der Kinderklinik, Markus Knuf. „Wir haben uns bemüht, seine Lebenszeichen zu erhalten, ihm Sauerstoff und Medikamente gegeben.“ Doch Gerrit geht es schlecht, man fürchtet um sein Leben. „Wir wussten nicht, wo es endet“, so sein Stiefvater, Steven Richter. „Er hat schon viel mitgemacht, aber das war sein kritischster Kampf.“
Mario Berwald betreute den Jungen meist in den Abendstunden und in der Nacht, erlebt auch eine Krise mit, in der sich sein Zustand rapide verschlechtert. „Es gab eine Situation, in der ich ihm einen weiteren Zugang legen musste und einige Anläufe nötig waren. Da habe ich versprochen: Wenn es ihm besser geht, werde ich für ihn tanzen.“ Und tatsächlich geht es mit Gerrits Gesundheit schließlich wieder bergauf. Nach vier Wochen hat der Vierjährige die Grippe überstanden und wurde inzwischen von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt. „Er hangelt sich heraus“, gibt Knuf Grund zur Hoffnung. „Er muss nur noch etwas kräftiger werden.“
Für Mario Berwald hieß es nun, sein Versprechen einzulösen: „Eine Schwester hat mich daran erinnert. Ich wusste, da komme ich nicht mehr raus.“ So nimmt er sich fünf Minuten Zeit und tanzt. „Auf der Kinderintensivstation, wo Tod und Sterben oft so nahe sind, braucht man auch mal ein Ventil und darf auch mal Spaß haben.“ Und Gerrit macht ihm eine besondere Freude: Während des Tanzes sitzt der Junge zum ersten Mal wieder aufrecht. Die Familie hofft, dass er bald entlassen werden kann. Im Kinderhospiz Bärenherz soll er sich mit seiner Mama Silke etwas erholen, bevor es wieder zurück in sein Zuhause in Diez geht.
„Das ist typisch Berwald“, urteilen die HSK-Kollegen
Dass sein Arzt tanzen kann, ist allerdings kein Zufall: Mit Mitte 20 war Berwald nämlich im Tanzsportverein der CG 1844 Dornheim aktiv und tanzte in der Ersten Bundesliga. Neben der Weiterbildung zum Intensiv- und Neugeborenenmediziner, bleibt ihm dafür heute wenig Zeit. „Allerdings sind die Schwestern jetzt maximal motiviert einen Hip-Hop-Kurs mit mir zu machen.“
Sein Video geht unterdessen auf Facebook durch die Decke. „1,3 Millionen Nutzer aus der ganzen Welt haben es gesehen“, wie Steven Richter mit Blick auf die Statistik erkennt. Die Familie erhält viel Zuspruch, Presseanfragen und Spendenangebote. Auch in der Gruppe „Lust auf Wiesbaden“ wurde der Clip geteilt und kommentiert. „Ein Arzt mit Herz und Humor“, lobt man dort etwa. Berwald und seine HSK-Kollegen sind über die Klickzahlen völlig überrascht, nicht aber über die Aktion des Arztes, wie Knuf verrät. „Das ist typisch Berwald.“