Hochschule Rhein-Main streicht auf Campus rechtes Gedankengut

Studenten der Hochschule Rhein-Main haben begonnen, rassistische Beschriftungen in den Toilettenräumen zu übermalen. Foto: Jörg Halisch

Mit der Anti-Rassismus-Aktion setzen sich die Wiesbadener Studenten mit Rollen und Farbe gegen Hetze und Diskriminierung ein. Bereits im Vorfeld gab es „bedenkliche“ E-Mails...

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WIESBADEN. Mit einer öffentlichkeitswirksamen „Anti-Rassismus“-Aktion haben Studenten und die Hochschulleitung der Hochschule Rhein-Main (HSRM) am Montag ein Zeichen gegen Hetze, rechtes Gedankengut und Diskriminierung gesetzt. Im Gebäude des Fachbereichs Sozialwesen auf dem Campus wurde damit begonnen, rassistische Beschriftungen in den Toilettenräumen zu übermalen.

Die Vorbereitungen dazu hatten Maler bereits am Vormittag getroffen, in dem sie die WC-Räume für die Arbeiten präparierten. Bis Donnerstag bleiben die Toiletten gesperrt.

Klar rassistisch motivierte Botschaften

Auch Toiletten in anderen Gebäuden der Hochschule sind betroffen. Vor einigen Monaten hatten Studenten die menschenverachtenden Botschaften entdeckt, „die klar rassistisch motiviert sind“, sagte Mahada Wayah vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA), die als Antidiskriminierungsbeauftragte die Aktion organisierte.

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Zudem wurde zuletzt immer wieder ausgedrucktes, „rassistisches Info-Material“ vor der Mensa verbreitet: Hetzkampagnen und Schriften, die unter anderem den öffentlich-rechtlichen Medien das Verbreiten von „Fake News“, also manipulativ vorgetäuschte Nachrichten, vorwarfen.

Aktionstag am 1. Juli ist auch Erinnerungstag

„Diese Taten sind keine Randerscheinung. Sie stellen, ebenso wie die dahinterstehenden, diskriminierenden Ansichten, ein Abbild unserer Gesellschaft dar“, sagte Wayah, die weiß, dass es mit der „Wir streichen Rassismus!“-Aktion allein nicht getan ist. „Rassismus kann nicht überstrichen und übermalt werden“, so Wayah. Man brauche eine kritische Auseinandersetzung in der Gesellschaft. „Nur so kann es zu einer gesellschaftlichen Veränderung kommen.“

Bewusst suchten sich die Organisatoren den 1. Juli aus. Vor genau zehn Jahren, am 1. Juli 2009, wurde die 31-jährige Marwa El-Sherbini während einer Gerichtsverhandlung aus rassistischen Motiven brutal niedergestochen. Die Aktion an der HSRM soll auch an das Schicksal der Ägypterin erinnern.

Bedenkliche E-Mails im Vorfeld der Aktion

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Gemeinsam mit den anderen Aktivisten forderte Wayah eine tief greifende „Auseinandersetzung im Bildungskontext sowie langfristige Veränderungen“. Hochschulpräsident Prof. Dr. Detlev Reymann bekräftigte, mit Nachdruck und Vehemenz gegen die rechten Tendenzen an der Hochschule vorzugehen. „Das, was an den Toilettenwänden zu sehen ist, widerspricht entschieden dem Bild unserer Hochschule und dem, wofür wir stehen“, sagte er.

Reymann ging bei seiner Ansprache auch auf die Reaktionen ein, die ihn erreichten, nachdem er am Freitag die Studenten und Mitarbeiter per E-Mail über die geplante Aktion informiert hatte. In zwei Mails wurden die diskriminierenden Hassbotschaften verharmlost und es wurde verdeutlicht, dass man keinen gerechtfertigten Anlass für eine solche Aktion sehe.

„Diese Nachrichten zeugen von einer ausgesprochen bedenklichen Entwicklung. Wichtig aber ist, dass wir uns davon nicht beeindrucken lassen“, sagte Reymann. Stattdessen solle man dies als Motivation sehen, dass dringend etwas unternommen werden müsse.