Gruppenausstellung „Störfelder“ des Bunds Bildender...

„Störfelder“ heißt das Leitmotiv, das sich der BBK zu seiner Ausstellung in der Nerostraße 32 gegeben hat. 13 Künstlerinnen und Künstler haben sich dazu etwas einfallen lassen.

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WIESBADEN. Hat man es geschafft, die steile Hinterhofstiege zu erklimmen, findet man sich mitten in einem künstlerisch belebten, inspirierenden Ambiente wieder. „Störfelder“ heißt das Leitmotiv, das sich der BBK Wiesbaden in diesem Jahr zu seiner Gruppenausstellung in der „Schaustelle“ Nerostraße 32 gegeben hat. 13 Künstlerinnen und Künstler haben sich dazu etwas einfallen lassen.

„Kunst soll ja ein bisschen stören“, sagt Roland Meyer-Petzold. Seine Spiegelungen sind „Sehstörungen“ im hintersinnigen Bereich: Er benutzt Spiegel, die in unterschiedlichen Winkeln zusammengefügt sind. So wird nicht nur ein Paar Herrenschuhe mal Schwarz, mal Rot, sondern auch das Spiegelbild des Betrachters kreativ „zerbrochen“.

Dreidimensionale Objekte zeigt auch Papierkünstlerin Nicole Fehling. Es sind Dutzende von sorgfältig gefalteten geometrischen Papiertüten, die genau auf eine Treppe im Raum passen. Elli Weishaupt zeichnete Fische und andere Unterwasserwesen auf Glasplatten. Bei näherem Hinsehen erkennt man Zähne und Krallen sowie Verletzungen in der „heilen“ Unterwasserwelt. „Zum Glück bin ich kein Fisch“, schreibt die Künstlerin zu ihrem Werk. Maritim sind auch die großen Bilder von Claudia Stöber, die mit ihren Seepocken ins Dreidimensionale weisen. Sie möchte auf die Störung des natürlichen Ökosystems hinweisen.

Carmen von Seckendorff hat „verstörende“ Menschen und Tiere mit blutunterlaufenen Augen gezeichnet. Renate Reiferts gewohnt farbstarke Bilder spielen mit chaotischen Strukturen und geometrischer Ordnung. Dagegen sind Tine Kaisers Zeichnungen von Menschen sehr zart und fein, werden aber auch durch senkrechte Störfelder gebrochen. Angela Cremer hat moderne Fresken in Grautönen entworfen, deren Linienführungen man genau erkunden muss.

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„Materialist“ erinnert an Donald Trump

Auch Veit von Seckendorff bedient sich subtil gestörter Geometrie, doch in starker Farbigkeit. Anna Bielers großformatiger „Materialist“ erinnert ein bisschen an Donald Trump, nicht nur wegen der Haarfarbe, sondern auch wegen der formatfüllenden Dominanz. „Zensiert“ lautet das Wort, das einzige Motiv im prunkvollen goldenen Rahmen, das Horst Reichard beigetragen hat. Er will damit auf die „zunehmende Zensur im Ausstellungsbetrieb“ hinweisen. Ute Wurtinger hat mit goldenen, zarten Farbstreifen auf tiefschwarzem Grund „negative Energiefelder“ entworfen und damit eine „ästhetisch inszenierte Bedrohung“ zum Thema ihres Tryptichons gemacht.

Die ungewöhnlichste Arbeit ist jedoch „Das Spiel der Mächtigen und der Machtlosen“ von Mathias Kupferschmied, ein „Ready-made“ aus einem Kickertisch und Sand aus dem Baumarkt. Er zeigt die syrische Fußballnationalmannschaft, die 2018 nur knapp an der WM-Teilnahme scheiterte. Sie wird von Präsident Assad unterstützt, bereitet sich auf die WM 2022 in Katar vor und trainiert in Malaysia. „Endspiel Syrien-Katar“ heißt der Untertitel der Installation. Die Besucher können versuchen zu spielen. Doch durch den Sand ist das nicht nur nahezu unmöglich, sondern bei näherem Hinsehen entdeckt man auch, dass einzelne Spieler im Sand begraben liegen – das Spiel wird nicht nur ge-, sondern zerstört.