Grundschüler putzen Stolpersteine im Wiesbadener Westend

Die Erinnerungssteine sollen wieder glänzen. Foto: Sarah Peuter
© Sarah Peuter

659 der kleinen Messing-Gedenktafeln liegen in Wiesbaden, ein Großteil davon im Westend. Schüler der Blücherschule haben die regelmäßige Reinigung der Stolpersteine übernommen.

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WIESBADEN. „Es ist doof, dass unschuldige Menschen sterben mussten.“ Die zwei Schüler der dritten Klasse haben gerade Putzdienst für Stolpersteine im Westend. Alle zwei Wochen reinigen Schüler der Blücherschule die Erinnerungssteine für ermordete Juden der NS-Zeit – und das schon seit vier Jahren.

„In den letzten vier Jahren haben wir gemeinsam schon 350 Steine geputzt“, erzählt Peter Riedle vom Aktiven Museum Spiegelgasse für die deutsch-jüdische Geschichte (AMS). Insgesamt gibt es in Wiesbaden 659 Stolpersteine – der Großteil davon liegt im Westend, da dort seinerzeit viele Juden wohnten. Riedle betont: „Es gibt einen Unterschied zwischen dem Reden über Menschenrechte und ihrer tatsächlichen Pflege. So wissen die Kinder, worum es geht und haben sich schon mal mit dem Thema auseinander gesetzt. Damit haben sie vielen Erwachsenen in Wiesbaden etwas voraus.“ Die Schüler setzen sich auch im Unterricht mit dem Thema auseinander. „Wenn man dann stolpert, dann soll man erkennen, wie viele Juden gestorben sind“, fassen die beiden ihre Aufgabe zusammen. Doch es herrscht großes Unverständnis über den Diktator Hitler: „Warum braucht man überhaupt Krieg? Dabei geht es nur um Macht. Es reicht doch, wenn man in einem Land regiert“ und „Jeder darf glauben, was er will!“ Doch die beiden haben auch viele Fragen und lassen sich von Elisabeth Lutz-Kopp vom Aktiven Museum beispielsweise erklären, warum es einen Judenstern gab und wie die Juden erst gezielt aus der Gesellschaft ausgeschlossen und dann ermordet wurden.

Die beiden sind mit vollem Einsatz dabei. Jeder Messingstein muss glänzen: „Stop, da ist noch etwas. Machst du das noch mal?“, spornen sie einander solange an, bis wirklich jeder Stein wieder strahlt.