Glasverbotszone bei Fastnachtszug: Problem nur verlagert

Reste vom Fest: Nur noch wenige Glasfläschchen und Scherben sind an Rosenmontag nachmittags zu sehen. Aber die Entsorgungsbetriebe hatten vorher jede Menge Arbeit. Foto: André Domes
© André Domes

Nachdem es beim Fastnachtszug Probleme mit zu vielen Scherben auf dem Wiesbadener Kaiser-Friedrich-Platz gegeben hatte, wurde dort in diesem Jahr eine Glasverbotszone...

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WIESBADEN. Trotz einer insgesamt positiven Bilanz von Polizei, Ordnungsamt und Dacho zum Fastnachtszug am Sonntag wird man bei der Nachbereitung des Großereignisses darüber reden, ob man im kommenden Jahr etwas ändern muss. Vor allem der Bereich um die Burgstraße / An den Quellen bereitet Sorge. Dort türmten sich während des Zuges und danach unzählige Glasscherben, denn genau dorthin waren die jugendlichen Zugbesucher ausgewichen, die auf dem Kaiser-Friedrich-Platz am Nassauer Hof eine Glasverbotszone vorfanden.

Die habe man eingerichtet, weil es im Vorjahr viele Verletzte mit Schnittwunden gegeben hatte, und auch die Rettungswagen Schwierigkeiten hatten, durch den Glasscherbenteppich durchzufahren, berichtet Christoph Fink vom Ordnungsamt im Rückblick. Das Glasproblem wurde mit der Verbotszone aber nicht behoben, sondern nur verlagert.

Partymeile hinterlässt ihre Spuren

„Die Burgstraße und An den Quellen sind zur Partymeile des Zugs geworden.“ Das hat auch negative Begleiterscheinungen. „Die Glasverbotszone war ein Versuch“, sagt Fink. Ob und wie sie beibehalten wird, ist noch nicht entschieden. Auch Dacho-Chef Simon Rottloff hat die Probleme vor Ort beobachtet, als er auf dem neuen, sehr großen Dachowagen dort vorbeifuhr. Einerseits, so Rottloff, „war das super, was dort los war“, andererseits sei es auch sehr eng gewesen. Und „da haben sie auch Bonbons und anderes zurückgeschmissen“, berichtet der Dacho-Chef. „Wir müssen über die Burgstraße und An den Quellen reden“, meint er. „Entweder lösen wir die Glasverbotszone am Kaiser-Friedrich-Platz wieder auf oder finden eine andere Lösung.“

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Auch die Entsorgungsbetriebe hatten mit dem immensen Scherben-Aufkommen viel zu tun, das vor allem durch die vielen kleinen Fläschchen verursacht wird, die, nachdem sie leer sind, von Zuggästen einfach kaputtgemacht werden. Traditionell hatten ELW-Mitarbeiter als Abschluss des Zuges für Sauberkeit gesorgt. „Aber dorthin, wo die vielen Glasfläschchen hingeworfen wurden, mussten wir zum ersten Mal eine Großkehrmaschine schicken, um die vielen Scherben aufzusaugen“, resümiert der Sprecher der Entsorgungsbetriebe.

Insgesamt waren 56 Mitarbeiter der Straßenreinigung beim Zug im Einsatz, dazu 14 von der Müllabfuhr. „16 Kehrmaschinen, zwei Müllwagen und vier andere Fahrzeuge waren dabei“, berichtet Frank Fischer.

Protest-Gruppe gegen Wohnungsnot

Für Wirbel sorgte auch eine Gruppe, die nicht beim Zug angemeldet war und gegen Wohnungsnot und Gebäudeleerstand protestierte. Konkret geht es um das Gebäude am Bismarckring 23, das seit Jahren leersteht. Die Teilnehmer, darunter der Linken-OB-Kandidat Ingo von Seemen und Gewerkschafter Gerd Öfinger, hatten ihre Zugnummer nicht angemeldet. Sie waren teils als „Spekulanten“ verkleidet und wurden kurzfristig von der Polizei aus dem Zug geholt.

„Mit ihrer politischen Botschaft hatte das allerdings gar nichts zu tun“, betont Simon Rottloff. Hinter der stehe er auch, sagt der SPD-Mann. Es gehe darum, dass die Zuggruppe nicht angemeldet war. Auf verschiedenen Streckenabschnitten des Zuges seien verschiedene Leute zuständig. Er selbst hätte sie mitlaufen lassen, es müsse aber auch klare Regeln geben. Und die Gruppe sei nun einmal nicht angemeldet gewesen.