Fachtagung in Wiesbaden zur Verkehrswende in verschiedenen...

Leihräder in München, Bauvorhaben in Braunschweig, E-Roller in Denver – wo läuft es gut? Was kann Wiesbaden davon lernen?

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WIESBADEN. Im Rahmen des Projekts „Impact Rhein-Main“ veranstaltet die Hochschule Rhein-Main eine Fachtagung zum Thema „Mit Mikromobilität zur Verkehrswende“. Interne und externe Experten beleuchten dabei die Bedeutung öffentlicher Mobilität, die Wirkung von Fahrrad-Vermiet-Systemen sowie den Beitrag, den elektrisch betriebene Tretroller und Fahrräder (Pedelecs) sowie Lastenräder für die Verkehrswende haben. Darüber hinaus vermitteln Impulse aus den USA, Braunschweig, München und Wien vielfältige Erfahrungen.

Charlotte Carstens beleuchtet dabei den Umgang mit Verleihsystemen für Tretroller in drei amerikanischen Städten. In Denver hat man ein Pilotprojekt mit fünf Anbietern durchgeführt und sich aufgrund der Ergebnisse dafür entschieden, bei der Umsetzung lieber nur mit zwei Anbietern zusammenzuarbeiten. Mit diesen sei dann aber eine vertiefte Kooperation entstanden, mit Verträgen, die über fünf Jahre laufen. Zu den Bedingungen gehöre hier, dass pro fünf angebotenen Rollern mindestens auch ein Fahrrad zur Leihe zur Verfügung steht. In Portland wiederum hat man aus der Pilotphase heraus den Wunsch entwickelt, dass die zu leihenden Roller über einen Mechanismus verfügen, durch den sie an einem Fahrradbügel oder einem Verkehrsschild zu fixieren sind. Auf diese Weise möchte man dem unkontrollierten Abstellen Herr werden. In Baltimore schließlich legt man großen Wert darauf, dass eine festgelegte Zahl an Rollern in Vierteln zur Verfügung steht, die nur schlecht an den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) angeschlossen sind und dass es vergünstigte Tarife für Geringverdiener gibt.

Verleih von Rädern läuft noch recht schleppend

Aus München zugeschaltet ist Martin Schreiner, der städtische Mobilitätsreferent. Dort hat man das Ziel, den Stadtverkehr bis 2035 klimaneutral zu gestalten. Bislang jedoch laufe die Leihe von Lastenrädern und Pedelecs noch zögerlich, das Angebot weise räumliche und zeitliche Lücken auf und es gebe nur wenige vereinheitlichte, integrierte Buchungsmöglichkeiten. Ein Problem bei der Suche nach Partnern, die Leihsysteme anbieten, sei die große Dynamik im Markt. Immer wieder würden Anbieter übernommen. Bis zum Jahr 2026 habe man sich nun vorgenommen, 1600 Carsharing-Stellplätze zu schaffen und bis zu 200 Mobilitätspunkte einzurichten, an denen verschiedene Mobilitätsdienstleistungen gebündelt werden.

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Einen Schritt weiter scheint man in Wien zu sein, von wo Bianca Khalil (Wiener Linien) zugeschaltet ist. Hier existiere etwa eine Applikation, über die Tickets nicht nur für die eigenen Angebote gekauft werden könnten, sondern die auch für externe Anbieter offen sei. Auf dem Weg vom ÖPNV-Unternehmen zum Mobilitätsdienstleister habe man sich grundsätzlich zum Ziel gemacht, mit bestehenden Angeboten zu kooperieren und die noch fehlenden selbst zu schaffen. Seit diesem Jahr habe man ein erweitertes Fahrrad-Leihsystem geschaffen. Hier gelte es noch, Irritationen bei der Nutzung der virtuellen Stationen auszuräumen. Einen Erfolg vermeldet zudem Rouven Langanke von der Umsetzung des Mobilitätsangebots der Nibelungen-Wohnbau. Beim ersten Bauabschnitt der Lichtwerk-Höfe habe man die Stellplatzsatzung der Stadt Braunschweig um 20 Prozent unterschreiten dürfen. Trotzdem sei die dazugehörige Tiefgarage nicht ausgelastet.