Eswe Verkehr rechnet mit weiterem Rückgang bei Fahrpersonal

Eswe Verkehr plant für 2023 mit weiterem Rückgang der Anzahl der Busfahrer.

Laut Wirtschaftsplan zählt das Busfahrer-Team des Wiesbadener Verkehrsdienstleisters im Jahr 2023 weniger als 700 Personen. Was bedeutet das für den Bus-Fahrplan?

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Wiesbaden. Eswe Verkehr rechnet für das kommende Jahr mit einem Rückgang beim Fahrerpersonal von 39 Fahrerinnen und Fahrern. So geht es aus einer Beschlussvorlage zum Wirtschaftsplan der Verkehrsgesellschaft hervor. Diese wurde am Mittwoch im Ausschuss für Finanzen aufgerufen und mit Stimmen des Viererbündnisses aus Grünen, SPD, Linke und Volt auch so beschlossen. Bemerkenswert dabei war nicht nur der Inhalt des Zahlenwerks selbst, sondern auch das „wie” der Beschlussfassung: Obwohl die Verkehrsgesellschaft schon seit einiger Zeit mit Personalschwund im Team der Fahrzeugführer zu kämpfen hat, kam es im Ausschuss zu keiner Aussprache zu den möglichen Folgen der weiteren Verkleinerung im Fahrer-Team. Seitens des Verkehrsbetriebs nahm kein Vertreter an der Sitzung teil. Auf Nachfrage dieser Zeitung hieß es von Eswe Verkehr, die im Wirtschaftsplan ausgewiesene Reduktion sei nicht Ausdruck eines beabsichtigten Stellenabbaus, sondern die angesichts der Lage auf dem Arbeitsmarkt erwartete Entwicklung.

In der ansonsten regen und kommunikativen Sitzung des Ausschusses war die Beratung zum Punkt „Finanzierung ÖPNV/ESWE Verkehrsgesellschaft mbH im Haushalt 2023” in zwei Minuten erledigt. „Will den wirklich niemand etwas sagen?” nahm FDP-Fraktionschef Christian Diers etwas ungläubig zur Kenntnis, dass sein Wortbeitrag zum Wirtschaftsplan der einzige bleiben sollte, bevor zur Abstimmung aufgerufen wurde. Zwar war am Mittwochabend ohnehin kein Vertreter der Gesellschaft im Sitzungssaal zugegen, um Diers’ Fragen zu beantworten, Anlass zur Diskussion hätte die Vorlage aber dennoch genug geboten.

Statt 731 nur noch 692 Busfahrer

Statt 731 Fahrerinnen und Fahrern, die Eswe Verkehr 2022 in der Statistik aufführt, sollen geplant für 2023 nur noch 692 im Unternehmen aktiv sein. Erst für die Folgejahre, so ist es der Mittelfristplanung zu entnehmen, soll sich die Personaldecke wieder sukzessive erhöhen. Bis auf 713 im Jahr 2027 - immer noch 18 weniger als in diesem Jahr, in dem Abgänge und hoher Krankenstand dazu zwangen, den regulären Fahrplanbetrieb deutlich einzukürzen. Zudem veranschlagt Eswe Verkehr in seiner Wirtschaftsplanung über das gesamte Personaltableau Tarifsteigerungen von jährlich drei Prozent. Aus Sicht der FDP kein Ausdruck besonderer Anstrengungen, durch bessere Bezahlung insbesondere für das dringend benötigte Fahrerpersonal attraktiver zu werden. „Bei einer Inflationsrate von knapp zehn Prozent ist das völlig unzureichend. Auch der geplante Haustarif lässt sich damit nicht umsetzen”, meldete sich Diers am Freitag auch nochmal per Presseerklärung in der Sache zu Wort. Mit seinem „Ja” zum Wirtschaftsplan setze das Linksbündnis für die Angestellten „einen heftigen Reallohnverlust durch, der zu weiterer Abwanderung von Mitarbeitern führen wird”.

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Schon mit der jetzt geplanten Personalstärke werde kaum eine Rückkehr zum normalen Fahrplan möglich sein, vermutet die FDP. Eswe Verkehr hatte sich Ende August zu einer deutlichen Reduktion der angebotenen Fahrten gezwungen gesehen, weil durch hohen Krankenstand und Personalabgänge dauerhaft zu wenige Kräfte zur Realisierung des Fahrbetriebs im Normalfahrplan verfügbar waren. Schon zuvor war es immer wieder zu Verspätungen und Ausfällen gekommen. Begründet wurde der Schritt nicht zuletzt mit Planungssicherheit für die Fahrgäste und dem Schutz für die hoch belasteten Fahrerinnen und Fahrer.

An dieser Zielsetzung ändere sich auch 2023 nichts, betont Eswe auf Nachfrage: „Für uns hat die Stabilität des Fahrplans oberste Priorität. Das heißt, wir müssen dafür Sorge tragen, dass Fahrtausfälle vermieden werden, egal wie schwierig vorherzusagen die Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Krankenstand oder die Personalfluktuation sind. Gelingt uns das, können wir als zweites Ziel wieder eine schrittweise Ausweitung des aktuellen Fahrplanangebots ins Auge fassen.” Beim Verkehrsdienstleister wolle man sich „intensiv darum kümmern, den Gesundheitsstand bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachhaltig zu verbessern”. Auch werde geprüft, ob der Betrieb „durch Fahrzeitanpassungen an bestimmten Stellen effizienter werden” könne. „Drittens prüfen wir, ob die Unterstützung durch Partner-Busunternehmen über den 5. März hinaus uns weiterhin einen flexiblen und bedarfsorientierten Einsatz unserer eigenen Fahrerinnen und Fahrer ermöglichen könnte.”