EBS will dritte Fakultät für Psychologie schaffen und in den...

Foto: dpa

Die EBS lässt die Krisenzeiten der Vergangenheit hinter sich und blickt in die Zukunft: Wie der Präsident der Universität für Wirtschaft und Recht im Gespräch mit dieser...

Anzeige

WIESBADEN. „Wir sind im Kopf noch im Krisenmodus“, sagt Markus Ogorek, EBS-Präsident und Professor für Öffentliches Recht, im Gespräch mit dieser Zeitung. Viele seiner Kollegen konnten lange nicht glauben, dass die EBS Universität für Wirtschaft und Recht mit Standorten in Wiesbaden und Oestrich-Winkel „wirklich gerettet“ sei.

Finanzielle Defizite und personelle Krisen

In der Vergangenheit war die Hochschule durch finanzielle Defizite und personelle Krisen aufgefallen. Außerdem hatte es erhebliche Unruhen um den ehemaligen Präsidenten Christopher Jahns gegeben, die in einem Strafprozess endeten. Im Juli 2016 war die Wiesbadener Privatuniversität von einer Stiftung übernommen worden. Der Heidelberger SRH-Konzern, der bundesweit Krankenhäuser und Hochschulen betreibt, hatte für 3,6 Millionen Euro 100 Prozent der Anteile erworben. „Wir müssen die Freiheit, die wir durch  SRH gewonnen haben, auch ausleben“, betont Ogorek.

Anzeige

Der Kölner ist seit einem Jahr EBS-Präsident und will wieder Lebensfreude in die Universität hineintragen. „Wir haben das Lachen in den vergangenen Jahren vielleicht an der ein oder anderen Stelle verlernt“, räumt er ein und erinnert sich an die mediale Berichterstattung in Krisenzeiten. „Ich bin gekommen, als alle anderen gegangen waren“, erzählt der Rheinländer, der den Ort Oestrich-Winkel nach seiner Berufung erst einmal googeln musste. Zu Christopher Jahns könne er nichts sagen. „Ich habe Herrn Jahns noch nie gesehen, da muss ich passen.“

Ein echter Neuanfang also? „Der Markenkern der EBS ist unbeschädigt geblieben“, betont Ogorek, der das zunächst selbst kaum glauben konnte. Über die Grenzen von Hessen hinaus habe die Universität noch immer einen exzellenten Ruf. In Chinas Bildungsministerium sei die Hochschule gar unter den Top 15 Universitäten Europas gelistet. Den Begriff der Elite braucht Ogorek allerdings nicht. „Dreh- und Angelpunkt für mich ist Leistung. Niemand ist per se ein guter Mensch, weil er aus der bürgerlichen Mitte kommt. Wir wollen verantwortungsbewusste Unternehmer ausbilden.“ Von Rankings hält der Rheinländer nichts: „Ich halte Rankings für komplett unseriös.“ Ihm gehe es in erster Linie um gute Lehre und starke Forschung. Außerdem solle die EBS wieder ein Forum sein für wirtschaftliche und soziale Akteure.

Entwicklung geht Richtung Universität

Dass die EBS Probleme hatte, die zuweilen noch spürbar sind, will Ogorek nicht kleinreden. Seine erste Amtshandlung sei es gewesen, die Grundordnung der Universität zu ändern, „weil ich selbst sehr stark an Regeln glaube“. Er ist überzeugt, dass sich die EBS in zwei bis drei Jahren ganz anders darstellen werde. „Weil wir uns immer mehr zu einer Universität entwickeln und gleichzeitig sehr familiär sind.“ Gestartet sei die European Business School (EBS) 1971 als private Hochschule für Wirtschaft, 2011 kam der Bereich Jura hinzu. „Mit mittlerweile exzellenten Examensnoten“, wie Ogorek betont.

Seine Zukunftsvision: „Ich möchte die EBS zu einer internationalen Universität im Rheingau machen.“ Nur zwei Fachbereiche seien zu eindimensional. Eine dritte Fakultät für Psychologie soll deshalb das Angebot bereichern, sobald der Träger sein Okay gegeben hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie in Wiesbaden ansässig sein wird, sei „sehr, sehr hoch“, sagt Ogorek. Gleichzeitig sollen zehn Millionen Euro am Campus in Oestrich-Winkel ins Schloss Reichartshausen investiert werden.

Anzeige

Berührungsängste von Bürgern abbauen

Internationalität und Digitalisierung sind weitere Anliegen der EBS-Leitung. Dekan Markus Kreutzer verantwortet die strategische Neuausrichtung und will dafür sorgen, das Forschungsprofil und die Internationalisierung der Hochschule zu stärken. Bereits jetzt kommen viele junge Menschen aus Indien und China, um im Rheingau zu studieren.

Für die Zukunft der EBS wünscht sich Ogorek, dass die Hochschule wieder mehr in der „lokalen Community“ in Wiesbaden und im Rheingau ankomme. Ab und zu gebe es zwar noch gewisse „Berührungsängste“. Er hofft aber, dass diese bald der Vergangenheit angehören. „Es gibt viele Gründe, stolz auf die EBS zu sein.“ Das will der neue Präsident den Menschen vor Ort wieder ins Bewusstsein rufen.

Von Laura Jung