„Die Englisch-Vokabeln müssen sitzen“: Tatjana Schmidt...

Für die amtierende Rheingauer Weinkönigin Tatjana Schmidt hat Anfang August die Vorbereitung auf das möglicherweise größte Abenteuer ihres Lebens begonnen – die Wahl zur...

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WIESBADEN. Ein ruhiger Monat hieße im zukünftigen Amt: vier Termine pro Woche. „Als ich das hörte, dachte ich auch: Meine Güte!“, schwant Tatjana Schmidt Böses. Für die amtierende Rheingauer Weinkönigin, in diesen Tagen auf der Weinwoche naturgemäß im Dauereinsatz, hat Anfang August die Vorbereitung auf das möglicherweise größte Abenteuer ihres Lebens begonnen. Ein mehrtägiger Workshop in Neustadt an der Weinstraße, ausgerichtet vom Deutschen Weininstitut (DWI), war für die zwölf Kandidatinnen, zu denen Schmidt zählt, der erste Schritt auf dem Weg zur Wahl der 70. Deutschen Weinkönigin Ende September.

„Selbstverständlich haben wir viel über deutschen Wein gelernt“, berichtet Schmidt über das Naheliegende; auch wenn der Praxisbezug zum Glück nie zu kurz kam. „Am ersten Tag hatten wir eine Gebietsweinprobe, bei der jede Kandidatin einen für ihr Anbaugebiet typischen Wein vorgestellt hat.“ Im Grunde also Tagesgeschäft für das Dutzend Weinmajestäten aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich allesamt einem großen Fernsehpublikum präsentieren müssen.

Zwei Urlaubssemester, falls es mit der Krone klappt

„Am zweiten Tag hatten wir dann ein Fotoshooting, bei dem auch ein Stylist dabei war, mit dem man das Outfit für den Abend besprochen hat. Das war ganz hilfreich, ich habe nämlich noch kein Kleid“, lächelt die 25-jährige Walluferin etwas verlegen.

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Ein essenzielles Kapitel des Vorbereitungsseminars war das Kamera- und Rhetorik-Training, in dessen Zuge die Bewerberinnen Tipps für ihre Bühnenauftritte erhielten. „Das war extrem anstrengend“, erinnert sich Schmidt. „Ich gestikuliere sehr gerne. Das ist zwar gut, aber ich muss es dezenter einsetzen, sagten die Coaches.“

Dass der Kurs „English for Wineqeens“ in Neustadt einen kompletten Tag in Anspruch genommen hat, ist erst dann nachzuvollziehen, wenn man sich den Kalender der derzeit noch amtierenden Deutschen Weinkönigin, Katharina Staab, sowie deren beider Stellvertreterinnen vor Augen führt – die Leitung mehrstündiger Weinprobierseminare in Shanghai gehört ebenso zu den Aufgaben wie die Präsentation des deutschen Rebensaftes vor Barkeepern in New York. „Als Deutsche Weinkönigin ist man einfach viel im Ausland unterwegs, da geht es nur mit Fremdsprachen“, weiß Schmidt. „Gerade die englischen Weinbau-Vokabeln müssen sitzen.“

Trotz des beachtlichen Programms, der Workshop an der Weinstraße hat der Rheingauer Weinkönigin, deren Nachfolgerin am 15. September gekrönt werden wird, eher die Furcht vor der großen Aufgabe genommen. „Diese Woche hat mich eher entspannt. Man hatte ja vorher gar keine Ahnung, was einen erwartet. Diese Ungewissheit ist jetzt weg.“ Zumal die Atmosphäre unter den zwölf Rivalinnen um die nationale Krone mehr familiär denn feindschaftlich war. „Wir sind zwölf komplett unterschiedliche Menschen, ein Jahrgang mit vielen Quereinsteigerinnen, wenn man so will. Aber es gibt schon so einen kleinen Kreis, bei dem ich mich freuen würde, wenn wir zusammen im Finale stehen würden“, verrät die Weinbau-Studentin. Apropos: Was würde denn passieren, wenn Schmidt tatsächlich die 70. Deutsche Weinkönigin werden sollte? „Ich würde mir an der Hochschule in Geisenheim sicher zwei Urlaubssemester nehmen. Ich komme jetzt ins fünfte Semester. Das war mit dem Zeitbudget zum Teil jetzt schon schwierig als Rheingauer Weinkönigin – gerade, wenn es Richtung Klausuren geht.“

Zum Finale mit zwei Bussen Richtung Pfalz

Für die eigene Unterstützung an den Wahlabenden, Vorentscheid (22. September) und gegebenenfalls Finale (28. September, beides live zu sehen im SWR Fernsehen), ist derweil bereits gesorgt; die Transportmittel in die wunderschöne Südpfalz sind gebucht. „Es gab im Vorfeld ein festes Kontingent von 50 Karten für jede Kandidatin, das habe ich komplett ausgeschöpft. Sollte ich mich tatsächlich für die Endrunde qualifizieren, würden es dann wohl sogar zwei Busse werden. Es ist halt mitten in der Lese. Da ist es keineswegs selbstverständlich, dass so viele Leute diesen Weg auf sich nehmen.“

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Die Vorfreude aufseiten von Tatjana Schmidt ist ohnehin ungebrochen. „Ich habe viele Freundinnen, die in den Vorjahren schon bei dieser Wahl mitgemacht haben. Ich glaube, das bringt einem selbst ganz viel.“

Von Matthias Laux