Den Eltern die Angst nehmen

Nina Voss legt in der Kita Maria Hilf in der Kellerstraße den Fokus auf die Sprache der Kinder.     Foto: wita/Paul Müller  Foto: wita/Paul Müller

Langsam deckt Nina Voss die bunten Bilder auf und erzählt dabei die Geschichte von Klara und Leo, die sich streiten und wieder versöhnen. Ihre kleinen Zuschauer gucken...

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WIESBADEN. Langsam deckt Nina Voss die bunten Bilder auf und erzählt dabei die Geschichte von Klara und Leo, die sich streiten und wieder versöhnen. Ihre kleinen Zuschauer gucken gebannt auf das „Kamishibai“, ein Papiertheater mithilfe dessen Voss erzählt. Immer wieder fragt sie ihre Zuhörer nach verschiedenen Worten und Begriffen. „Krokodil“ oder „Stuhl“ schallt es ihr dann entgegen.

Voss ist seit Juni die Sprachförderkraft der Kita Maria Hilf in der Wiesbadener Innenstadt. Die Sprach- und Erziehungswissenschaftlerin wurde im Rahmen des Bundesprogramms „Sprach-Kita“ eingestellt. Das Programm richtet sich an Kitas, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichen Förderbedarf besucht werden (siehe Infokasten). In Wiesbaden nehmen mittlerweile 62 Betreuungseinrichtungen teil, also etwa jede dritte Kita.

Verständigung „mit Händen und Füßen“ und Dolmetscher

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Nicole Winkler, Leiterin der Kita der katholischen Bonifatiusgemeinde, sagt: „Wir sind eine sehr internationale und vielfältige Kita. 45 Prozent unserer 79 Kinder kommen aus nicht-deutschsprachigen Familien. Einige sprechen gar kein Deutsch, wenn sie zu uns kommen. Deshalb ist es wichtig, den Fokus auf die Sprache zu legen.“

Es sei wesentlich, im Kita-Alltag „Sprachanlässe“ zu finden, meint Voss. Dazu geht sie in die Kindergruppen, erzählt mit dem „Kamishibai“ Geschichten oder packt gemeinsam mit den Kindern ein „Herbstkörbchen“ zum Wörterlernen.

Sozialdezernent Christoph Manjura (SPD) sagt zur Bedeutung der „Sprach-Kitas“: „Sie legen besonderen Wert auf eine vertrauensvolle und von gegenseitiger Wertschätzung geprägte Partnerschaft mit Familien unterschiedlicher sozialer oder kultureller Herkunft. Sprachbildung findet zuerst durch die Familie und zu Hause statt. Erst wenn es gelingt, eine Brücke zwischen der häuslichen und der kitaspezifischen Lebens- und Sprachkultur zu schaffen, ist dies die Voraussetzung, dass Kinder und ihre Familien sich in der Kita wohlfühlen.“

„Die Kinder lernen im Kita-Alltag sehr schnell Deutsch“, sagt Voss. Sie möchte jetzt die Eltern verstärkt einbinden. Die Verständigung funktioniere „mit Händen und Füßen“, gelegentlich nutzt die Kita für die Entwicklungsgespräche auch Übersetzer. Voss plant jetzt ein „Interkulturelles Café“, bei dem sich die Kita-Eltern zwanglos kennenlernen können. Sowie „Meet and Read“-Treffen, bei denen Eltern Bücher aus ihrem Herkunftsland vorlesen.