Benefizkonzert zugunsten der Spendenaktion „ihnen leuchtet...

aus ihnen leuchtet ein Licht

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„O du fröhliche“: Mit vereinten Kräften stimmen alle Mitwirkenden gemeinsam mit dem Publikum am Ende des Benefizkonzerts in der Marktkirche das beliebte Weihnachtslied an. Fotos: René  Vigneron   Foto:

In einem richtigen Weihnachtskonzert spielen Engel und himmlische Stimmen eine tragende Rolle. Im Benefizkonzert zugunsten der Spendenaktion dieser Tageszeitung, „ihnen...

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WIESBADEN. In einem richtigen Weihnachtskonzert spielen Engel und himmlische Stimmen eine tragende Rolle. Im Benefizkonzert zugunsten der Spendenaktion dieser Tageszeitung, „ihnen leuchtet ein Licht“, herrschte da am Freitagabend kein Mangel.

„O du fröhliche“: Mit vereinten Kräften stimmen alle Mitwirkenden gemeinsam mit dem Publikum am Ende des Benefizkonzerts in der Marktkirche das beliebte Weihnachtslied an. Fotos: René  Vigneron
Sorgen für Höhepunkte im Programm: Sopranistin Gloria Rehm und Martkirchen-Kantor Thomas J. Frank als Dirigent.
Große Begabung: Die Geigerin Laura Ochmann ist mit gerade mal 15 Jahren ein Star des Abends.
Simeon Ries (ganz links) von den Werkstätten für behinderte Menschen und Gabriele Abshagen von „Erica’s manna mobil“ freuen sich über den Spendenscheck, den Hans Georg Schnücker, Sprecher der VRM-Geschäftsführung, gemeinsam mit Projektredakteurin Sina Schreiner (ganz rechts) übergibt. Zwei Weihnachtsengel aus Mainz helfen dabei.
Tim Frühling ist ein „Wetterfrosch“, der auch gerne Geschichten erzählt – und Krimis schreibt.
Stefan Schröder, der moderierende Chefredakteur dieser Zeitung, ist beeindruckt vom Können des musikalischen Nachwuchses.

Glockenreine Höhenflüge des Soprans

Staatstheater-Sopranistin Gloria Rehm glänzt mit glockenreiner Höhe in Händels „Rejoice greatly“ und Mozarts „Exsultate, jubilate“, und Hessens Landesjugendchor erweist sich als eine so geschmeidig aufeinander abgestimmte Gemeinschaft, dass man kaum glauben kann, dass die jungen Leute zwischen 16 und 27 Jahren unter Leitung von Jürgen Faßbender und Axel Pfeiffer nur zu ein paar Probenphasen im Jahr zusammenkommen. Zu den Höhepunkten gehört Sven David Sandströms aparte Praetorius-Bearbeitung „Es ist ein Ros’ entsprungen“ in wunderbar schwebendem Klangbild. Einer von zahlreichen Programmpunkten, die von mehr als 600 Konzertbesuchern herzlichen Beifall bekommen – „in einer der schönsten Kirchen des Landes“, wie Stefan Schröder, der moderierende Chefredakteur von Wiesbadener Kurier und Wiesbadener Tagblatt, über die Marktkirche sagt.

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Zu himmlischen Stimmen gibt es im „Landesdom“, wo Kantor Thomas J. Frank die musikalische Hauptverantwortung trägt, aber auch ein heidnisch-höllisches Kontrastprogramm. Humperdincks „Hexenritt“, in dem das junge Streicherensemble von Lilo Grooß sattelfest bleibt wie am Anfang in Pachelbels Kanon, ist da schon mal ein Vorgeschmack. Dann lässt es Frank als Dirigent der Kammerphilharmonie Rhein-Main in Vivaldis „Winter“ kräftig stürmen, während die 15 Jahre junge Geigerin Laura Ochmann als Solistin nicht nur erstaunliche Virtuosität zeigt, sondern in der Vibrato-Zurückhaltung auch Geschmack und historische Einfühlung in die barocke Klangmalerei beweist. Ihr schöner Ton wirkt eben auch ohne Vibrato-Süßstoff.

Technisch noch viel anspruchsvoller, höllisch schwer ist die „Paganiniana“ des großen Geigers Nathan Milstein, eine komponierte Verbeugung vor dem Kollegen aus Genua und gespickt mit Motiven aus den Werken des Teufelsgeigers. Für die hochbegabte Geigerin die in Idstein die Pestalozzischule besucht und schon an Kölns Musikhochschule unterrichtet wird, scheint das „Teufelswerk“ aus blitzschnellen Läufen und heiklen Doppelgriff-Passagen fast ein Kinderspiel zu sein. Zur bunten Mischung aus himmlischen Stimmen und talentierten Nachwuchs-Instrumentalisten gesellen sich am Ende zwei leibhaftige, klassisch weiß geflügelte Engel. Sie kommen, verrät der Moderator, aus Mainz und bringen eine frohe Botschaft in Form eines Spendenschecks nach Wiesbaden: 20 000 Euro, der Erlös des Weihnachtskonzerts, gehen zu gleichen Teilen an den Verein „Erica’s manna mobil“ und an die Werkstätten für behinderte Menschen Wiesbaden-Rheingau-Taunus.

Kollektives Finale mit „O du fröhliche“

Hans Georg Schnücker, Sprecher der Geschäftsführung der VRM, zu der auch diese Zeitung gehört, betont bei der Übergabe die regionale Verwurzelung des Medienunternehmens, das mit allen Zeitungen täglich rund eine Million Leser erreicht und mit seinen Spendenaktionen pro Jahr 500 000 bis 600 000 Euro an die Region zurückgibt. Lange vor Scheckübergabe und kollektivem Finale mit „O du fröhliche“ hat der nach Schröders Einschätzung „charmanteste, schönste, genaueste Wetterfrosch“ einen sympathischen Auftritt jenseits seiner meteorologischen Kernkompetenz. Tim Frühling, Moderator des Hessischen Rundfunks, hat eine originelle Weihnachtsgeschichte von Paulo Coelho im Gepäck und verrät im Gespräch, dass er Krimiautor ist.

Apropos originell: Aus der Feder von Thomas Frank stammt die reizvolle Paraphrase über „Maria durch den Dornwald ging“. Den Fagott-Part muss allerdings außerplanmäßig das Cello übernehmen, da, trotz starker Schutzengel-Präsenz im Kirchenschiff, das wertvolle Blasinstrument umgefallen war und den Dienst verweigert. Das hindert die „Faust“-Preisträgerin Gloria Rehm aber nicht daran, ihren Sopran ein weiteres Mal aufleuchten zu lassen. Nicht nur Stefan Schröder hat da „atemlos gelauscht“.