Bürgerhaus-Parkplätze für Elterntaxis?

Erhöhter Autoverkehr im Bereich von Schulen bringt Schüler in brenzlige Situationen. Archivfoto: dpa

Im Dilemma um den Hol- und Bringverkehr an der Carlo-Mierendorff-Schule streben Ortsbeirats-Mitglieder eine Lösung an

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KOSTHEIM. Im Konflikt um die unerwünschten Elterntaxis an der Carlo-Mierendorff-Schule bemüht sich Ortsvorsteher Stephan Lauer (CDU) um Vermittlung. Bei einem Ortstermin mit der Schulleitung und Polizei soll die Lage in der Herrenstraße sowie in der Schulstraße sondiert werden. Dort herrscht vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss ein solch starker Hol- und Bringverkehr, dass es der Grundschule zu bunt wurde.

Eine Arbeitsgruppe könnte es richten

Im Hintergrund steht der Vorschlag der AUF-Fraktion, sich dem Faktischen zu beugen und einige "Kiss-and-Ride-Plätze" für einen geregelteren Ablauf einzurichten. Die AUF hatte bei der Sitzung des Ortsbeirats dafür geworben und vor lauter Angst, damit bei der Mehrheit ins Leere zu laufen, am Schluss nur noch das Gründen einer Arbeitsgruppe angeregt.

Das Thema Elterntaxi war bei der Sitzung trotz eines Brandbriefs der Schulleitung, die auf unhaltbare Zustände verwies, zurückgestellt worden. Der Brief sei kurz vor Sitzungsbeginn eingetroffen, es gebe eine Absprache, dass nur solche Themen auf die Tagesordnung kämen, die eine Woche vor der Sitzung bekannt seien. Was die Elterntaxis beträfe, gebe es Stimmen für eine Lösung auf dem nahen Bürgerhaus-Parkplatz, sagte Lauer. Dort könnten zwei bis drei Stellplätze für solche Zwecke reserviert werden, beschränkt auf die Zeit vor Unterrichtsbeginn und nach Schulschluss.

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Er persönlich wäre jedoch skeptisch. Solche Lösungen führten zu gegenteiligen Effekten. Es werde Eltern geben, die das "super" fänden und dann erst recht ihre Kinder mit dem Auto zur Schule brächten. Falls die Parkplätze am Bürgerhaus dann belegt seien, werde sich kaum einer davon abbringen lassen, bis zur Schule zu fahren. Schon heute sei "die Hölle los", sagte Lauer. Die Schulstraße sei so schmal, dass sie nicht einmal einen Bürgersteig habe, nur ein paar Parkplätze, die immer belegt seien. In der Herrenstraße werde verkehrswidrig geparkt.

"Kiss-and-Ride-Plätze" führten zu einem stärkeren Elterntaxi-Verkehr im alten Kostheim. Es wäre hilfreich, Argumente pro und kontra zu sammeln. Das verbreitere die Wissensbasis. Die Mitglieder des Ortsbeirats könnten dann eine bessere Empfehlung abgeben, als nur einen Beschluss mit vorgefassten Meinungen zu fassen. Der Eindruck, dass hier ein Thema beiseitegeschoben werden solle, sei falsch: "Wir sind alle im Ortsbeirat, um das Beste für Kostheim herauszuholen", sagte Lauer. Seine Generation sei zu Fuß zur Schule gegangen. Theoretisch könnte auch heute noch jeder Schüler zum Unterricht laufen. Offenbar gebe es Vorbehalte bei manchen Eltern. Sie fänden es in der heutigen Zeit wohl zu unsicher, ihre Kinder alleine gehen zu lassen. Dabei kämen auch andere Motive zum Tragen etwa die Bequemlichkeit der Zeit.

Die AUF-Fraktion nannte die Vermittlungsbemühungen des Ortsvorstehers positiv. Das Thema Schulwegsicherheit bleibe ein Thema in Kostheim, heißt es in einer Erklärung. Bei dem avisierten Ortstermin werde man sehen, wie wichtig es sei, aktiv zu werden. Offenbar sei vielen nicht bewusst, wie gefährlich der Taxiverkehr vor der Grundschule für die Kinder geworden sei, heißt es in einer Erklärung von Fraktionssprecherin Marion Mück-Raab. Das Unfallrisiko steige durch das hohe Verkehrsaufkommen vor den Schulgrundstücken, das räume auch der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) ein.

Die morgendliche Hektik führe dazu, dass Kinder übersehen würden. Durch riskante Park- und Wendemanöver komme es regelmäßig zu Unfällen, schreibe der ADAC. Bundesweit werde über "Kiss-and-Ride-Plätze" vor Schulen diskutiert, auch im Stadtgebiet sei das Thema nicht neu. In der Diesterweg-Schule in Biebrich gebe es zwei Plätze, mit denen das Verkehrschaos vor dem Schultor eingedämmt werden solle.