Driedorf: „Die Lage im Wald ist dramatisch“

Auch in Zukunft soll sich Hessen Forst um den Driedorfer Gemeindewald kümmern. Foto: Christian Hoge

Auch in der Westerwaldgemeinde sind die Folgen des Klimawandels im Wald deutlich zu spüren. Wie geht die Wiederaufforstung voran?

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Driedorf. Auf den Mund gefallen ist Hendrik Horn keineswegs. Aber langsam gehen auch dem Leiter des Forstamtes Weilburg die Worte und Vergleiche aus, wenn er über den Zustand des Waldes spricht.

Die Trockenheit habe sich „gravierend“ ausgewirkt, die Folgen des Klimawandels sorgten für „große Probleme“. Und zusammengefasst: „Die Lage ist dramatisch.“ Was Horn am Dienstag im Driedorfer Parlament erzählte, dürfte sich fast eins-zu-eins auf andere Kommunen übertragen lassen. Eigentlich ging es an diesem Abend um den Hauungs- und Wirtschaftsplan. Hessen-Forst-Kollege Christian Zehring berichtete darüber, was 2023 konkret geplant ist. Die Präsentation im Bürgerhaus war aber auch eine schonungslose Beschreibung des Status quo.

Der Fichteneinschlag steigt sprunghaft an

Einen Eindruck, wie sich die Situation verändert hat, geben die Zahlen des Fichteneinschlags: 2019 waren das im Gemeindewald noch rund 6183 Festmeter. 2020 folgte ein sprunghafter Anstieg auf 29.949 und 2021 sogar auf 33.111 Festmeter – also mehr als das Fünffache. „Auf Sie kommt ein Aufforstungsprogramm zu, das diese Gemeinde noch nicht gesehen hat“, machte Horn deutlich.

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Allerdings lasse sich natürlich nicht der komplette Wald auf einmal aufforsten. Die Priorität liege nicht im „Pflanzen, Pflanzen und Pflanzen, sondern im Pflegen, Pflegen und Pflegen.“

In den vergangenen drei Jahren wurden bereits 57,9 Hektar aufgeforstet – 17,8 im Jahr 2020 sowie 27,1 im Jahr 2021. Im laufenden Jahr kamen 13 Hektar hinzu, 2023 sollen 24 folgen. Unterm Strich wären das insgesamt 81,9 Hektar. Eine Zahl, die in Quadratmetern – nämlich 819.000 – noch eindrucksvoller klingt.

Man werde im Revier mindestens fünf bis zehn Jahre mit der Wiederaufforstung beschäftigt sein, so der Leiter des Forstamtes, der anmerkte, Saatgut sei derzeit nicht einmal mit Gold aufzuwiegen.

Waldbrandgefahr: Forstamt geht auf Wehren zu

Christian Zehring, Produktionsleiter von Hessen Forst, nannte Zahlen zum geplanten Holzeinschlag im Driedorfer Gemeindewald. Vorgesehen seien 12.800 Festmeter, wovon wiederum 12.000 verkaufsfähig seien. Dabei handle es sich vor allem um Fichten (4750), Buchen (3650) und Eschen (2600). Der Holzverkauf werde etwa 640.000 Euro Erlös bringen. Hinzu kommen Fördermittel von 25.000 Euro. In Driedorf wird für 2023 mit Ausgaben in Höhe von 490.400 Euro kalkuliert. Der größte Anteil entfällt auf die Wiederaufforstung – mit allem drum und dran – sowie Lohnkosten.

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Unterm Strich soll für das nächste Jahr ein Überschuss von 174.400 Euro stehen. Irgendwann gingen aber auch die Fichten aus, merkte Zehring an. Eine Prognose für die Zukunft sei schwierig.

Forstamtsleiter Horn ging auch auf die gestiegene Waldbrandgefahr ein. Für dieses Thema sind Kommunen im Lahn-Dill-Kreis nach den zahlreichen Bränden im laufenden Jahr besonders sensibilisiert. Vor allem der 47 Hektar große Waldbrand zwischen Frohnhausen und Niederroßbach hatte im August deutlich mehr als 1000 Feuerwehrleute aus der Region – und weit darüber hinaus – beschäftigt. Ebenso wie Dutzende weitere Feuer in den heimischen Wäldern. Horn kündigte an, auf die Freiwillige Feuerwehr zuzugehen, um Vorkehrungen rechtzeitig abzustimmen.