Wie sich Golfplätze aus Mittelhessen mit Wasser versorgen

Seit Monaten hat es in der Region kaum geregnet. Auf die Golfplätze in Dillenburg, Braunfels und Waldsolms fließen indes Zehntausende Liter Wasser pro Tag. Wie ist das möglich?

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DILLENBURG/BRAUNFELS/ WALDSOLMS. Es ist ein Handicap der etwas anderen Art, mit dem heimische Golfvereine und Golfspieler seit geraumer Zeit umgehen müssen. Denn seit Monaten hat es in weiten Teilen Mittelhessens nicht mehr richtig geregnet. Während viele Privathaushalte auf die Bewässerung des eigenen Gartens verzichten, fließen auf die Golfanlagen, die zumeist mehrere Hektar Spielfläche aufweisen, noch immer Zehntausende Liter Wasser pro Tag. Und doch wird im üblichen Ausmaß schon lange nicht mehr gewässert, wie die Anfrage bei den Golfvereinen in Dillenburg, Braunfels und Waldsolms zeigt.

"So extrem wie in diesem Jahr war es noch nie", erklärt John Bachor, Präsident des Golfclubs "Attighof" in Waldsolms-Griedelbach, mit Blick auf die anhaltende Dürre. Normalerweise fließen hier pro Nacht rund 150.000 Liter Wasser auf die gesamte Anlage. Schon seit vielen Wochen sei der Verbrauch stark gedrosselt worden, auch weil der Verein sein gesamtes Wasser von der Gemeinde Waldsolms bezieht.

Die Priorität liegt dabei auf den Abschlag- und Grünflächen. "Den gesamten Platz können wir schon lange nicht mehr halten", bekräftigt Clubsekretär Sebastian Lautz. Der sogenannte "Fairway", der sich zwischen Abschlag und Grün befindet, liegt in großen Teilen brach und wird überhaupt nicht mehr gewässert, berichten Lautz und Bachor unisono. Gleiches gilt für das "Rough" und "Semi-Rough", die sich an den Randstellen des Platzes befinden.

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Ähnlich ist das Bild beim Golfclub in Dillenburg. Zur Bewässerung der Anlage wird hier nahezu ausschließlich vorgeklärtes Wasser aus dem Klärwerk verwendet. Über eine Pumpanlage wird das Nass über eine Strecke von rund 2,5 Kilometern transportiert und in zwei Bewässerungsteiche gepumpt, von denen es zentral mittels eines Bewässerungssystems auf der gesamten Anlage verteilt wird. Üblicherweise fließen hier rund 400.000 Liter Wasser pro Tag auf die Grünanlage. Von der Stadt Dillenburg hat der Verein vor vielen Jahren eine Sondergenehmigung erhalten.

"Wir sind in einer sehr glücklichen Lage, dass wir weiterhin anzapfen können", weiß Clubmanager Volker Jungbluth das Entgegenkommen der Stadt zu schätzen. Auch auf der Anlage, die sich an der A45 zwischen Dillenburg und Herborn befindet, konzentriert man sich auf die "wichtigsten Flächen".

"Wir sind in einer sehr glücklichen Lage, dass wir weiterhin anzapfen können."

Volker Jungbluth, Clubmanager Dillenburg

Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, könne laut Jungbluth aber beispielsweise auf die Bewässerung des Grüns nicht verzichtet werden, weil das saubere "Einlochen" sonst schlichtweg nicht mehr möglich sei. Viele Gastspieler aus weiter entfernten Vereinen seien in den vergangenen Wochen auf die Anlage nach Dillenburg geströmt, um ihren Sport überhaupt weiter ausüben zu können. Eben aus jenem Grund, weil die Plätze andernorts in einem deutlich schlechteren Zustand seien.

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Größtenteils unabhängig von externen Wasserquellen agiert derweil der Braunfelser Golfclub. Vor 25 Jahren wurde auf der Anlage ein großer Speicherteich angelegt, der bis zu 21 Millionen Liter Wasser fasst. "Dieser Teich füllt sich quasi über den Herbst und Winter von alleine", erklärt Junior-Golfmanager Finn-Lasse-Ernst. Erst vor zwei Jahren wurde dieser Teich vollständig foliert, um noch effizienter Wasser zu speichern. Eine Maßnahme, die sich der Verein rund 250.000 Euro kosten ließ.

Das Wasser wird dabei mittels einer Drainage in den Teich geleitet. Unter anderem wird das Regenwasser, das auf sämtlichen Dächern landet, aufgefangen und vollständig für die Bewässerung der Anlage verwendet. "Wir sammeln jeden Tropfen Regenwasser und verteilen ihn dahin, wo er hingehört", sagt Präsident Markus Spamer.

Anders als in Dillenburg und Waldsolms, strahlt die Anlage in Braunfels mit wenigen Ausnahmen noch in saftigem Grün. "Solange wir Wasservorräte haben, wässern wir auch", bekräftigt Finn-Lasse Ernst. Lediglich die Randbereiche bleiben außen vor. Neben dem Speicherteich verfügt der Braunfelser Golfclub zudem über einen eigenen Grundwasserbrunnen, über den im Ernstfall zusätzliches Wasser gefördert werden kann.

"Solange wir Wasservorräte haben, wässern wir auch."

Finn-Lasse-Ernst, Junior-Golfmanager Braunfels

Schätzungsweise befinden sich im Speicherteich aktuell noch rund sieben bis acht Millionen Liter Wasser. Sicherheitshalber wurden von der Stadt Braunfels weitere fünf Millionen Liter dazugekauft. "Vermutlich werden wir dieses Wasser aber nicht benötigen", prophezeit Markus Spamer. Auf das Jahr gerechnet werden in Braunfels durchschnittlich rund 250.000 Liter täglich auf der Anlage verteilt. In besonders heißen Phasen kann sich diese Menge auf bis zu 600.000 Liter pro Tag erhöhen.

"Unser Ziel für die Zukunft ist es, dass wir völlig autark werden", betont Spamer mit Blick auf die Wasserversorgung. Langfristig sollen deshalb weitere Speicherteiche angelegt und foliert werden.

Nicht zu vernachlässigen sei der Aspekt, dass Golfvereine strengen Auflagen unterliegen und ihren Teil für die Artenvielfalt und den Naturschutz beisteuern. "33 Prozent bis 40 Prozent der Gesamtfläche müssen eine Ausgleichsfläche sein", hebt Volker Jungbluth aus Dillenburg hervor. Gemeint ist damit eine Fläche, die von den Golfern quasi unberührt und damit sich selbst überlassen bleibt.

"Wir schaffen einen Mehrwert für die Natur. Wenn die Fläche unserer Golfanlage beispielsweise durch landwirtschaftliche Fläche ersetzt werden würde, wäre das für die Umwelt garantiert schlechter."

Volker Jungbluth, Clubmanager Dillenburg

Das elitäre Image des Golfsports treffe aus vielerlei Hinsicht ohnehin nicht zu. "Wir schaffen einen Mehrwert für die Natur. Wenn die Fläche unserer Golfanlage beispielsweise durch landwirtschaftliche Fläche ersetzt werden würde, wäre das für die Umwelt garantiert schlechter", führt Jungbluth aus.

Nichtsdestotrotz regt die aktuelle Dürreperiode zum Nachdenken an. Auch in Dillenburg sollen perspektivisch weitere kleine Speicherteiche entstehen. Ähnliche Überlegungen gibt es auch in Waldsolms, wo möglicherweise irgendwann sogar ein eigener Grundwasserbrunnen entstehen soll. "Gleichzeitig ist uns aber auch bewusst, dass solch ein Projekt nicht nur viel Geld, sondern auch eine ganze Menge Zeit in Anspruch nehmen würde", weiß Sebastian Lautz. Bis die Golfvereine komplett autark agieren können, wird es also noch einige Zeit dauern.