Besonderer Sprachenunterricht an der IGS Obere Aar in Hahn

Claudia Kirchhoff und Ulrike Seeger (vorne v. li.) lesen den Schülern aus dem Buch „Irgendwie Anders“ vor. Foto: RMB/Wolfgang Kühner

In der Reihe „1000 Bücher – 1000 Sprachen“ lernten Schüler der IGS in Hahn eine Vielzahl an Sprachen kennen. Das Buch „Irgendwie Anders“ wurde in 18 Sprachen vorgelesen.

Anzeige

TAUNUSSTEIN. Für einen Moment herrschte sprachloses Staunen bei den Schülern der Klasse 5 d der Integrierten Gesamtschule (IGS) Obere Aar in Hahn. Denn gerade hatten sie von Ulrike Seeger, der pädagogischen Leiterin der Schule, erfahren, dass es auf der Welt noch rund 7000 Sprachen gibt. Bis zu einem Wert von 500 hatten sie sich bei ihren Schätzungen zuvor hochgearbeitet. Einen Teil dieser Sprachvielfalt bekamen sie bei der dritten Ausgabe der Lesung „1000 Bücher – 1000 Sprachen“ in der Schulbibliothek von Mitschülern, Vertreterinnen der Elternschaft sowie Integrationslotsinnen präsentiert.

Schüler erkennen sehr viele Sprachen

Zunächst lasen ihnen Seeger und Lehrerin Claudia Kirchhoff in deutscher Sprache aus Kathryn Caves Kinderbuchklassiker „Irgendwie Anders“ vor. Auch darin geht es um Vielfalt, denn der Protagonist heißt nicht nur „Irgendwie Anders“, sondern unterscheidet sich auch bei seinen Speisen und Spielen sowie seiner Sprache von seinem Umfeld. Deshalb stößt er auf Ablehnung. Eine Freundschaft entwickelt sich erst mit einem Wesen, mit dem er gemeinsam anders sein kann. Abschnittsweise wurde diese Geschichte dann nochmals in 18 Sprachen vorgelesen.

Im Anschluss stellte sich heraus, dass die Kinder der Klasse viele davon zumindest erkennen konnten. Nicht nur allgemein bekannte Sprachen wie Französisch, Italienisch oder Spanisch, sondern auch Polnisch, Russisch, Albanisch, Arabisch, Farsi oder Thai. Eine der älteren Schülerinnen, die einen Abschnitt auf Englisch vortrug, setzt sich sogar regelmäßig mit asiatischen Sprachen auseinander. „Ich sehe mir Thai-Dramas und auch koreanische Filme im Internet an. Mir gefallen Sprachen und in der Originalversion ist mehr Gefühl drin. Deshalb sehe ich das mit englischen Untertiteln“, berichtete die 13-jährige Dilan.

Anzeige

In einer Druckfassung konnten sich die Schüler auch einen Eindruck davon machen, wie sehr sich zum Teil das Schriftbild der Sprachen unterscheidet, die sie gerade gehört hatten. Schließlich waren auch die eritreische Hauptsprache Tigrinya, das in Sri Lanka gesprochene Tamil oder das in Teilen Afghanistans gebräuchliche Dari dabei. Außerdem erfuhren sie, dass sowohl im Arabischen als auch im Persischen von rechts nach links geschrieben wird und das Berberische ganz ohne Schrift ausschließlich mündlich übermittelt wird.

„Mir haben Rumänisch, Türkisch und Tamil besonders gut gefallen“, berichtete die 15-jährige Nasrin, die sich mit ihrer Heimatsprache Somali an der Lesung beteiligte. Da sie erst seit zweieinhalb Jahren in Deutschland lebe, könne sie den Inhalt der Geschichte gut nachvollziehen. „Am Anfang war es auch bei mir so, aber jetzt bin ich glücklich. Alle können Freunde sein, auch wenn sie eine andere Sprache oder Kultur haben. Ich habe arabische, deutsche und italienische Freunde“, betonte die Siebtklässlerin.

Zwei besondere Sprachformen fanden darüber hinaus ihren Platz bei der Lesung. Violinist Lilian Iacob begeisterte die Gäste mit der Sprache der Musik und die 11-jährige Fiamma stellte kurz die Gebärdensprache vor. Seeger möchte sie nun dafür gewinnen, bei der nächsten Lesung dieser Reihe einen Abschnitt der Erzählung zu gebärden.